Wilkinson, A., I. Mandl, T. Bugnyar & L. Huber (2010): Gaze following in the red-footed tortoise (Geochelone carbonaria). – Animal Cognition 13(5): 765-769.

Blickfolgen bei Köhlerschildkröten (Geochelone carbonaria).

DOI: 10.1007/s10071-010-0320-2 ➚

Köhlerschildkröte, Chelonoidis carbonaria – © Hans-Jürgen Bidmon
Köhlerschildkröte,
Chelonoidis carbonaria,
© Hans-Jürgen Bidmon

Blickfolgen bezieht sich auf ein Verhalten eines Tieres, das darin besteht, dass ein Individuum seine Blickrichtung so orientiert, wie es dies bei anderen Tieren beobachtet. Solch ein Verhalten ist adaptiv (angepasst), da es den Beobachter alarmiert oder aufmerksam macht, beispielsweise auf wichtige Objekte in der Umwelt wie bestimmte Futterquellen oder eben auch auf gefährliche Beutegreifer. Dieses Verhalten ist von Säugetieren und Vögeln bekannt, aber die Evolution und Geschichte dieses Verhaltens sowie die Verbreitung dieses Verhaltens bei den einzelnen Gruppen im Tierreich ist unbekannt. Hier zeigen wir Daten, die zeigen, dass ein Reptil, die Köhlerschildkröte (Geochelone carbonaria), in der Lage ist, dem Blick eines Artgenossen zu folgen, bei einem Test, der darauf abzielt, nach etwas bestimmten zu schauen. Kontrollexperimente zeigen, dass weder die Anwesenheit einer anderen Schildkröte, noch das alleinige Vorhandensein eines Lichtsignals (ohne Demonstrator) das Verhalten der Schildkröten beeinflusst. Die Befunde lassen den Schluss zu, dass die Fähigkeit dem Blick eines anderen zu folgen, sowohl bei Säugetieren und Vögeln wie auch bei Reptilien vorhanden ist, was nahe legt, dass diese Verhaltenmuster evolvierte bevor es zur Abspaltung der Amnioten kam, oder es ist das Ergebnis, das sich aus einer generellen Fähigkeit zum Lernen ableitet.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Für mein Dafürhalten leitet sich dieses Verhalten aus der Lernfähigkeit ab, die diese Autoren ja schon für die Köhlerschildkröte nachgewiesen haben. Warum diese Autoren allerdings auch in dieser Arbeit Köhlerschildkröten explizit als nicht-sozial bezeichnen, kann ich nicht nachvollziehen. Und insbesondere an einem Lehrstuhl für Lerntheorien sollte man voraussetzen, dass man über seine Untersuchungsobjekte und deren Verhalten im natürlichen Lebensraum etwas gelernt haben sollte, ehe man bestimmte Behauptungen aufstellt und propagiert. Siehe auch Kommentare zu: Crews et al. (2006), Poschadel et al. (2006) und Wilkinson et al. 2010.

Literatur

Crews, D., W. Lou, A. Fleming & S. Ogawa (2006): From gene networks underlying sex determination and gonadal differentiation to the development of neural networks regulating sociosexual behavior. – Brain Research 1126(1): 109-121 oder Abstract-Archiv.

Poschadel, J. R., Y. Meyer-Lucht & M. Plath (2006): Response to chemical cues from conspecifics reflects male mating preference for large females and avoidance of large competitors in the European pond turtle, Emys orbicularis. – Behaviour 143(5): 569-587 oder Abstract-Archiv.

Wilkinson, A., K. Kuenstner, J. Mueller & L. Huber (2010): Social learning in a non-social reptile (Geochelone carbonaria). – Biology Letters 6(5): 614-616 oder Abstract-Archiv.

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