Langen, T, A., K. E. Gunson, C. A. Scheiner & J. T. Boulerice (2013): Road mortality in freshwater turtles: identifying causes of spatial patterns to optimize road planning and mitigation. – Biodiversity and Conservation 21: 3017–3034.

Straßentod bei Wasserschildkröten: Identifizierung der Gründe für das räumliche Muster, um die Straßenplanung und die Installation von Schutzvorrichtungen zu optimieren.

Die Todesrate für Wasserschildkröten auf Straßen kann hoch genug sein, um solche nahe an Straßen lebende Populationen erheblich zu gefährden. Deshalb ist es notwendig, die Regionen entlang des Straßennetzes mit hohen Todesraten genau zu lokalisieren, um Schutzmaßnahmen zu implementieren. Über zwei Jahre hinweg fuhren wir wöchentlich entlang eines 160 km langen Autobahnrings im nordöstlichen Bundesstaat, New York, USA und erfassten die Orte, wo überfahrene Wasserschildkrötenspezies vorhanden waren (Chelydra serpentina, Chrysemys picta, Emydoidea blandingii). Wir analysierten dann die räumlichen Verteilungsmuster der Kadaver sowie die Straßen- und Landschaftsformationen, die damit assoziiert waren. Die Todesraten konzentrierten sich auf eine limitierte Anzahl von relativ kurzen Straßenabschnitten, die wir „Hotspots“ nannten. Die Orte dieser Hotspots wurden durch die Kernel-Dichte-Analyse aufgezeigt und die maximale räumliche Ausdehnung dieser Hotspots von 250 m, die auch durch Ripley's K angezeigt wurde, korrespondierte mit Orten und der durchschnittlichen Länge von Dammstraßen (Straßenabschnitte die Feuchtgebiete innerhalb eines 100 m Radius durchzogen). D

Die Hotspots lagen meist an Dammstraßen, die länger als 200 m waren und sich durch ein hohes Verkehrsaufkommen auszeichneten und die dicht an Gewässern lagen, die eine hohe Waldbeschattung aufwiesen. Wir schließen daraus, dass die Wasserschildkrötenmortalitätsrate sich um räumlich begrenzte kurze Abschnitte konzentriert, die dann aber gravierende Hotspots sind. Die Lage solcher Hotspots kann anhand der Lage der Feuchtgebiete, dem Verkehrsaufkommen und der bekannten Landnutzung um die Straßenabschnitte vorhergesagt werden. Hotspot-Modelle, die diese Vorhersageparameter berücksichtigen, sind in der Lage, solche Stellen entlang des Straßennetzes zu lokalisieren, an denen Vermeidungsmaßnahmen getroffen werden müssen, die gleichzeitig die Konnektivität aufrechterhalten sollten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Dieses Modell sollte es möglich machen, auch schon bei der Planung neuer Verkehrswege, solche Stellen der Gefährdung von Süßwasserschildkröten ausfindig zu machen und zu berücksichtigen, so dass man nicht erst im Nachhinein handeln muss, wenn die Verluste schon aufgetreten sind. Zudem zeigt die vermehrte Lage solcher Hotspots in Waldgebieten, wie attraktiv sich in der Sonne erwärmende freie Asphaltdecken für wechselwarme Tiere sind. Vielleicht wäre es ja sogar durchaus auch eine Schutz- und Biotopverbesserungsmaßnahme in diesen Gebieten solche freien Wärmespots in Form von neben den Straßen liegenden kleinen gerodeten oder gar geteerten Flächen anzubieten. Siehe auch Aresco (2005), Iosif et al. (2013) und Loehr (2012).

Literatur

Aresco, M. J. (2005): The effect of sex-specific terrestrial movements and roads on the sex ratio of freshwater turtles. – Biological Conservation 123: 37–44 oder Abstract-Archiv.

Iosif, R., L. Rozylowicz & V. D. Popescu (2013): Modeling road mortality hotspots of Eastern Hermann’s tortoise in Romania. – Amphibia-Reptilia DOI: 10.1163/15685381-00002878 oder Abstract-Archiv.

Loehr, V. J. T. (2012): Road Mortality in the Greater Padloper, Homopus femoralis (Testudinidae). – Chelonian Conservation and Biology 11 (2): 226–229 oder Abstract-Archiv.

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