Steffen, J. E., J. Hultberg & S. Drozda (2019): The effect of dietary carotenoid increase on painted turtle spot and stripe color. – Comparative Biochemistry and Physiology Part B: Biochemistry and Molecular Biology 229: 10-17.

Die Auswirkungen der Verfütterung von Carotinoiden auf die Zunahme der Streifenfärbung bei Zierschildkröten.

DOI: 10.1016/j.cbpb.2018.12.002

 Chrysemys picta – (c) Hans-Juergen Bidmon
Zierschildkröte, Chrysemys picta
© Hans-Juergen-Bidmon

Die Bestimmung wie sich die auf Carotinoiden basierenden Farbmuster bei unterschiedlicher Pigmentaufnahmemenge ändern ist wichtig für das Verständnis der Funktion von Farbmustern bei Tieren. Wir experimentierten hier mit Carotinoidgaben zum Futter bei männlichen Zierschildkröten (Chrysemys picta), um zu untersuchen wie sich die Erhöhung des Carotinoidanteils im Futter auf die körperteilspezifischen Veränderungen im Flecken- und Streifenfarbmuster auswirken. Schildkröten die hohe Carotinoidmengen aufnahmen zeigten eine Verstärkung der Gelbfärbung bei den Kinnstreifen und eine Erhöhung des Rotanteils in den Nacken- und Carapaxstreifen und sie zeigten eine Abnahme bei der Ultraviolettfärbung (Lichtreflexion) für die Nackenstreifen (Orangefärbung für das menschliche Auge) und Vorderbeinstreifen (Rottönung für das menschliche Auge). Schildkröten die hohe Carotinoidmengen aufnahmen zeigten auch eine reduzierte Helligkeit (Leuchtdichte, B1) bei den Streifen der Hinterbeine (Rot für das menschliche Auge) sowie reduzierte Rotanteile und reduzierte UV-Färbung bei den postorbitalen Flecken im Vergleich zu Schildkröten mit moderaten Carotinoidanteil im Futter. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Hautfärbung des Flecken- und Streifenmusters in Abhängigkeit zur Carotinoidverfügbarkeit erfolgt, wobei ein erhöhter Luteinanteil dazu führt, dass sich eine verstärkte Gelb- und Rotfärbung ausbildet während es zugleich zu einer Abnahme bei der Ultraviolettfärbung und der Helligkeit bei männlichen Zierschildkröten kommt. Diese Ergebnisse werden in Bezug zur Nahrungsverfügbarkeit von Carotinoiden und im Vergleich zu anderen Modellsystemen diskutiert ebenso wie wir auf die Möglichkeiten eingehen die die Flecken- und Streifenfärbung für die visuelle Signalübermittlung haben.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine durchaus interessante Arbeit die gerade in Bezug auf die Signalwirkung solcher Farbmuster von Bedeutung ist. Verfüttert wurde ein Schildkrötengel (Pudding) der Firma Mazuri der 63.8% Protein, 20% Fett und 1.2% Rohfaser sowie 38 mg Beta-Carotin (ein oranges Carotinoid) pro kg enthält, wobei zusätzlich noch nicht weiter bestimmte Carotinoide aus Spirulinaalgenpulver etc. dazu kommen. Dieses Futter wird als Pulver 1:1 mit Wasser gemischt und ergibt den Pudding. Dieser Pudding diente als Normalfutter mit moderatem Carotinoidanteil. Das Futter mit erhöhtem Carotinoidanteil war das Gleiche nur mit einem Zusatz von 40mg Lutein (ein gelbes Carotinoid) pro kg. Insofern zeigt die Studie eigentlich nur, dass sich wie bei anderen Tieren (z.B. Vögeln, z. B. rote oder orange Kanarienvögel) auf deren Färbung auswirkt. Allerdings wenn wir mal davon absehen, dass intensiver gefärbte Individuen vielleicht dem Betrachter besser gefallen, stellt sich zumindest bei Schildkröten als Reptilien die Frage wie sich die dabei aufgetretene Abschwächung der UV-Lichtreflexion auf deren Kommunikation und Verhalten auswirkt? Denn für Reptilien ist nachgewiesen, dass sie solche UV-Licht abhängigen Signale zur Kommunikation und Geschlechtspartnerwahl nutzen. Insofern müssten eigentlich solche vom Carotinoidgehalt des Futters abhängigen Farbreflexionsveränderungen durch entsprechende Verhaltensversuche untersucht werden, um herauszufinden ob sie sich letztendlich positiv oder negativ auswirken. Denn welchen Sinn würden solche Signalparameter die zum Teil auch den Gesundheitsstatus eines möglichen Partners reflektieren haben (Brechja & Kleisner, 2016; Ibanez et al., 2013; Polo-Cavia et al., 2013) wenn diese allein durch Futterzusätze manipuliert worden sind?

Literatur

Abstract und Kommentar stehen auch in der Rubrik Wissenschaft im Fokus in Schildkröten im Fokus 16(2): 26-27, 2019

Brejcha, J.& K. Kleisner (2016) Turtles Are Not Just Walking Stones: Conspicuous Coloration and Sexual Selection in Freshwater Turtles. – Biosemiotics 9: 247-266 oder Abstract-Archiv.

Bildergalerien

  • Chrysemys-picta-Hans-Juergen-Bidmon-01

 

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