Spitzweg - 2019 - 01

Spitzweg, C., M. D. Hofmeyr, U. Fritz & M. Vamberger (2019): Leopard tortoises in southern Africa have greater genetic diversity in the north than in the south (Testudinidae). – Zoologica Scripta 48(1): 57-68.

Die Pantherschildkröten Südafrikas haben im Norden eine größere genetische Vielfalt als im Süden (Testudinidae).

DOI: 10.1111/zsc.12328 ➚

Pantherschildkröte, Stigmochelys pardalis, – © Hans-Jürgen Bidmon
Pantherschildkröte,
Stigmochelys pardalis,
© Hans-Jürgen Bidmon

Im Gegensatz zu Säugern ist für die weit verbreiteten afrikanischen Reptilien wenig über deren phylogeographische Struktur bekannt. In dieser Studie leisten wir einen Beitrag für die Pantherschildkröte (Stigmochelys pardalis). Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Horn von Afrika südwärts bis Südafrika und westwärts bis in das südliche Angola. Allerdings wird ihr natürliches Vorkommen in einigen südlichen Regionen angezweifelt. Um dies abzuklären verwendeten wir mtDNS-Sequenzen und 14 Mikrosatellitenloci von 204 Individuen die hauptsächlich aus Südafrika stammten. Unsere Ergebnisse ergaben fünf mitochondriale Kladen: Eine im Süden und zwei im Nordwesten und Nordosten von Südafrika sowie zwei weitere die noch weiter im Norden anzutreffen waren. Unter Anwendung der Mikrosatelliten zeigte sich eine südliche Klade die mit einem gut definierten südlichen Cluster übereinstimmte wohingegen die beiden nördlichen Kladen aus Südafrika mit einem nördlichen nukleären Cluster übereinstimmten das drei Untercluster enthielt. Eines der Untercluster zeigte eine westliche und zentrale Verbreitung und ein weiteres kam hauptsächlich im Nordosten vor und das dritte Untercluster bezog sich auf eine kleine östliche Region (Maputaland) das einen Teil eines, sogenannten Biodiversitätshotspot darstellt. Die genetische Diversität in unserer Studienregion war im Süden gering und im Norden hoch was insbesondere den Nordosten betraf. Unsere Ergebnisse sprachen dagegen, dass frühere Verfrachtungen von Schildkröten die genetische Struktur der Pantherschildkröten wesentlich verändert haben könnten. Wir postulieren, dass pleistozäne klimatische Schwankungen dazu führten, dass sich die Pantherschildkröten in distinkte Rückzugsgebiete im Süden und Norden zurückzogen und wir deuten die hohe genetische Diversität im Norden von Südafrika so, dass sich daraus eine genetisch Struktur entwickelte die durch deren Überleben in drei getrennten Rückzugsgebieten mit einer nachfolgenden Ausbreitung und Vermischung begründet, während die Schildkröten im Süden nur in einem kontinuierlich bestehenden küstennahen Rückzugsgebiet überlebt haben.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wieder eine interessante Arbeit die die Evolutionslinienentwicklung für Stigmochelys pardalis in Südafrika beschreibt und die für die Zukunft hoffen lässt, da sich für diese Art noch eine hohe genetische Diversität nachweisen lässt. Allerdings wenn wir mal auf Afrika blicken zeigt sich ein Bild das für alle bis dato untersuchten Arten solche Evolutionslinienmuster zeigt. Sicher kann man jetzt fragen wie sich diese Cluster und Kladen phänotypisch unterscheiden? Aber die Arbeit deutet auch an, dass es darauf vielleicht gar nicht so sehr ankommt und wir froh sein können, dass zu der Zeit als die Wiederausbreitung aus den Rückzugsrefugien und Vermischung im Norden begann noch keine humanen „Artreinerhalter“ zugegen waren, denn wer weiß, ob deren Evolutionslinienentwicklung sonst so ungebremst zu einer hohen genetischen Diversität hätte führen können!

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