Gong, S., H. Shi., Y. Mo, M. Auer, M. Vargas-Ramirez, A. K. Hundsdörfer & U. Fritz (2009): Phylogeography of the endangered black-breasted leaf turtle (Geoemyda spengleri) and conservation implications for other chelonians. – Amphibia-Reptilia 30(1): 57-62.

Phylogeographie der gefährdeten Zackenrand-Erdschildkröte (Geoemyda spengleri) und die Auswirkungen für die Erhaltung anderer Schildkröten

DOI: 10.1163/156853809787392711

Bekannte Fundorte für Proben von Geoemyda spengleri aus drei chinesischen Provinzen (Guangdong, Guangxi, Hainan) und aus Nordvietnam liefern klare Beweise für eine phylogeographische Struktur bei dieser südchinesischen Schildkrötenspezies. Innerhalb Südchinas existieren anhand der mitochondrialen DNS Haplotypen zwei Kladen östlich und westlich von Xi Jiang. Diese bilden zusammen eine Schwestergruppe zu den Haplotypen aus dem nördlichen Vietnam. Die Schildkröten von der Insel Hainan tragen die gleichen Haplotypen der Klade von Schildkröten, die sich in Guangxi finden, das 400 km entfernt ist. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass es phylogenetische Differenzierungen auch einst für andere coexistierende und hochgradig bedrohte Schildkrötenspezies gegeben hat. Die mögliche Existenz einer phylogeographischen Struktur sollte bei in situ und ex situ Erhaltungsprogrammen für chinesische Schildkröten in Betracht gezogen werden.

Geoemyda spengleri – © Michael Daubner
Chinesische Zacken-Erdschildkröte,
Geoemyda spengleri, Weibchen
© Michael Daubner

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicher ist es – wo immer möglich – sinnvoll eine genetische phylogeographische Struktur zu berücksichtigen. Allerdings muss man hier meiner Meinung nach auch die Betonung auf sinnvoll legen, denn innerhalb von Nachzuchtprogrammen sehr stark bedrohter und seltener Arten geht es auch darum, gesunde Populationen aufzubauen, und die Gesunderhaltung, Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit hängt nicht zuletzt von einem Mindestmaß an genetischer Variabilität ab. Schildkröten haben sich diesbezüglich ein beträchtliches Potential erhalten, die genetische Variabilität auf einem hohen Niveau zu halten. Es wäre wohl töricht anzunehmen, dass nicht auch dieses Potential dazu beigetragen haben könnte, ihnen die Möglichkeit zu schaffen, sich an verändernde Umweltbedingungen anzupassen und bis heute zu überleben, was ja bekanntlich etlichen anderen Tiergruppen nicht gelungen ist. Ich kann nur davor warnen, nach deutscher Manier die sogenannte Reinerhaltung von Arten aus dem gleichen Blickwinkel zu betrachten wie das Reinheitsgebot für Deutsches Bier. Siehe dazu auch die Kommentare zu: Bowen, B. W. & S. A. Karl (2007): Population genetics and phylogeography of sea turtles. – Molecular Ecology 16 (23): 4886-4907 oder SiF 1/2008; Spinks P. Q. & H. B. Shaffer (2007): Conservation phylogenetics of the Asian box turtles (Geoemydidae, Cuora): mitochondrial introgression, numts, and inferences from multiple nuclear loci. – Conservation Genetics 8 (3): 641-657 oder Abstract-Archiv. Zudem gibt es noch etwas zu beachten, denn auch heute schon kommt es gerade in China und anderen südostasiatischen Staaten zu erheblichen Vermischungen von Schildkröten, die aus dem Handel stammen, und auch für Geoemyda spengleri gibt es gute Belege, dass die auf den chinesischen Märkten angebotenen Tiere zu einem bedeutenden Teil aus Nachbarländern stammen. Auch in China wird es nicht nur Schildkrötenverzehrer geben, sondern auch Liebhaber, denen auch einmal gehaltene Tiere entkommen dürften oder die welche aussetzen, so dass es durchaus zu Vermischungen mit einheimischen Tieren kommen wird. Bislang ist die Rolle des Menschen in Bezug auf die Verbreitung und Schildkrötensystematik sowie Paläoökologie der Schildkröten mit Ausnahme von Trachemys scripta elegans mehr als unzureichend verstanden. Siehe dazu: Georges, A., E. Alacs, M. Pauza, F. Kinginapi, A. Ona & C. Eisemberg (2008): Freshwater turtles of the Kikori Drainage, Papua New Guinea, with special reference to the pig-nosed turtles, Carettochelys insculpta. Wildlife Research 35: 700-711 oder Abstract-Archiv; Grosman L, N. D. Munro & A. Beifer-Cohen (2008): 12,000 year-old shaman burial from southern Levant (Israel). – PNAS – Proceedings of the National Academy of Science of the U.S.A. doi 10.1073/pnas.0806030105 oder Abstract-Archiv.

 

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