Fritz, U., D. Guicking, P. Lenk, U. Joger & M. Wink (2004): When turtle distribution tells European history: mtDNA haplotypes of Emys orbicularis reflect in Germany former division by the Iron Curtain. – Biologia 59(14): 19-25.

Wenn die Verbreitung von Schildkröten europäische Geschichte erzählt. mtDNS Haplotypen von Emys orbicularis spiegeln in Deutschland die frühere Teilung durch den Eisernen Vorhang wider

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 Emys orbicularis, Europäische Sumpfschildkröte – © Hans-Jürgen-Bidmon
Europäische Sumpfschildkröte,
Emys orbicularis,
© Hans-Jürgen-Bidmon

Die mitochondrialen DNS Haplotypen von 75 wild gefangenen Emys orbicularis aus Deutschland wurden untersucht. Elf verschiedene Haplotypen wurden identifiziert, die zu sechs Kladen gehören. Lediglich die Schildkröten, die Haplotypen besitzen, die endemisch in Ost-Deutschland und Polen vorkommen, gelten als einheimisch. Sie sind begrenzt auf die Bundesländer von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Ein Exemplar einer kürzlich in Sachsen entdeckten Population trägt ebenfalls diesen Haplotyp. Die Mehrheit der deutschen Schildkröten zeigen andere Haplotypen von verschiedenen Teilen des Verbreitungsgebietes. Die Verbreitung der Haplotypen spiegelt die frühere Teilung durch den Eisernen Vorhang wider. Im früheren Ostdeutschland überwiegen Haplotypen des Ostblocks, die den Bürgern der DDR zugänglich waren, wohingegen im früheren Westdeutschland eine größere Varietät von Haplotypen gefunden wurde. Das belegt das größere Ausmaß des Tierhandels in Westdeutschland und sicherlich auch die Reiseziele zahlloser Ost- und Westdeutscher Touristen in Südost-Europa und am Mittelmeer. Einige Schildkröten in Ost- und Westdeutschland tragen einen Haplotyp, der natürlicherweise in früher zu Deutschland, jetzt zu Polen oder Russland gehörenden Gebieten vorkommt. Hier könnte es sich um eine Einfuhr aus jenen Gebieten aus Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg handeln oder um in jüngerer Zeit geschmuggelte Exemplare aus Polen oder der früheren UDSSR handeln.

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