Liesegang, A., J.-M. Hatt & M. Wanner (2007): Influence of different dietary calcium levels on the digestibility of Ca, Mg and P in Hermann's tortoises (Testudo hermanni). – Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition 91(11-12): 459-464.

Einfluss von unterschiedlichen Kalziumgehalten der Nahrung auf die Verwertbarkeit von Ca, Mg und P bei der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni).

DOI: 10.1111/j.1439-0396.2007.00676.x

Kalzium und Phosphat sind wichtige Mineralien bei der Reptilienernährung, aber viele der Diäten sind diesbezüglich nicht abgestimmt. Um ein optimales Wachstum einschließlich des Aufbaus eines gesunden Skeletts und Panzers zu erreichen, ist eine entsprechend darauf abgestimmte Zufuhr mit diesen Mineralien eine Grundvoraussetzung. Der Grund für diese Studie war die Untersuchung der Verdaubarkeit (Aufnahme) einer Nahrung mit unterschiedlichen Kalziumgehalten bei der Griechischen Landschildkröte, wobei speziell die Aufnahme von Mineralien im Vordergrund stand. Acht adulte Griechische Landschildkröten der veterinärmedizinischen Fakultät Zürich wurden dazu verwendet. Die Tiere wurden in einer Innenhaltung bei einer Temperatur zwischen 23 °C und 26 °C gehalten. Die Tiere wurden mit einer pflanzlichen Nahrung aus Gemüse, Kräutern und mit verschiedenen Zugaben von Kalziumkarbonat versorgt. Täglich wurden von allen Schildkröten Kotproben ab dem 8 Tag, bis zum Tag 12 nach Fütterungsbeginn gesammelt. Es wurde eine ungefähre Analyse durchgeführt, und es wurde der Salzsäure-unlösliche Ascheanteil (unverdaubarer Anteil) als Verdauungsindikator bzw. Marker zur Bestimmung der Verdaubarkeit von Mineralien benutzt. Der Kalziumgehalt von Nahrungsvariante I lag bei 0,64 % des Trockengewichts und das Ca:P-Verhältnis lag bei 3:1. Die Nahrungsvariante II enthielt 1,29 % Kalzium im Trockengewicht und das Ca:P-Verhältnis lag bei 6:1. Die Verwertbarkeit für Kalzium betrug in Nahrung I 57 %. Die Aufnahme der anderen Mineralien lag bei 46 % für Magnesium und 58 % für P. Bei Nahrungsvariante II lag die Kalziumaufnahme bei 79 % und die für Mg bei 52 % und für P bei 52 %. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass eine höhere Ca-Konzentration in der Nahrung dazu führt, dass mehr Ca und Mg aufgenommen werden kann.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Arbeit, die einem sehr gute Anhaltspunkte liefert, wie man zur Behebung einer Hypokalzämie bei Schildkröten vorgehen sollte, um möglichst schnell Abhilfe zu schaffen. Allerdings sagt auch diese Arbeit nichts darüber aus, wie viel Kalzium für eine normale Entwicklung und Aufrechterhaltung der Körperfunktionen benötigt wird und über welchen Zeitraum eine Anreicherung der Nahrung zu erfolgen hat, ohne das es zu Schädigungen kommt. Allerdings wenn man sich die Zahlen genau ansieht und berücksichtigt, dass bei Nahrung II zwar die Ca-Aufnahme gestiegen ist, aber die Phosphataufnahme abgesenkt ist, könnte man die Daten auch so interpretieren, dass der Ca-Gehalt für Nahrung II schon zu hoch liegt und die Schildkröten über eine sicherlich hormonell gesteuerte Reduktion der Phosphataufnahme versuchen, schädigende Kalziumphosphatablagerungen (Verknöcherungen) zu vermeiden. Um solche Regulationsmechanismen mit zu berücksichtigen, wäre es sicher sinnvoll gewesen, wenn man begleitend oder zumindest am Ende des Versuchs zur Bestimmung der Vitamin D- und Parathormonspiegel etwas Blut abgenommen hätte. Siehe dazu auch Fledelius, B., G. W. Jorgensen, H. E. Jensen & L. Brimer (2005): Influence of the calcium content of the diet offered to leopard tortoises (Geochelone pardalis). – Veterinary Record 156 (26):831-835 oder Abstract-Archiv.

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