Hofmeyr, M. D., M. Vamberger, W. Branch, A. Schleicher & S. R. Daniels (2017): Tortoise (Reptilia, Testudinidae) radiations in Southern Africa from the Eocene to the present. – Zoologica Scripta 46: 389-400.

Die Ausbreitung der Landschildkröten (Reptilian, Testudinidae) in Südafrika vom Eozän bis heute.

DOI: 10.1111/zsc.12223

Afrika einschließlich der Inseln des westindischen Ozeans beherbergen 11 der auf der Welt existierenden 16 Gattungen der Testudinidae. Die Fossilienbefunde deuten darauf hin, dass die Testudinidae in Asien entstanden und sich von dort zuerst nach Nordamerika und Europa im frühen Eozän ausbreiteten und erst später auch Afrika besiedelten (spätes Eozän). Wir verwendeten mitochondriale (1870bp) und nukleäre (1416bp) DNS-Sequenzen um zu überprüfen ob die molekularen Daten die späte Kladogenese der südafrikanischen Linien der Testudinidae bestätigen. Unsere Ergebnisse liefern starke Belege für eine monophyletische Klade bestehend aus Kinixys, den zwei madegassischen Gattungen und den vier südafrikanischen Gattungen (Psammobates, Stigmochelys, Homopus und Chersina). Kinixys zweigte sich von dieser Klade im späten Paläozän ab, was nahelegt, dass die Testudinidae Afrika früher besiedelten als es aus dem derzeitigen Fossilbelegen hervorgeht. Die südlichen afrikanischen Landschildkröten bestehen aus drei gut abgesicherten Kladen: Psammobates + Stigmochelys; die fünfzehigen Homopus + Chersina und die vierzehigen Homopus. Der Paraphylie von Homopus geschuldet postulieren wir die taxonomische Wiederverwendung der Gattung Chersobius für die fünfzehigen Homopus-Arten (boulengeri, signatus und solus). Die Kladogenese auf dem Gattungsniveau erfolgte hauptsächlich im Eozän wobei Chersina und Chersobius sich im Oligozän aufspalteten. Die spätere Aufspaltung ereignete sich mit der Ausbreitung auf Artniveau innerhalb der Homopus (areolatus und femoralis) und Psammobates (oculifer, geometricus und tentorius). Unsere Phylogenie konnte nicht die Beziehungen innerhalb der Psammobates aufklären was für eine schnelle Speziation zwischen dem späten Oligozän und frühen Miozän spricht. Die Chersobius-Spezies waren die letzten die sich im frühen und mittleren Miozän aufspalteten. Im mittleren Miozän begann P. tentorius sich in vier Linien aufzuspalten anstatt der drei derzeit anerkannten Unterarten: P. t. tentorius, P. t. trimeni und zwei P. t. verroxii Unterkladen die jeweils nördlich und südlich des Orange-Fluss leben. Die terminalen Aufspaltungen deuten auch für etliche der Taxa an, dass kryptische Arten existieren und es eine diversere Landschildkrötenfauna gibt als es heute bekannt ist. Die Faktoren die zu dieser Diversität beitrugen könnten in dem frühen Vorkommen der afrikanischen Testudinidae und den folgenden klimatischen Veränderungen innerhalb dieser heterogenen Landschaft begründet sein.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Ungeachtet der Aufklärung dieser Abstammungsbeziehungen deutet ja der letzte Satz schon darauf hin, dass sich bezüglich dieses Planeten und seiner Besiedlung nicht viel verändert hat, denn auch heute sehen wir Klimaveränderungen in heterogenen Landschaften. Denn homogene Landschaften finden sich meist nur dort wo wir sie künstlich durch Rodung oder Bebauung dazu gemacht haben. Der große Unterschied zu diesen vergangenen Zeiten besteht eigentlich im Wesentlichen darin, dass wir für die zukünftige Ausbreitung und Evolution der Arten deren Möglichkeiten durch Habitatverlust, Landschaftsfragmentierung und Konnektivitätsverlust stark eingeschränkt haben.

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