Segura, A., M. Delibes-Mateos & Acevedo (2020): Implications for Conservation of Collection of Mediterranean Spur-Thighed Tortoise as Pets in Morocco: Residents' Perceptions, Habits, and Knowledge. – Animals 10(2): 265.

Die Auswirkungen des Absammelns von mediterranen Maurischen Landschildkröten für die Haustierhaltung in Marokko auf deren Erhaltungsstatus: Anwohnerwahrnehmung, Habitate und Wissen.

DOI: 10.3390/ani10020265

Maurische Landschildkröte, Testudo graeca – © Hans-Jürgen Bidmon
Maurische Landschildkröte,
Testudo graeca
© Hans-Jürgen Bidmon

Der Handel und das Absammeln von Wildtieren für die Haustierhaltung ist sowohl aus Sicht des Tierschutzes als auch aus Sicht der Arterhaltungsbiologie problematisch. Diese Probleme können exemplarisch für die mediterrane Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) einer langlebigen Spezies mit langer Tradition in der Tierhaltung dargestellt werden. Die menschliche Dimension spielt eine große Rolle in Bezug auf das Absammeln von Wildtieren für die Haustierhaltung und spielt gerade in Ländern wie Marokko eine bedeutende Rolle, da diese althergebrachten Gebräuche die Arterhaltung beeinträchtigen. Diese Studie die auf einer Befragung von n = 480 Teilnehmern beruht dokumentiert die Tatsache, dass viele Marokkaner Schildkröten als Haustiere halten. Das war bei 55% der Befragten der Fall und häufig werden mindestens 2 Schildkröten pro Person gehalten. Wichtig ist für die Betrachtung, dass die meisten gehaltenen Schildkröten und insbesondere die jungen Exemplare direkt von ihren Haltern in der Wildnis eingesammelt wurden (42%, n = 264). Im Allgemeinen hatten die Besitzer der Schildkröten keine große Kenntnis über deren Habitatansprüche. Es zeigte sich aber, dass zumindest die Landbevölkerung die Schildkröten als gefährdete Wildtiere einschätzten. Unsere Studie zeigt, dass das nicht-kommerzielle Schildkrötensammeln eine gebräuchliche Praxis in Marokko darstellt die die wildlebenden Populationen gefährden könnte und die tierschutzrechtliche Fragen aufwerfen könnte. Wir konnten ebenso aufzeigen zu welcher Gruppe diese Schildkrötenhalter gehören und damit darauf verweisen auf welche Personen entsprechende Fortbildungs- oder Aufklärungskampanien zugeschnitten sein sollten um die Entnahmen von Schildkröten aus wildlebenden Populationen zu reduzieren. Zusätzlich sollten aber auch Feldstudien durchgeführt werden, die die Auswirkungen des Absammelns auf die Wildbestände erfassen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hier sollte man zwar durchaus Fortbildungsmaßnahmen veranlassen, die dazu beitragen die Auswirkungen zu verringern, aber ich möchte dennoch anmerken, dass die Nutzung von Schildkröten durch die einheimische Bevölkerung sowohl als Haus- oder Gartentier wie auch als Nahrung nur äußerst selten für die Populationen gravierend negative Auswirkungen hatte. Letzter traten erst immer dann auf wenn der internationale Handel und die kommerzielle Nutzung der Bestände in den Vordergrund rückte (Türkozan et al., 2008). Deshalb bin ich immer noch der Meinung, dass der vertretbare Umgang mit den Tieren in der ortsansässigen Bevölkerung auch einen bedeutenden Erhaltungsaspekt darstellen kann den man nicht außeracht lassen sollte. Siehe dazu auch siehe auch Kommentare zu: Perez et al., (2004); Pocock, (2006).

Literatur

Perez, I., A. Gimenez, J. A. Sanchez-Zapata, J. D. Anadon, M. Martinez & M. A. Esteve (2004): Non-commercial collection of spur-thighed tortoises (Testudo graeca graeca): A cultural problem in southeast Spain. – Biological Conservation 118(2): 175–181 oder Abstract-Archiv.

Pocock, C. (2006): Turtle riding on the Great Barrier Reef. – Society & Animals 14(2): 129-146 oder Abstract-Archiv.

Türkozan, O., A. Özdemir & F. Kiremit (2008): International Testudo Trade. – Chelonian Conservation and Biology 8(2): 269-274 oder Abstract-Archiv.

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