Stone, M. D. & D. Moll (2006): Diet-dependent differences in digestive efficiency in two sympatric species of box turtles, Terrapene carolina and Terrapene ornata. – Journal of Herpetology 40 (3): 364-371.

Ernährungsabhängige Unterschiede in der Verdauungseffizienz der bei zwei sympatrischen Dosenschildkrötenarten, Terrapene carolina und Terrapene ornata

Terrapene carolina und Terrapene ornata kommen in Missouri sympatrisch vor, aber sie neigen dazu, verschiedene Habitate zu bewohnen. Außerdem gibt es auch einige Abweichungen bezüglich der Nahrungswahl, wobei T. carolina dazu tendiert, mehr herbivor zu sein, als T. ornata. Differenzen bezüglich der Diät und der Habitate können durch eine unterschiedliche Verdauungsphysiologie bei beiden Spezies bedingt sein. Wir untersuchten die Möglichkeit dieser Spezies, drei verschiedene reine Fruchtdiäten (Brombeeren, Fußblatt und Erdbeeren) zu verdauen. Die Art der Nahrung hatte einen signifikanten Effekt auf die Verdauungseffizienz und die Darmpassageraten. Wir fanden heraus, dass T. carolina eine signifikant längere Darmpassagenzeit aufwies als T. ornata, wenn die Erdbeerdiät gefüttert wurde, aber nicht, wenn Brombeeren oder Fußblatt gefüttert wurde. Terrapene ornata hatte eine signifikant höhere Effizienz als T. carolina bei der Fußblatt-Diät, aber nicht bei Erdbeeren und Brombeeren. Diese Studie zeigt, dass nahrungsabhängige Unterschiede in der Verdauungsfähigkeit zwischen beiden Spezies existieren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch wenn diese Arbeit sehr einseitige, artifizielle Ernährungsmuster untersucht, so reiht sie sich doch in eine Reihe neuerer Publikationen ein, die darauf abzielen Ernährungsunterschiede sowohl für bestimmte Nahrungsbestandteile als auch für unterschiedliche Schildkrötenspezies zu erarbeiten. Insofern sind solche Arbeiten durchaus hilfreich, gerade uns als Halter immer wieder daran zu erinnern, dass es Unterschiede gibt und wie man sie bei der artgerechten Haltung und Fütterung berücksichtigen sollte. Etwas was eigentlich schon sehr viel früher hätte passieren müssen, wenn man artgerechte Haltung und damit auch verbunden den Tierschutz ernster genommen hätte (Fehlernährung verursacht Leiden). Leider haben sich gerade Organisationen, die solche Arbeiten hätten fördern können, in der Vergangenheit zu sehr darauf konzentriert, Neubeschreibungen und so genannte „Raritäten“ zu sammeln und deren Vermarktung zu fördern, als wirklich erst im Sinne einer verantwortungsvollen Haltung die Grundlagen sprich auch die Ernährungsphysiologie zu erarbeiten. Mit einem umgekehrten Vorgehen hätten wahrscheinlich in der Vergangenheit viele Todesfälle vermieden werden können. (Oder gab's da sogar Marktstrategien, denn wer Verluste hat kauft oft nach?). Gerade heute wo die Abnahme vieler Spezies oft sehr rasch fortschreitet, sollte man sich dessen bewusst werden, dass das alte Seefahrer- und Entdeckerprinzip „Erstmal alles einsammeln und dann sehen ob wir's auch halten und züchten oder auch nur zur Finanzierung der Unternehmungen vermarkten können“ falsch war. (siehe auch Kommentar zu Armstrong, G. & D. T. Booth (2005) Wildlife Research 32: 349-353; SiF 2(4) 2005). Allerdings, ob diese Einsicht wirklich schon in den Köpfen angekommen ist, wage ich zu bezweifeln, denn immer wieder hört man noch von Personen (oder Sammlern), die sich gerade mal wieder eine neue „Rarität“ aus Afrika oder sonst wo zugelegt haben und jetzt Hilfe suchend nach geeignetem Futter suchen. Warum eigentlich nicht einmal den umgekehrten Weg gehen und erst im Biotop die Ernährungsbedingungen in Erfahrung bringen, dann sicherstellen, wo man artgerechtes Futter bekommen oder züchten kann, und dann erst eine Anschaffung in Erwägung ziehen. Sicherlich werden jetzt viele sagen, dass predigen wir schon seit Jahren jedem Anfänger, nur halten sich jene, die predigen, auch wirklich selbst daran??? Auch das Ziel Neubeschreibungen als Publikationspriorität auszuweisen, ist vor diesem Hintergrund kaum zu verstehen, zumal doch die meisten Mitglieder dieser Interessensverbände, die solche Publikationen mit ihren Beiträgen subventionieren, sich mit mehr Fragen zur artgerechten Haltung als mit den Problemen der Systematiker (wie viel Schuppen für welche Art charakteristisch sind) auseinander zu setzen haben.

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