Pandian, P. K., S. Ramesh, M.V. R. Murthy, S. Ramachandran & S. Thayumanavan (2004): Shoreline changes and near shore processes along Ennroe coast, east coast of South India. – Journal of Coastal Research 20: 828-845.

Veränderungen der Küstenlinie und küstennahe Prozesse entlang der Ennroe-Küste an der Ostküste Südindiens

Die Region, in der diese Studie durchgeführt wurde, liegt nördlich der Stadt Chennai an der Ostküste von Indien. Hier lassen sich sowohl eine rasante Küstenerosion als auch Aufschwemmungen und die damit assoziierten Probleme beobachten, die als Folge der Errichtung des Hafens Ennroe (Ennroe Port) im Jahre 2001 begannen. Die durchgeführte Studie bezieht sich auf einen 25 km langen Küstenstreifen, der die Ennroe Port Region, angrenzende natürliche Sandstrände, die als Niststrände für Meeresschildkröten bekannt sind, die Ennroe-Bachmündung sowie die Publicat Lake Buchten mit den etwa 25.000 Küstenbewohnern einschließt. Nach der Erbauung und der Durchbrüche für die Hafeneinfahrt begann die Erosion der Strände, die mittlerweile als kritisch zu bezeichnende Ausmaße erreicht und eine Bedrohung für die natürlichen Regionen und die Orte im Untersuchungsgebiet darstellt. Es wurden Analysen zur Dynamik der Küstenerosion und den Anspülungen vorgenommen die wertvolle Daten zur Erarbeitung von Strategien für das Küstenmanagement liefern. Vier Kategorien für die vordergründigsten Veränderungen der Region wurden erarbeitet: 1. Sandanspülungen südlich des Hafens, 2. Küstenerosionen nördlich der Hafenzufahrt, 3. nahezu stabile Verhältnisse im Zentrum des Untersuchungsgebiets und 4. eine Verlagerung der Mündung der Publicat Lake Bucht. Es wurden quantitative Analysen mit Hilfe eines Echtzeit-Kinematischen GPS-Systems in vier Transekten vorgenommen, um das Küstenprofil zu erfassen und die charakteristischen Parameter wie die Gezeiten, Wellenhöhe/-frequenz, Strömungen und die Sedimenteigenschaften in Küstennähe aufzuzeichnen. Es wurden die entlang der Küste erfolgenden, langfristigen Sedimentverlagerungen anhand von Computermodellen für vier Abschnitte mit dem Numerischen-Modelling-Packet (Simulationssoftware) quantitativ prognostiziert. Die Ergebnisse zeigen eine Reduzierung der Sedimenttransportrate von -0,66 x 106 m³/Jahr südlich von Ennroe Port zu -0,57 x 106 m³/Jahr nördlich von Ennroe Port.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Seit der Flutkatastrophe vom 26.12.2004 dürften diese Daten sicherlich revisionsbedürftig sein. Sie zeigen allerdings, dass viele Probleme auch solche, die den Natur- und Artenschutz betreffen, hausgemacht sind, wo Natur den wirtschaftlichen Interessen geopfert wird. Warum also noch Geld ausgeben, wenn die Prioritäten sowieso klar sind – zur Gewissensberuhigung?
So bedauerlich die Auswirkungen der schweren Flutkatastrophe im Indischen Ozean sein mögen, sie hat uns doch wieder vor Augen geführt, dass es nicht einmal so sehr die einheimische Bevölkerung der asiatischen Anrainerstaaten ist, derer wegen Küstenhabitate und Niststrände für bedrohte Tierarten verloren gehen. Nein, es sind westeuropäische und amerikanische Touristikunternehmen und natürlich wir, die finanzkräftigen meist bessergestellten Touristen, denen diese Länder ihre Naturressourcen opfern. (Kinderprostitution/Naturprostitution der Spaßgesellschaft wegen?). Sicherlich, Katastrophen sind schrecklich, aber sie haben auch etwas Aufklärendes und Bereinigendes. Zumindest erzwingen sie einen Neuanfang, wie wir ihn nutzen werden, liegt an uns. Da diese Flutwelle nun so viele besser verdienende Westeuropäer auch getroffen hat, denken wir sogar darüber nach, diesen Dritte-Welt-Ländern Frühwarnsysteme zukommen zu lassen – wie schön, damit wir uns schützen können. (Der Mensch reagiert eben nicht auf Katastrophenprognosen, sondern nur auf aktuelle Katastrophen, ein gefährliches aber allgegenwärtiges Spiel). Könnten wir da nicht zumindest beim Wiederaufbau der Anlagen die Belange des Natur- und Artenschutzes gleich mit berücksichtigen? Oder wollen wir wieder, wie bisher die dabei gemachten Fehler diesen armen Ländern selbst in die Schuhe schieben und hierzulande zwar zu Protesten aufrufen und Politikern die Dienstreisen zu Umweltschutz-, Klimaschutz- und C.I.T.E.S.-Konferenzen mit unseren Steuergeldern finanzieren, aber ansonsten Urlaub machen wie bisher, bis die „Vorhersehung“ uns wieder mal katastrophenartig an unsere eigenen Fehler erinnert.
Die Gott sei Dank hohe Spendenbereitschaft zeigt doch unseren Willen zur Solidarität und Hilfsbereitschaft, sollten wir da nicht auch, bevor sich unsere Damen und Herren von der Regierung wieder mit der von uns geleisteten Hilfe brüsten, auch gleich ein paar Erwartungen mit artikulieren, damit eben nicht wieder alles im Sande verläuft, alles beim Alten bleibt und Natur auch weiterhin den Wirtschaftsinteressen schneller geopfert wird, als naturerhaltendere und umweltverträglichere Alternativen erarbeitet werden können.

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