Gong, S.-P., A. T. Chow, J. J. Fong & H.-T. Shi (2009): The chelonian trade in the largest pet market in China: scale, scope and impact on turtle conservation. – Oryx 43(2): 213-216.

Der Schildkrötenhandel auf dem größten Tiermarkt in China: Ausmaß, Ausblick und Auswirkungen für den Schildkrötenschutz.

DOI: 10.1017/S0030605308000902

China ist der größte Verbraucher von Schildkröten auf der Welt, und der internationale Handel wurde als die größte Bedrohung für asiatische Schildkröten bezeichnet. Im Markt für lebende Schildkröten in China gibt es zwei Hauptrichtungen: Erstens für Ernährung und für traditionelle chinesische Medizin und zweitens als Haustiere einschließlich der Tiere, die von Buddhisten aus religiösen Gründen ausgesetzt werden. Der Nahrungsmittelmarkt macht quantitativ gesehen den größten Teil des Handels mit Schildkröten aus. In den letzten Jahren hat allerdings der Haustierhandel dramatisch zugenommen. Der Yuehe Haustiermarkt in Guangzhou ist der größte Haustiermarkt in China, wo lebende Schildkröten und andere Tiere angeboten werden. Um die potentiellen Auswirkungen des Handels mit Schildkröten zu verstehen, unternahmen wir sieben Erhebungen auf dem Yuehe Haustiermarkt zwischen August 2006 und März 2008. Über 39.000 Individuen von zu 61 Arten gehörenden Schildkröten wurden erfasst (19,1 % der global insgesamt gehandelten 319 Arten). Fünfzehn (24,6 %) dieser Arten sind in China einheimisch, und 46 (75,4 %) stammen aus anderen Ländern. Zwei Arten werden als Grad II Schlüsselarten bezeichnet, die durch den Staat in China streng geschützt sind. Achtunddreißig (62,3 %) der Arten sind bei CITES gelistet (vier in CITES Anhang I, 26 in CITES II und acht in CITES III). Vier der Arten sind auf der Roten Liste der IUCN Red List als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered), 16 als stark bedroht (Endangered) und 19 als gefährdet (Vulnerable) eingestuft. Unsere Erhebungen verdeutlichen den zunehmenden Schildkrötenbedarf und zeigen, dass der illegale Haustierhandel sehr deutliche Auswirkungen in Bezug auf die Schutzbemühungen zur Erhaltung der Bestände haben wird. Wir geben weiterhin Empfehlungen für gesetzliche Regelungen und Strafverfolgung sowie für den Schutz.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Die Arbeit schildert zwar bedrohliche Zustände, aber waren oder sind wir in den westlichen Industrienationen wirklich so viel besser? Siehe dazu Ceballos & Fitzgerald (2004), Rivalan et al. (2007) und Türkozan et al. (2008).
Dennoch sind in China die Ausmaße halt zur Zeit noch etwas dramatischer, nicht zuletzt, weil diese Art des Handels auch noch in der Öffentlichkeit stattfindet. Aber ich denke, die Arbeit macht deutlich, dass China sich wandeln will und das Problem erkennt. Dabei muss man den Chinesen gerechter Weise zugestehen, dass sie mit alteingesessenen Traditionen in Bezug auf die Ernährung, die Medizin und im Fall der Buddhisten mit der Religion zu kämpfen haben, die sich nur schwer und langsam verändern lassen. China könnte es aber noch schaffen, zumindest so lange sich die für die Umsetzung der Schutzmaßnahmen verstärkt einsetzenden Politiker nicht von demokratischen Wahlen abhängen (so leid einem diese Feststellung auch tut). Allerdings dauert es meist ein bis zwei Generationen Traditionen auszumerzen, und das sehen wir auch hierzulande. Denn so etwas gibt es auch in Europa, denn auch hier kennt man immer noch alteingesessene, die sich vom illegalen Import kaum trennen können, und manche – egal welche Verdienste, sie sich in den Augen mancher Terrarianer als Tierbeschaffer erworben haben mögen –, werden auch heute noch durch Ehrungen dafür ausgezeichnet, anstatt dass man sich klar distanziert. Letzteres sollte auch zum Nachdenken Anlass geben! Denn so passt man alte Traditionen ganz sicherlich nicht an die aktuellen Notwendigkeiten an, weder bei uns noch in China.
In Bezug auf die buddhistischen Praktiken siehe auch Kommentare zu: Gong et al. (2009) oder Abstract-Archiv, Morales Perez & Serra (2009) oder Abstract-Archiv.

Literatur

Ceballos, C. P. & A. A. Fitzgerald (2004): The trade in native and exotic turtles in Texas. – Wildlife Society Bulletin 32 (3): 881-892.

Gong, S., H. Shi., Y. Mo, M. Auer, M. Vargas-Ramirez, A. K. Hundsdörfer & U. Fritz (2009): Phylogeography of the endangered black-breasted leaf turtle (Geoemyda spengleri) and conservation implications for other chelonians. – Amphibia-Reptilia 30: 57-62.

Morales Perez, J. & A. S. Serra (2009): The Quaternary fossil record of the genus Testudo in the Iberian Peninsula. Archaeological implications and diachronic distribution in the western Mediterranean. – Journal of Archaeological Science 36 (5): 1152-1162.

Rivalan, P., V. Delmas, E. Angulo, L. S. Bull, R. J. Hall, F. Courchamp, A. M. Rosser & N. Leader-Williams (2007): Can bans stimulate wildlife trade? Proactive management of trade in endangered wildlife makes more sense than last-minute bans that can themselves increase trading activity. – Nature 447: 529-530.

Türkozan, O., A. Özdemir & F. Kiremit (2008): International Testudo Trade. – Chelonian Conservation and Biology 8 (2): 269–274 oder SiF 2009 (6) 3.

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