Kikillus, K. H.; K. M. Hare & S. Hartley (2012): Online trading tools as a method of estimating propagule pressure via the pet-release pathway. – Biological Invasions 14: 2657–2664.

Online-Handelsmechanismen als Methode zur Abschätzung des Ausbreitungsdrucks durch Haustierauswilderungsmaßnahmen.

Der zunehmende Internethandel mit lebenden Tieren beschleunigt den Verkauf und die Verbreitung exotischer Arten überall auf der Welt. Das ist ein Umstand, der zur Besorgnis veranlasst, da das absichtliche oder zufällige Freilassen von Haustieren einen nicht zu vernachlässigenden Weg darstellt, über den exotische (fremde) Spezies neue Lebensräume erobern und dabei oft negative Auswirkungen auf die lokal ansässigen einheimischen Spezies und Ökosysteme haben. Hier benutzten wir Internet-Handelsseiten, um die Verbreitung und das Ausmaß des Ausbreitungsdrucks für die Rotwangen-Schmuckschildkröte (RES; Trachemys scripta elegans) für den neuseeländischen Heimtierhandel zu erfassen. Die entsprechenden Internetseiten wurden täglich zwischen dem 1. Oktober 2007 und dem 30. September 2009 überwacht, und es wurden Informationen über Alter, Geschlecht, Saison und Ort gesammelt. In diesem Zeitraum wurden mehr als 1500 Verkäufe und 80 Berichte über verlorene oder gefundene Rotwangen-Schmuckschildkröten erfasst. Wenig überraschend ergaben sich die höchsten Verkaufszahlen und die höchste Zahl der Berichte über entkommene und gefundene Schildkröten für Auckland und damit für die Region mit der höchsten menschlichen Populationsdichte. Weibchen gingen wesentlich öfter verloren oder wurden öfter herrenlos aufgefunden als Männchen, obwohl es in Bezug auf den Handel keine Geschlechtsunterschiede gab. Die Art und Qualität der auf diese Weise gesammelten Informationen ist nicht perfekt, da sie nur eine Abschätzung des Minimums des Handels- und Auswilderungsvolumen in die Umwelt zulassen, aber nichtsdestotrotz erlauben es die Angaben entsprechende Managementmaßnahmen und Ausmerzungsstrategien für verwilderte Schildkröten in Neuseeland zu planen. Immerhin zeigen unsere Daten die Regionen innerhalb Neuseelands, wo die meisten Tiere ausgesetzt werden, und überraschenderweise handelt es sich dabei um Regionen innerhalb Neuseelands, in denen die klimatischen Verhältnisse für die Rotwangenschmuckschildkröte sehr vorteilhaft sind und Naturbruten zu erwarten sind. Die Online-Überwachung des Handels mit exotischen Arten liefert nützliche demographische Informationen und zeigt an, wo der Ausbreitungsdruck durch Haustierauswilderungen am größten ist. Diese Methode ist auch für andere Spezies anwendbar und stellt eine hilfreiche Maßnahme dar, um Risikoregionen auch für andere Spezies ausfindig zu machen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch hier eine Arbeit die eigentlich deutlich macht, wie einfach es ist, solche Machenschaften und Vorkommnisse zu erfassen und publik zu machen. Indirekt zeigt die Arbeit aber auch, warum die Rotwangenschmuckschildkröte so erfolgreich ist, denn da sie anscheinend die gleichen klimatischen Bedingungen bevorzugt wie wir Menschen, kommt es ja nicht von ungefähr, dass selbst im vergleichsweise raueren Klima Neuseelands ihre ökologischen Ansprüche mit denen der Menschen übereinstimmen, was sich an der menschlichen Populationsdichte und ihrer Habitatwahl ablesen lässt. Siehe auch Kommentare zu Cadi et al. (2004), Polo-Cavia et al. (2010), Verneau et al. (2011).

Literatur

Cadi, A., V. Delmas, A. C. Prevot-Julliard, P. Joly, C. Pieau & M. Girondot (2004): Successful reproduction of the introduced slider turtle (Trachemys scripta elegans) in the South of France. – Aquatic Conservation: Marine and Freshwater Ecosystems 14: 237–246 oder Abstract-Archiv.

Polo-Cavia, N., P. Lopez & J. Martin (2010): Competitive interactions during basking between native and invasive freshwater turtle species. – Biological Invasions 12 (7): 2141–2152 oder Abstract-Archiv.

Verneau, O., C. Palacios, T. Platt, M. Alday, E. Billard, J. F. Allienne, C. Basso & L. H. Du Preez (2011): Invasive species threat: parasite phylogenetics reveals patterns and processes of host-switching between non-native and native captive freshwater turtles. – Parasitology 138 (13): 1778–1792 oder Abstract-Archiv.

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