Attum, O., Kramer, A. & S.M. Baha El Din (2013): Thermal utility of desert vegetation for the Egyptian tortoise and its conservation Implications. – Journal of Arid Environments 96: 73–79.

Die temperaturabhängige Nutzung der Wüstenvegetation bei der Ägyptischen Landschildkröte und deren Bedeutung für die Arterhaltung.

Wir untersuchten die monatliche Nutzung von Wüstensträuchern (Artemisia monosperma) zur Thermoregulation bei der global gefährdeten Ägyptischen Landschildkröte, Testudo kleinmanni im Sinai, Ägypten. Bei A. monosperma handelt es sich um einen verbreiteten Wüstenstrauch der häufig von T. kleinmanni als Unterschlupf aufgesucht wird. Bei der Ägyptischee Landschildkröte wurden sowohl die durchschnittlich höchsten wie auch die durchschnittlich niedrigsten monatlichen Carapaxtemperaturen während der Sommermonate gemessen also in einer Zeit in der die Aestivation stattfindet zu der die Schildkröten möglichst große Sträucher aufsuchen. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die thermischen Bedingungen die größere Sträucher bieten wichtige Mikrohabitate für die Ägyptische Landschildkröte darstellen, die möglicher Weise für ihr langfristiges Überleben notwendig sind. Große Sträucher boten schafften Rückzugsrefugien und stabilere thermale Bedingungen und schützten somit vor zu starken mikroklimatischen Schwankungen. Kleinere Sträucher boten keine adequat temperierten Refugien, da unter ihnen die Spanne der Temperaturveränderung während des Sommers zu hoch war um ein optimales Aestivationshabitat zu bieten. Die Schildkröten nutzten kleinere Sträucher nur im Herbst, Winter und im Frühjahr um sich in geschützter Umgebung schneller aufzuwärmen und zur aktiven Thermoregulation während sie nur Sträucher ab einem Meter Durchmesser für die Aestivation aufsuchten. Zukünftige Erhaltungsmaßnahmen für die Ägyptische Landschildkröte sollten darauf abzielen Habitate mit großen mehrjährigen Sträuchern zu erhalten oder wieder zu restaurieren (herzustellen) um die wichtigen Aestivationshabitate zu erhalten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine durchaus aufschlussreiche Arbeit die zeigt wie wichtig eine ganzjährige wenn nicht sogar mehrjährige Lebensraumerfassung und Beurteilung für das Erhaltungsmanagement ist. Nun wer sich für die gemessenen Einzelkörpertemperaturen und Habitattemperaturen interessiert findet diese in der Arbeit gelistet. Hier sei nur angemerkt, dass die gemessene Maximaltemperatur im Habitat bei 54,5ºC und die Minimaltemperatur bei 3,0ºC lag. Bei diesen Extremen boten kleine Sträucher mit 20 cm bis 30 cm Durchmesser keinen Schutz, da unter ihnen die Temperaturmaxima bzw. Minima bei 52ºC und 4,5ºC lagen während unter Sträuchern ab etwa 50–80 cm Durchmesser schon ausgeglichenere Temperaturen herschten die um die 30ºC (Sommer) und 19ºC (Frühjahr) und 17ºC Herbst schwankten. Unter diesen großen Aestivationssträuchern betrug die Aestivationstemperatur etwa 12ºC.
Wenn man mal diese für
T. kleinmanni durchgeführte Studie zu verallgemeinern versucht so lernt man sehr schön welchen Einfluss die Vegetation auf die unter oder in ihr gemessenen Temperaturen hat und gleiches gilt wohl auch für die Luftfeuchte, denn auch Pflanzen verdunsten Wasser! Man sollte hier klar erkennen, dass Durchschnittswerte in 2m Höhe über dem Boden von Wetterstationen gemessen werden wirklich nur grobe Annäherungen darstellen und niemanden davon entbinden sich empirisch sprich durch Eigenexperimente in der Tierhaltung sich an die Optimalbedingungen für eine bestimmte Spezies heranzutasten. Im Grunde genommen ist es schade, dass bislang niemand auch die entsprechenden rel. Luftfeuchten mit bestimmt. Siehe auch Bidmon & Jennemann (2006) snd die dort zitierte Literatur sowie Lagarde et al. (2012) und McMaster & Downs (2013).

Literatur

Bidmon, H.-J. & G. Jennemann (2006) Hohe relative Luftfeuchtigkeit, gleich glatte Panzer: Wie lässt sich das in der Landschildkrötenhaltung praktikabel realisieren? – Schildkröten im Fokus, Bergheim 3 (4): 3–18.

Lagarde, F., T. Louzizi, T. Slimani, H. El Mouden, K. B. Kaddour, S. Moulherat & X. Bonnet (2012): Bushes protect tortoises from lethal overheating in arid areas of Morocco. – Environmental Conservation: 39: 172–182 oder Abstract-Archiv.

McMaster, M. K. & C. T. Downs (2013): Thermoregulation in leopard tortoises in the Nama-Karoo: The importance of behaviour and core body temperatures. – Journal of Thermal Biology 38: 178–185 oder Abstract-Archiv.

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