Kelley - 2020 - 01

Kelley, M. D. & M. T. Mendonça (2020): Mental gland secretions as a social cue in gopher tortoises (Gopherus polyphemus): tortoise presence stimulates and maintains social behaviour with chemical cues. – Acta Ethologica 24(2021): 1-8.

Die Ausscheidungen der Kinndrüsen dienen bei Gopherschildkröten (Gopherus polyphemus) zur sozialen Kommunikation: Die Anwesenheit von Schildkröten stimuliert und hält dieses Sozialverhalten anhand der chemischen Signale aufrecht.

DOI: 10.1007/s10211-020-00353-8 ➚

Georgia-Gopherschildkröte, Gopherus polyphemus, – © Tracey D. Tuberville
Georgia-Gopherschildkröte,
Gopherus polyphemus,
© Tracey D. Tuberville

Die multimodale Signalgebung verstärkt den spezifischen Signalaustausch während der Kommunikation. Bei Gopherschildkröten in gleicher Weise wie schon für andere Reptilienarten bekannt dienen das visuelle Erkennen von Artgenossen und die chemischen Ausscheidungen der Haut als multimodale Signale dazu den Artzugehörigkeitsstatus, das Geschlecht oder auch die individuellen Qualitäten dem Gegenüber zu signalisieren, aber Letzteres ist noch nicht vollständig erforscht. Bei der Gopherschildkröte, sind eine mögliche Ressource für chemische Signale die sich saisonal vergrößernden Mentaldrüsen (MG). Hier verwendeten wir Gopherschildkröten beiderlei Geschlechts in gepaarten Auswahltestszenarien, wobei ihnen die Ausscheidungen der MG’s oder destilliertes Wasser (DI) als Kontrolle auf Kunststoffschildkrötenmodellen aufgetragen angeboten wurden, um ihnen sowohl den visuellen Stimulus in Kombination mit dem schildkrötenspezifischen, chemischen Signal anzubieten. Wir beobachteten dann das jeweilige Verhalten in Abhängigkeit zur Vorbehandlung, um herauszufinden ob die MG-Ausscheidungen ein wahrgenommenes olfaktorisches (Geruchs-) Signal darstellen, oder ob das visuelle Signal alleine ausreichend ist um eine soziale Interaktion aufrecht zu erhalten, indem wir eine einfache visuelle Präsentation versus eines komplexeren, bestehend aus visuellem Signal und geruchlicher Präsentation angeboten haben. Schildkröten beiderlei Geschlechts verbrachten mehr Zeit (p < 0.001) und präsentierten eine höhere Anzahl an Verhaltensweisen (p < 0.001) gegenüber den mit MG-Ausscheidungen behandelten Schildkrötenmodellen im Vergleich zu den neutralen mit DI behandelten Schildkrötenmodellen. Letzteres deutet daraufhin, dass die olfaktorischen Signale der MG-Ausscheidungen dazu notwendig sind um zusammen mit der visuellen Schildkrötenanwesenheit soziale Verhaltensweisen zu induzieren. Unsere Ergebnisse liefern die ersten Befunde für diese Schildkrötenart die nahelegen, dass der Gebrauch von Pheromonen die sozialen Interaktionen innerhalb des Repertoires der Sozialverhaltensweisen reguliert.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Nun das solche Pheromone bei Schildkröten zur innerartlichen Kommunikation benutzt werden mag für Gopherus polyphemus neu sein. Allerdings wurde ähnliches auch schon für Wasserschildkröten beobachtet und experimentell erarbeitet (siehe Poschadel et al., (2006) sowie Ibanez & Vogt (2015) und die dort zitierte Literatur). Allerdings haben die Autoren hier zumindest eine neue bislang unbekannte Funktion für diese Mentaldrüsen beschrieben.

Literatur

Ibáñez, A. & R. C. Vogt (2015): Chemosensory discrimination of conspecifics in the juvenile yellow-spotted river turtle Podocnemis unifilis. – Behaviour 152(2): 219-230 oder Abstract-Archiv.

Poschadel, J. R., Y. Meyer-Lucht & M. Plath (2006): Response to chemical cues from conspecifics reflects male mating preference for large females and avoidance of large competitors in the European pond turtle, Emys orbicularis. – Behaviour 143(5): 569-587 oder Abstract-Archiv.

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