Chinesische Streifenschildkröte, Mauremys sinensis, – © Hans-Jürgen Bidmon
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Rato - 2026 - 01

Rato, João, Maria Silva, Tatiana Catarrinho, Rúben Filipe, Shaquille Matthys, Pedro Brandão, Pedro Anastácio & Filipe Banha (2026): Six new non-native turtles in Portugal: A growing threat apart from the Red-Eared slider and Chinese stripe-necked turtle. – Herpetozoa 39: 1-5.

Sechs neue nicht einheimische Wasserschildkröten in Portugal: Eine zunehmende Gefährdung neben der schon vorhandenen durch die Rotwangen-Schmuckschildkröte und die Chinesische Streifenhalsschildkröte.

DOI: 10.3897/herpetozoa.39.e167762 ➚

Rotwangen-Schmuckschildkröte, Trachemys scripta elegans, – © Hans-Jürgen Bidmon
Rotwangen-Schmuckschildkröte,
Trachemys scripta elegans,
© Hans-Jürgen Bidmon

Wir berichten über die ersten Nachweise nicht heimischer Süßwasserschildkröten in Portugal und heben damit die wachsende Vielfalt der eingeführten Arten neben den bekannten Trachemys scripta und Mauremys sinensis hervor. In den Jahren 2024 und 2025 untersuchten wir 39 Standorte in ganz Portugal und bestätigten das Vorkommen von sieben nicht heimischen Arten an sieben Standorten. Während T. scripta die am häufigsten nachgewiesene Art blieb (n = 68), wurden auch M. sinensis, Graptemys pseudogeographica und verschiedene Arten von Pseudemys gefangen, insbesondere in Lissabon und Sintra. Bemerkenswert ist, dass eine hohe Anzahl von M. sinensis-Jungtieren (n = 12) gefangen wurde, was durch die Fortpflanzung in der Natur erklärt werden könnte. Insbesondere dokumentierten wir den ersten Nachweis von Nistverhalten von G. pseudogeographica in Sintra, was auf das Potenzial dieser Art hinweist, sich in der freien Natur anzusiedeln. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl illegale als auch legale nicht heimische Schildkröten als Haustiere in portugiesische Ökosysteme freigelassen werden. Unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit umfassenderer Präventionsmaßnahmen, da andere eingeführte Arten ähnliche Invasionswege mit unbekannten ökologischen Auswirkungen nehmen könnten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Die bei dieser Untersuchung nachgewiesenen 7 Arten handelte es sich um Graptemys pseudogeographica, Mauremys reevesii, Mauremys sinensis, Pseudemys concinna, Pseudemys nelsoni, Pseudemys peninsularis, Trachemys scripta. Die Autoren konnten dabei auch eine nistende G. pseudogeographica direkt an Land aufgreifen. Allerdings war die Gesamtanzahl mit 137 exotischen Individuen doch noch recht überschaubar und meist auf Gewässer in städtischen Parkanlagen begrenzt. Insofern dürfte es bezogen auf Südeuropa wohl kaum Unterschiede zu den anderen Staaten geben und es muss sich erst noch erweisen ob die Maßnahmen zur Eindämmung von deren Verbreitung sich langfristig als wirkungsvoll sind. Ja, selbst in Süddeutschland und im Rheinland lassen sich solche exotischen Arten finden, die sich in vielen Fällen auch schon reproduzieren (Tietz et al., Bidmon et al., 2024, 2025). Siehe dazu auch in der Rubrik Invasiv Spezial im Archiv.

Literatur

Bidmon, H.-J. (2024): Commercially assisted migration – Invasive species and their future in a globalized world: A perspective – Artikel-Archiv.

Bidmon, H.-J. (2025): Water castles, monasteries and castle ruins between the Niers and Erft rivers and their chelonians, as well as the presumed first evidence of Mauremys leprosa in the Rhineland region: A brief report. - Artikel-Archiv.

Rato, João, Pedro Brandão, Filipe Banha & Pedro Anastácio (2025): Market-driven risks: Assessing exotic testudines trade and invasion potential. – Environmental and Sustainability Indicators 28: 100929 oder Abstract-Archiv.

Tietz, B., J. Penner & M. Vamberger (2023): Chelonian challenge: three alien species from North America are moving their reproductive boundaries in Central Europe. – NeoBiota 82(1): 1–21 oder Abstract-Archiv.

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