Richardson, J. C. & P. Stiling (2019): Gopher tortoise herbivory increases plant species richness and diversity. – Plant Ecology 220: 383-391.

Das Abweiden der Pflanzen durch Gopherschildkröten erhöht die Pflanzenartenvielfalt.

DOI: 10.1007/s11258-019-00921-4

Herbivore Säugetiere verändern häufig den Artenreichtum und die Verschiedenheit von Pflanzengemeinschaften. Allerdings gibt es dazu bislang kaum Befunde für Reptilien. Diese Studie untersucht die Auswirkungen der Beweidung durch Gopherschildkröten (Gopherus polyphemus) in Bezug auf die Artenvielfalt, Gini-Simpson-Diversität und deren Dominanz, sowie deren Gesamtbiomasse. Dazu wurden fünf Areale für zwei Jahre abgegrenzt und von der Beweidung durch Gopherschildkröten ausgeschlossen und diese wurden dann verglichen mit fünf gleichartigen Arealen die von Schildkröten besucht werden konnten. Zusätzlich führten wir Nahrungsauswahltests durch, um die Nahrungspräferenzen zu quantifizieren. Die Areale die nicht von den Schildkröten beweidet werden konnten zeigten eine Verarmung der Pflanzenvielfalt und eine signifikant verringerte Pflanzenvielfalt, aber Arten mit deutlich erhöhter Dominanz gegenüber den normal beweideten Kontrollarealen. Heliotropium polyphyllum ist die lokale Art, die von den Schildkröten als Futter absolut bevorzugt wird und sie war auch die Pflanzenart die in den nicht beweideten Arealen und den Kontrollarealen dominierte. In den nicht beweideten Arealen nahm aber ihre Dominanz über die Maßen zu. Die Abundanz (Häufigkeit) und die Biomasse der nächsten beiden häufigen Arten Fimbristylis cymosa und Polypremum procumbens, die aber als Futter nicht von den Schildkröten bevorzugt werden nahmen in den nicht beweideten Arealen deutlich ab, wahrscheinlich aufgrund der starken Verdrängung durch Heliotropium. Etliche sehr seltene Pflanzenarten verschwanden dabei ganz aus den nicht mehr beweideten Arealen. Wir schließen daraus, dass die Beweidung durch die Schildkröten die Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaft direkt beeinflusst indem sie ihre bevorzugten Futterpflanzenarten kurzhalten und damit das Wachstum von Nicht-Futterpflanzenarten fördern.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Heliotropium polyphyllum gehört zur Familie der Boraginaceae (Borretschgewächse) oder Sonnenwendblume. Ja und solche Studien sind eigentlich nicht nur aus botanischer Sicht interessant und sollten viel häufiger auch von Zoologen bzw. Ökologen eingesetzt werden. Sie sind es ja gerade, die uns bei der Nahrungszusammenstellung für Nachzuchtprojekte (siehe z. B. Daly et al., 2019) wirklich weiterhelfen können in Bezug auf eine optimale Ernährung. Die Inhaltsstoffe solcher, natürlich genutzter Pflanzenarten, würden sowohl in qualitativer wie auch in quantitativer Hinsicht nützlich sein, um bei Bedarf auch entsprechende künstliche Futtermischungen zusammenzustellen die eine artgerechte, gesunde Ernährung ermöglichen. Letzteres könnte dazu beitragen, dass solche Fehlentwicklungen wie sie häufiger erwähnt werden vermeidbar wären (siehe Mack et al., 2018; Daly et al., 2018). Sicher, da bleiben dann noch genug andere Probleme zu klären wie z.B. die Hibernations- bzw. Aestivationsbedingungen usw., aber es wäre dann doch zumindest an einer sehr wichtigen Stelle ein guter Schritt in die richtige Richtung! Siehe diesbezgl. auch (Balsamo et al., 2004; Henen et al., 2005; Del Vecchio et al., 2011; Jennings et al., 2015; Ritz et al., 2010, 2012 und die entsprechenden Kommentare).

Literatur

Balsamo, R. A., M. D. Hofmeyr, B. T. Henen & A. M. Bauer (2004): Leaf biomechanics as a potential tool to predict feeding preferences of the geometric tortoise Psammobates geometricus. – African Zoology 39: 175-181 oder Abstract-Archiv.

Daly, J. A., K. A. Buhlmann, B. D. Todd, C. T. Moore, J. M. Peaden & T. D. Tuberville (2018): Comparing Growth and Body Condition of Indoor-reared, Outdoor-reared, and Direct-released Juvenile Mojave Desert Tortoises. – Herpetological Conservation and Biology 13(3): 622-633 – Schildkröten im Fokus, Bergheim 16(2): 27-29.

Del Vecchio, S., Burke, R. L., Rugiero, L., Capula, M. & L. Luiselli (2011): Seasonal changes in the diet of Testudo hermanni hermanni in Central Italy. – Herpetologica 67: 236–249 oder Abstract-Archiv.

Henen, B. T., M. D. Hofmeyr, R. A. Balsamo & F. M. Weitz (2005): Lessons from the food choices of the endangered geometric tortoise Psammobates geometricus. – South African Journal of Science 101 (9–10): 435–438 oder Abstract-Archiv.

Mack, J. S., H. E. Schneider & K. H. Berry (2018): Crowding Affects Health, Growth, and Behavior in Headstart Pens for Agassiz's Desert Tortoise. – Chelonian Conservation and Biology 17: 14-26 oder Abstract-Archiv.

Jennings W.B. & K. H. Berry (2015) Desert Tortoises (Gopherus agassizii) Are Selective Herbivores that Track the Flowering Phenology of Their Preferred Food Plants. – PLoS One 10(1): e0116716 oder Abstract-Archiv.

Ritz, J., M. Clauss, W. J. Streich & M. Hatt (2012): Variation in Growth and Potentially Associated Health Status in Hermann’s and Spur-Thighed Tortoise (Testudo hermanni and Testudo graeca). – Zoo Biology doi: 10.1002/zoo.21002 oder Abstract-Archiv.

Ritz, J., E. M. Griebeler, R. Huber & M. Clauss (2010): Body size development of captive and free-ranging African spurred tortoises (Geochelone sulcata): high plasticity in reptilian growth rates. – Herpetological Journal 20 (3): 213–216 oder Abstract-Archiv.

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