Reyes-Grajales - 2021 - 01

Reyes-Grajales, E., R. Macip-Ríos, J. B. Iverson & W. A. Matamoros (2021): Population Ecology and Morphology of the Central Chiapas Mud Turtle (Kinosternon abaxillare). – Chelonian Conservation and Biology 20(1): 18-26.

Die Populationsökologie und Morphologie der Zentral-Chipas Schlammschildkröte (Kinosternon abaxillare).

DOI: 10.2744/CCB-1440.1 ➚

Chiapas-Klappschildkröte, Kinosternon scorpioides abaxillare, – © Eduardo Reyes-Grajales
Chiapas-Klappschildkröte,
Kinosternon scorpioides abaxillare,
© Eduardo Reyes-Grajales

Die Zentral-Chipas Schlammschildkröte (Kinosternon abaxillare) zählt zu den am wenigsten untersuchten Schildkröten Mexikos. Sie wird als mikroendemisch eingestuft und soll nur eine sehr begrenzte Verbreitung in der zentralen Senke von Chipas haben. In dieser Arbeit fassen wir ihre Populationsökologie zusammen und liefern eine neue Erfassung zu deren Morphologie für die Region Villa Hidalgo in Chipas, Mexiko. Wir fingen 168 Individuen wobei auch 64 Wiederfänge dabei waren (232 Fänge insgesamt) und wir beschreiben eine Populationsgröße von 231 Individuen mit einer Dichte von 700 Schildkröten pro Hektar (189kg/Hektar Bestandsbiomasse). Die Population zeigte ein hin zu Weibchen verschobenes Geschlechterverhältnis (1:1.5) und die Populationsstruktur setzte sich hauptsächlich aus Adulti zusammen. Zum Abschluss präsentieren wir erstmals einen Satz an morphologischen Maßen für alle Größenklassen und Geschlechter für K. abaxillare. Die Plastralformel (relative Länge der Mittellinie des Plastralsaums war für alle Größenklassen und Geschlechter identisch (Ab > An > Gu > Hu > Fe > Pe). Weibchen und Männchen erreichten gleiche Carapaxlängen, hatten aber unterschiedliche Körpermassen. Weitere Studien werden benötigt um den Gesamterhaltungsstatus für diese sehr begrenzt vorkommende Art zu ermitteln.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Die Arbeit liefert einen detaillierten Überblick über die wenigen Publikationen über diese Art die früher und vielleicht auch noch heute eine der 12 Unterarten von K. scorpioides darstellte, bei der aber nur noch bei etwa 10% der Individuen teilweise oder komplett vorhandene Axillarschilde auftreten (Iverson, 2008). Hier wurde festgestellt, dass zudem 4 % aller Individuen beidseitig einen Axillarschildsaum aufweisen. Insofern etwas Ähnliches wie wir es für die sogenannten Testudo hercegovonensis in Bezug auf die Inguinalschilde kennen. Ob dies schon eine neue Art rechtfertig sei dahingestellt. Aber wenn man sich die Arbeit von Pfau et al., (2021), dann scheint es ja nicht auszureichen Unterarten zu spezifizieren sondern der Artenschutz braucht schon Arten um zu wissen und zu rechtfertigen was geschützt werden muss (sollte man da nicht eher von taxonomischer Bürokratie reden), denn wenn Schildkröten schon zu den stärksten bedrohten Taxa weltweit gezählt werden könnte man doch zumindest alle oder zumindest ganze Gattungen unter Schutz stellen was es den Zollbehörden wesentlich erleichtern würde den illegalen Handel zu kontrollieren. In der heutigen Zeit wo ja anscheinend ein Aussterberisiko das nächste jagt würde man sich pragmatischer Vorgehensweisen wünschen um wirklich Verbesserungen auch im Sinne der Biodiversitätserhaltung zu erzielen. Eigentlich muss ich diesen Erhaltungsökologen und Biologen mein Bedauern aussprechen, denn sie betreiben ebenso wie unser Klimaforscher eine seit Jahrzehnten frustrierende Wissenschaft, da ihr Tun zwar von der Gesellschaft finanziert wird aber anscheinend aus Gründen die eher einer Alibiwissenschaft zuzuschreiben wären als das man sie wirklich ernstnehmen würde. Sicher hat Politik in erster Linie die Aufgabe eine Gesellschaft in ausgeglichener Weise aufrecht und lebenswert zu erhalten, aber dazu sollte auch gehören mittels einer weitvorausschauenden Planung die Grundlagen dafür zu schaffen. Das scheint aber leider nur dann verbal groß proklamiert zu werden wenn katastrophenartige Veränderungen sie dazu zwingen und selbst haben Umweltschutz, Biodiversitätserhalt und Klimaschutz meist eine zweitrangige Rolle wie wir dies sowohl hierzulande wie auch international beobachten können (Siehe dazu auch den Kommentar zu Butterfield et al., 2021). Dabei sollten wir auch lernen etwas weiterzudenken als nur in den eigenen nationalen Grenzen, denn die Länder die heute noch zum Beispiel Regenwälder zum Biodiversitäts- und Klimaschutz erhalten können bräuchten dabei dringend finanzielle Unterstützung im Sinne eines Länderfinanzausgleichs und nicht ständig neue Anreize aus reinen Wirtschaftsinteressen Anreize zu weiterer Umweltzerstörung von den Industrienationen angeboten zu bekommen. Da helfen uns weder E-Mobilität noch weiter ausgebaute 5G-Netze, wenn wir auf der anderen Seite für die Gewinnung der dazu notwendigen seltenen Erden Landschaften genauso wie Meeresböden der Zerstörung anheimfallen lassen. Man kann schon verstehen, dass dazu eine viel globalere und radikalere Umorganisation erforderlich wäre als das was wir derzeit von der Politik zu hören bekommen. Wahrscheinlich werden es sogar zukünftig Regime sein die wir heute noch wegen ihrer undemokratischen Vorgehensweisen kritisieren, die solange deren Führer guten Willens im Sinne eines geregelten Gemeinwohls sind vormachen werden wie es gehen könnte, wenn wir uns zum Beispiel mal anschauen was sich derzeit schon in China zumindest ansatzweise entwickelt (siehe z. B. Yu, 2021). Während hier in Europa der Europäische Gerichtshof noch damit beschäftigt ist die Schlupflöcher die die Politik der Agrarlobby offengelassen hat zu schließen, denn trotz des Verbots von 3 Neonikotinoidpestiziden in 2013 können sie immer noch unter dem Deckmantel eines unabdingbaren katastrophenartigen Notstands eingesetzt werden, ohne dass es je ein klare Definition gegeben hätte was eine solche Notsituation rechtfertigt (siehe Epstein et al. 2021 oder auch Simon-Delso et al., 2021). Ja, und auch hierzulande werden seit Jahren die entsprechenden Ministerien von Parteien besetzt, die das Wort christlich und/oder sozial im Namen führen. Da sollte man sich schon fragen wie man damit ein solches Verhalten rechtfertigen will? Wir brauchen auch gar nicht bis in die Hauptstädte oder nach Brüssel schauen, denn wer im ländlichen Raum wohnt kann ständig beobachten wie selbst in Regionen in denen man weiß, dass die Nitratwerte im Grundwasser erhöht sind niederländische Gülleimporte auf die Felder ausgebracht werden und dass selbst unter der allgemein bekannten Erkenntnis, dass man damit nicht nur die Biodiversität schädigt sondern sogar den eignen menschlichen Nachwuchs, wird wegen des augenblicklichen Profits munter weitergemacht. Manchmal habe ich den Eindruck, dass man fast schon amerikanischen Juristen dankbar sein muss, dass sie mit ihren Urteilen selbst der deutschen Agrarlobby und Europapolitikern zeigen wie man Urteile zu Gunsten der Umwelterhaltung und Bevölkerungsgesundheit gegenüber Konzernen durchsetzt.

Literatur

Butterfield, T. G., F. García-Caballero, A. Domínguez-Pompa – R. Macip-Ríos (2021): A First Look into the Natural History of the Sierra Box Turtle (Terrapene nelsoni klauberi) in Southeast Sonora, Mexico. – Chelonian Conservation and Biology 20(1): 82-90 oder Abstract-Archiv.

Epstein, Y., G. Chapron & F. Verheggen (2021): EU Court to rule on banned pesticide use. – Science 373(6552): 290 oder DOI: 10.1126/science.abj9226 ➚.

Iverson, J. B. (2008): Kinosternon scorpioides abaxillare (Central Chiapas Mud Turtle). Size, growth, and reproduction. – Herpetological Review 39: 217–218.

Yu, K. (2021): Nature-based solutions for ecological “sponge cities". – Frontiers Forum youtube.com/watch?v=g2tl3zC6wX4 ➚.

Pfau, B., A. Consul, C. Koch, E. Reyes-Grajales & G. Stanford (2021): Schildkrötenschutz und Schildkrötenhandel in Mexiko – und die Entwicklung DNA-basierter Werkzeuge zur Feststellung der Herkunft konfiszierter Tiere. – Radiata 30(3): 4-35.

Simon-Delso, N., A. Aebi, G. Arnold, J. M. Bonmatin, F. Hatjina, P. Medrzycki & F. Sgolastra (2021): Maximize EU pollinator protection: Minimize risk. – Science 373(6552): 290 oder DOI: 10.1126/science.abj8116 ➚.

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