Rhodin, A. G. J., C. B. Stanford, P. P. van Dijk, C. Eisemberg, L. Luiselli, R. A. Mittermeier, R. Hudson, B. D. Horne, E. V. Goode, G. Kuchling, A. Walde, E. H. W. Baard, K. H. Berry, A. Bertolero, T. E. G. Blanck, R. Bour, K. A. Buhlmann, L. J. Cayot, S. Collett, A. Currylow, I. Das, T. Diagne, J. R. Ennen, G. Forero-Medina, M. G. Frankel, U. Fritz, G. Garcia, J. W. Gibbons, P. M. Gibbons, S. Gong, J. Guntoro, M. D. Hofmeyr, J. B. Iverson, A. R. Kiester, M. Lau, D. P. Lawson, J. E. Lovich, E. O. Moll, V. P. Paez, R. Palomo-Ramos, K. Platt, S. G. Platt, P. C. H. Pritchard, H. R. Quinn, S. C. Rahman, S. T. Randrianjafizanaka, J. Schaffer, W. Selman, H. B. Shaffer, D. S. K. Sharma, H. Shi S. Singh, R. Spencer, K. Stannard, S. Sutcliffe, S. Thomson & R. C. Vogt (2018): Global Conservation Status of Turtles and Tortoises (Order Testudines). – Chelonian Conservation and Biology 17(2): 135-161.

Der globale Erhaltungsstatus von Wasser- und Landschildkröten (Ordnung: Testudines).

DOI: 10.2744/CCB-1348.1

Wir präsentieren hier einen Überblick und eine Analyse zum Erhaltungsstatus und den durch die Internationale Union zur Erhaltung der Natur (IUCN) festgelegten Gefährdungskategorien für alle 360 derzeit anerkannten Arten von lebenden und erst kürzlich ausgestorbenen Süßwasser- und Landschildkröten (Ordnung: Testudines). Unsere Analyse basiert auf der 2018er Roten Liste der IUCN mit 251 gelisteten Spezies, ergänzt anhand von vorläufigen Erhebungen durch die IUCN Landschildkröten und Süßwasserschildkröten Spezialistengruppe (TFTSG) für 109 derzeit noch nicht gelistete Spezies von Land- und Süßwasserschildkröten sowie einer Wiederholungsüberprüfung einiger nicht mehr aktueller Erhebungen in der Roten Liste der IUCN. Für alle anerkannten Spezies von Süßwasserschildkröten und Landschildkröten zeigte diese kombinierte Analyse, dass 20.0% als hochgradig gefährdet (Critically Endangered, CR), 35.3% sind als Critically Endangered oder gefährdet (Endangered, CR+EN) und 51.9% sind bedroht (Threatened, CR+EN+Vulnerable). Wenn wir diese Analyse durch die Gefahreneinschätzungen für potentiell bedrohte Arten anpassen für die derzeit keine genauen Daten vorliegen (Data Deficient, DD) ergibt sich, dass 56.3% aller Spezies bedroht sind. Wir kalkulierten Prozentangaben für die gefährdeten Spezies für alle verschiedenen taxonomischen und geographischen Gruppierungen und passten dann den „Durchschnittlichen-Gefährdungsgrad“ (Average Threat Levels, ATL); in acht Stufen an, wobei 1= am wenigsten gefährdet und Stufe 8= ausgestorben bedeutet. Proportional sind mehr Arten aus der Unterfamilie der Geoemydinae (Asiatische Mitglieder aus der Familie der Geoemydidae) gefährdet (74.2% CR I EN, 79.0% Gefährdet, 3.89 ATL) im Vergleich zu anderen taxonomischen Gruppen, aber innerhalb der Familien der Podocnemididae, Testudinidae und Trionychidae sowie Überfamilie Chelonioidea (Meeresschildkröten aus den Familien der Cheloniidae und Dermochelyidae) gibt es auch hohe Prozentzahlen an gefährdeten Spezies mit einer ATL von (42.9-50.0% CR+EN, 73.8-100.0% Threatened, 3.44-4.06 ATL). Die Familien der Rhinoclemmydinae (Neotropische Schildkröten der Geoemydidae) und die Familien der Kinosternidae und Pelomedusidae haben die geringsten Gefährdungsprozentpunkte (ATL) (0%-7.4% CR+EN, 7.4%-13.3% Threatened, 1.65-1.87 ATL). Die asiatischen Süßwasserschildkröten haben die höchsten Prozentpunkte (75.0% CR+EN, 83.0% Threatened, 3.98 ATL) diese liegen signifikant höher als erwartet was zum einen an dem hohen regionalen Artenreichtum und dem viel höheren Ausmaß der Bestandsausbeutung innerhalb dieser geographischen Region liegt. Die Familie Testudinidae zeigt von allen Testudines die höchste ATL (4.06) was darauf beruht, dass sich etliche schon seit dem 15 Jahrhundert bis heute ausgestorbene Arten an Riesenschildkröten aus der Inselregion des indischen und pazifischen Ozeans darunter befinden. Die Familie Testudinidae weist auch eine ATL auf die höher als die aller anderen großen, polytypischen Familien (>= 5 Spezies) der Reptilien oder Amphibien liegt. Die Ordnung Testudines ist damit durchschnittlich weit höher gefährdet als all die anderen großen Ordnungen (>= 20 Spezies) der Reptilien, Amphibien, Säugetiere oder Vögel, die nach den Gefährdungsprozentpunkten als CR FEN und Threatened Spezies und mit einer ATL (2.96) vergleichbar zu Primaten und den Caudata (Urodelen, Salamander) einzustufen sind. Siehe auch: Ash & Smith, (2019).

Kommentar von H.-J. Bidmon

Mann könnte diese Beschreibung auch als eine aktualisierte altbekannte Festellung deklarieren! Insofern liefert sie auch wieder nur eine Zustandsbeschreibung ohne dabei eine praktikable Lösung anzubieten. Ich denke wir brauchen mehr und insbesondere eine wesentlich unvoreingenommenere Diskussion darüber wie wir diese Misere ändern wollen, sofern dies überhaupt wirklich möchten. Dazu bräuchten wir aber den Einbezug der Politik und wirklich plausible, praktikable Umsetzungsvorschläge die es zu diskutieren und zu testen gilt. Bis jetzt muss ich fast schon aus Überzeugung anmerken geht mir das ständige fordern von Verboten auf den Geist. Es wäre wirklich einmal an der Zeit auch global über gemanagte Natur zu reden und diesbezüglich mögen zwar die chinesischen Erwägungen nicht der Weisheit letzter Schluss sein aber sie liefern ersteinmal einen interessanten neuen Ansatz. Siehe dazu die Kommentare zu McEvoy et al., (2019) und Wang et al., (2019).

Literatur

Ash, C. & J. Smith (2019) Turtles and tortoises in decline. – Science 363(6433): 1298.

McEvoy, J. F., G. Connette, Q. Huang, P. Soe, K. H. H. Pyone, M. Valitutto, Y. L. Htun, A. N. Lin, A. L. Thant, W. Y. Htun, K. H. Paing, K. K. Swe, M. Aung, S. Min, M. Songer & P. Leimgruber (2019): Two sides of the same coin – Wildmeat consumption and illegal wildlife trade at the crossroads of Asia. – Biological Conservation 238: 108197 oder Abstract-Archiv.

Wang, W., L. Yang, T. Wronski, S. Chen, Y. Hu & S. Huang (2019): Captive breeding of wildlife resources-China's revised supply-side approach to conservation. – Wildlife Society Bulletin 43(3): 425–435 oder Abstract-Archiv.

Seitenanfang