Averill-Murray, R.C. & A. Averill-Murray (2005): Regional-scale estimation of density and habitat use of the Desert Tortoise (Gopherus agassizii) in Arizona. – Journal of Herpetology 39 (1): 65-72.

Schätzung der Dichte und Habitatnutzung der Kalifornischen Wüstenschildkröte (Gopherus agassizii) im regionalen Maßstab in Arizona

Untersuchungen und das Management von Wüstenschildkröten in der Sonora-Wüste schließen üblicherweise Täler aus, die zwischen Bergen eingebettet sind, da allgemein davon ausgegangen wurde, dass die Schildkröten dort nicht vorkommen. Außerdem sind wegen der Schwierigkeiten, Daten in der komplexen Landschaft des Sonora-Hochlandes zu sammeln, nur wenige Untersuchungen auf einem regionalen Level durchgeführt worden. Wir nutzten Entfernungsmessungen, um die Nutzung des Makrohabitates und die regionale Dichte der Wüstenschildkröten im 76.800 Hektar großen Ironwood Forest National Monument in Arizona aufzunehmen. Wir beobachteten 42 Schildkröten auf Transekten und die Entfernungsmessungen ergaben eine Schätzung von 17.997 Schildkröten mit einer Carapaxlänge von mehr als 150 mm (Abweichungskoeffizient = 41,5 %) im gesamten Gebiet. Die Schichtung in Habitattypen (abschüssige Topografie mit Geröll, eingeschnittene Furchen, oder keiner dieser Komponenten) verbesserten die Genauigkeit etwas (37,2 %) Die Nachweiswahrscheinlichkeit trug am wenigsten zur Varianz der Dichte bei, wenn man sie mit der Zählrate und der Auffindbarkeit der Schildkröten entlang der Transektlinien verglich, was darauf hinweist, dass die Annahmen bzgl. der Leistungsfähigkeit der Erfassungstechnik sich während der Bestandsaufnahme als richtig erwiesen. Wir fanden Schildkröten oder Anzeichen derselben in 92 % der Transekte mit Geröllhabitat, in 71 % derer, die eingeschnittene Furchen enthielten, und auf 25 % der Habitate, die keins von beidem enthielten (bis zu 1,7 km Entfernung bis zum nächsten Berghang). Unsere Resultate deuten darauf hin, dass Kalifornische Wüstenschildkröten in der Sonora-Wüste in niedriger Dichte vorkommen, aber dass sie in den Bergtälern nicht gänzlich fehlen. Ferner lässt sich schließen, dass die Nutzung dieser Täler für den Austausch der Schildkröten zwischen den lokalen (Berghang-) Populationen für die Langzeit-Überlebensfähigkeit von Bedeutung sein könnte. Unter Berücksichtigung unserer Befunde, sollten zukünftige Forschungsbemühungen, die sich speziell auf Gebiete mit abschüssiger Topografie und mit Geröll beziehen, noch höhere Zählraten für Schildkröten ergeben, was zu einer Präzisierung der regionalen Dichten und Trendschätzungen beitragen würde, wobei sich damit auch der Forschungsaufwand reduzieren würde.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Glück, dass die vorliegende Studie vorerst einmal unvoreingenommen eine Bestandserfassung für die Gesamtfläche vorgenommen hat, denn hätte man sich, wie am Ende vorgeschlagen, gleich auf die Erfassung viel versprechenderer Lokalhabitate konzentriert, wäre vielleicht die mögliche Bedeutung für den genetischen Austausch zwischen den Hangpopulationen über die wenigen, die Täler besiedelnden Individuen nie erkannt worden. Etwas, was vielleicht sogar sehr wichtig sein kann, bedenkt man einmal, wie sich dauernde Inzucht innerhalb kleiner isolierter Lokalpopulationen auswirken kann. Bei langlebigen Schildkröten sicher etwas, dass man nur schwer in kurzen Zeiträumen erfassen kann. Aber solche Faktoren können für kurzlebigere Arten, wie z.B. dem Laubfrosch sehr schnell, zumindest noch während der Lebensarbeitszeit eines Wissenschaftlers, zu erkennbaren genetischen Verlusten und Populationszusammenbrüchen führen (siehe Andersen et al., Proc. R. Soc. Lond. B, 271: 1293-1302; 2004). Etwas, das man zum Glück erkannt hat und nun Netzwerke verbundener Schutzgebiete zur Erhaltung plant. Etwas, das wir bzgl. der Schutzmaßnahmen für Schildkröten wohl noch lernen müssen, da wir bislang für solch langlebige Spezies eben noch keine so exakten Daten haben. Aber können wir, wenn schon viele Studien auch für Schildkröten so etwas vermuten lassen, nicht schon einmal von den kürzerlebigen Arten lernen oder müssen wir immer erst reagieren, wenn „das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“?

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