Mathes, K. A., A. Holz & N. Fehr (2006): Blood reference values of terrestrial tortoises (Testudo spp.) kept in Germany. – Tierärztliche Praxis Ausgabe Kleintiere Heimtiere 34 (4): 268-274.

Blutreferenzwerte von in Deutschland gehaltenen Landschildkröten (Testudo spp)

Gegenstand: Feststellung von 20 Blutreferenzwerten von in Deutschland gehaltenen Landschildkröten und Vergleich der Parameter von vier verschiedenen mediterranen Landschildkröten.
Material und Methode: Blutproben wurden von der dorsalen Coccygealvene (Schwanzvene) von 61 klinisch gesunden normalen in Deutschland gehaltenen Landschildkröten entnommen und 20 hämatologische und biochemische Parameter wurden analysiert. Alle getesteten Tiere wurden entweder in einer von fünf Tierhaltungen aufgezogen oder waren mindestens drei Jahre bei dem entsprechenden Halter. Alle wurden von Frühling bis Herbst im Freiland gehalten und überwinterten regelmäßig. Ihre Ernährung bestand ausschließlich aus herbivorer Nahrung. Alle 61 Landschildkröten gehörten den folgenden Spezies an: Testudo marginata (Breitrandschildkröte n = 16), Testudo graeca (Maurische Landschildkröte n=15), Testudo hermanni (Griechische Landschildkröte n = 22) und Testudo horsfieldi (Steppenschildkröte n = 8).
Resultate: Gemittelte (Median), Minimal- und Maximalwerte und p-Werte wurden für die folgenden Parameter bestimmt: Hämatokrit (PCV), Alanin-Aminotransferase (ALT), Aspartat-Aminotransferase (AST), Glutamatdehydrogenase (GLDH), alkalische Phosphatase (AP), Kreatinkinase (CK), Harnsäure, Harnstoff (BUN), Cholesterol, Glucose, Fructosamin, Gesamtbilirubin, Gesamtprotein, Albumin, Cholinesterase (CHE), Natrium, Kalium, Gesamtkalzium, ionisiertes Kalzium und anorganisches Phosphat.
Zusammenfassung und klinische Resultate: Bei 10 von 20 Parametern wurden statistisch signifikante artspezifische Unterschiede zwischen den Landschildkrötenarten entdeckt. Die erzielten Resultate führen zu dem Schluss, dass innerhalb der Gruppe der „Mediterranen Landschildkröten“ eine artspezifische Auswertung für die Interpretation der Blutparameter sehr wichtig ist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine sehr interessante Arbeit, die vor allem darauf verweist, dass es darauf ankommt, welche Art man untersucht hat, ehe man aus bestimmten Blutwerten auf eine pathologische Veränderung schließen kann. Diese Arbeit belegt eindeutig, dass manche Werte, die beispielsweise für eine T. marginata im Normalbereich liegen, bei einer T. graeca bzw. T. hermanni als Anzeichen einer Erkrankung oder Fehlhaltung (Fehlernährung) gedeutet werden müssten. Umgekehrt gilt natürlich Gleiches. Sicherlich ist diese Arbeit ein hilfreicher Schritt hin zu einer artspezifischen (artgerechten) Diagnosestellung und zusammen mit den Arbeiten von Eatwell (2005): Exotic DVM 7 (3): 78ff und 7 (4): 17ff. eine der wesentlichen Arbeiten zu diagnostischen Parametern für die Testudo-Arten aus jüngster Zeit. Zudem möchte ich noch darauf hinweisen, dass in dieser Arbeit von herbivorer Ernährung bei Freilandhaltung die Rede ist, was nicht heißt, dass sich die untersuchten Schildkröten bei dieser Art der Haltung ausnahmslos herbivor ernähren, es besagt nur, dass den Tieren während der Freilandhaltung kein tierisches Zusatzfutter gereicht wurde. Was die Schildkröten im Freiland wirklich alles gefressen haben, wird hier in keiner Weise erwähnt. Es ist aber davon auszugehen, dass sie sich unter diesen Haltungsbedingungen artgerecht ernähren konnten.

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