Ly, T., H. D. Hoang & B. L. Stuart (2011): Market turtle mystery solved in Vietnam. – Biological Conservation 144(5): 1767-1771.

Das Mysterium einer nur von Märkten bekannten Schildkröte wurde in Vietnam enträtselt.

DOI: 10.1016/j.biocon.2011.03.004 ➚

Südvietnamesische Scharnierschildkröte, Cuora picturata, – © Hans-Jürgen Bidmon
Südvietnamesische Scharnierschildkröte,
Cuora picturata,
© Hans-Jürgen Bidmon

Asiatische Schildkröten werden im Übermaß als Nahrungsmittel und für medizinische Zwecke sowie für den Liebhabertierhandel gesammelt, sodass viele Spezies vor der Ausrottung stehen – ein Umstand der in der Fachwelt als ‘Asian turtle crisis’ (Asiatische Schildkrötenkrise) beschrieben wird. Als Folge dieses starken Handels sind einige der asiatischen Schildkrötenarten der Wissenschaft nur anhand gehandelter Exemplare nur von den Tiermärkten bekannt. Die Vietnamesische Scharnierschildkröte (Cuora picturata) wurde erst 1998 beschrieben und ist eine jener Spezies die bislang nur von Tiermärkten bekannt war. Es ist sehr wahrscheinlich davon auszugehen, dass die Art hochgradig gefährdet ist, so dass die Identifikation ihres natürlichen Herkunftsgebiets eine unumgängliche Notwendigkeit darstellt um deren Erhaltung in der Natur und ihren Schutz zu ermöglichen. Hier verwendeten wir phylogenetische Informationen sowie biogeographische Daten gekoppelt mit einer Analyse der Handelswege um die Felduntersuchungen zum Auffinden der Art zu fokussieren und von Juli 2010 bis Januar 2011 konnten wir diese Schildkröte wild lebend in drei Lokalitäten auf dem Langbian – Plateau im südlichen Vietnam ausfindig machen. Diese Entdeckung versetzt uns erstmals in die Lage nach Möglichkeiten zum Schutz der natürlichen Bestände der Vietnamesischen Scharnierschildkröte zu suchen. Zudem gibt die Studie Hoffnung auch die natürlichen Vorkommensgebiete anderer, nur aus dem Handel bekannter, seltener asiatischer Schildkrötenarten zu finden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hierbei handelt es sich wirklich einmal um den Anfang einer Erfolgsstory, die durch den Einsatz extra ausgebildeter Spürhunde realisiert werden konnte, denn für etliche andere aus dem Handel beschriebene Spezies stellte sich ja heraus, dass es sich gar nicht um eigenständige Arten sondern um Hybriden handelte. Letztere waren entweder natürlichen Ursprungs oder sie stammten aus Zuchtfarmen in denen unterschiedliche Arten gemeinsam gehalten und gezüchtet wurden. Allerdings gibt es durchaus noch als eigenständig identifizierte Arten wie Cuora zhoui, C. mccordi und C. yunnanensis, deren Herkunftsgebiete bislang unbekannt blieben. Wie die Autoren ausführten verzichteten sie diesmal darauf die genauen Fundortdaten nicht zu publizieren, da die Handelswege für die Tierfänger und Händler sowieso schon bekannt und etabliert sind. In sofern kann es nur darum gehen diese Lokalitäten unter Schutz zu stellen, wobei ein Vorkommen in einem schon ausgewiesenen Schutzgebiet liegt oder falls das deren Ausrottung nicht mehr verhindern kann für die Zukunft zu wissen, wo man in Gefangenschaft nachgezogene Individuen eventuell später wieder ansiedeln könnte. Allerdings auch dafür stehen die Chancen nicht gerade gut, weil wie die Autoren ausführen zur Zeit große Flächen des Langbian-Plateaus in Kaffeeplantagen umgewandelt werden.

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