Folt - 2021 - 01

Folt, B., J. M. Goessling, A. Tucker, C. Guyer, S. Hermann, E. Shelton‐Nix & C. McGowan (2021): Contrasting Patterns of Demography and Population Viability Among Gopher Tortoise Populations in Alabama. – Journal of Wildlife Management: Early View.

Gegensätzliche Muster bezüglich der Demographie und Populationsüberlebenswahrscheinlichkeit zwischen Gopherschildkrötenpopulationen in Alabama.

DOI: 10.1002/jwmg.21996 ➚

Georgia-Gopherschildkröte, Gopherus polyphemus, – © Tracey D. Tuberville
Georgia-Gopherschildkröte,
Gopherus polyphemus,
© Brian Folt

Überlebenswahrscheinlichkeitsanalysen für Populationen sind nützliche Hilfsmittel um Vorhersagen über die Abundanz und das Aussterberisiko von gefährdeten Spezies machen zu können. Im südöstlichen Nordamerika stellt die staatlich als gefährdet eingestufte Gopherschildkröte (Gopherus polyphemus) ein Schlüsselelement in den in vielerlei Hinsicht bedrohten Langnadelkiefernwäldern (Pinus palustris)-Ökosystem dar und Wissenschaftler vermuten, dass die Schildkrötenpopulationen rückläufig sind und charakteristischerweise durch ein hohes Aussterberisiko bedroht sind. Wir berichten hier über eine über 30 Jahre laufende demographische Studie über die Gopherschildkröten im südlichen Alabama (1991-2020) wo 3 Population stabil geblieben sind während 3 weitere abgenommen haben. Um besser zu verstehen wie die demographischen Überlebensraten für stabile und rückläufige Populationen aussehen nutzten wir ein mehrstufiges hierarchisch angelegtes Fang-Wiederfang-Modell um damit eine Abschätzung der geschlechts- und stadienspezifischen Muster der Überlebensraten für jede der Populationen durchzuführen. Anschließend konstruierten wir damit Vorhersagepopulationsmodell um damit die Populationsdynamiken zu prognostizieren und das Aussterberisiko im Kontext der Populationsüberlebensfähigkeit zu analysieren. Die Populationsstruktur veränderte sich nicht signifikant bei den stabilen Populationen, aber die Schlüpflingshäufigkeit nahm bei rückläufigen Populationen über die 30 Jahre stetig ab. Die offensichtlichen Überlebensraten schwankten in Abhängigkeit mit dem Alter, Geschlecht und der Lokalität; wobei Adulte eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit aufwiesen als Jungtiere, aber auch die Überlebenswahrscheinlichkeit der Weibchen lag bei den abnehmenden Populationen wesentlich niedriger als bei den stabilen Populationen. Unsere durchgeführten Simulationen sagten vorher, dass die stabilen Populationen mit hoher Überlebensrate bei den Weibchen für die nächsten 100 Jahre überleben werden, während die Populationen mit geringer Überlebensrate bei den Weibchen weiter abnehmen werden und zunehmend unter einem Überschuss an Männchen leiden woraus sich ein zunehmend ansteigendes Aussterberisiko ergibt. Die stabilen Populationen reagieren sehr empfindlich auf die Veränderungen bei der Überlebenswahrscheinlichkeit der adulten Weibchen. Da die einzelnen Lokalpopulationen sich deutlich in Bezug auf ihre Überlebensraten unterschieden verbessert unsere Analysemethode die Analysen die mit früheren Demographiemodellen für nördlichere Populationen von Gopherschildkröten erstellt wurden, da sie die Differenzen der Populationsniveau-Unterschiede bei den Demographiemustern mit einbeziehen und somit widersprechen sie auch früher gemachten Modellvorhersagen da sie andeuten, dass kleine Landschildkrötenpopulationen erhalten bleiben können wenn die Habitate effektiv gemanagt werden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Nun, diese gute Langzeitstudie hat einmal mehr herausgearbeitet wie sehr die Populationsstabilität zum einen von der Überlebensrate der adulten Weibchen abhängt und zum anderen von der Überlebensfähigkeit der Schlüpflinge und der Jungtiere. Beides, die Überlebensfähigkeit adulter Weibchen, wie auch die der Jungtiere können durch unabhängige Faktoren beeinflusst sein wie zum Beispiel durch die Bedrohung durch unterschiedliche Beutegreifer. Allerdings, wie sich hier auch erkennen ließ, waren in den Populationen, die abnehmende Populationstrends zeigten meist sowohl die Überlebensrate der Weibchen wie auch die der Jungtiere im Sinken begriffen. Die Frage welche sich daraus ergibt – warum dies so ist wird hier aber nicht wirklich abschließend geklärt, denn letztendlich bleibt nur zu vermuten, dass der Überschuss an adulten Männchen eventuell zu viel Stress für die Weibchen führen könnte (siehe dazu auch Bonnet et al., 2016). Letzteres wäre aber wesentlich! Sicher kann man durch gezielte Managementmaßnahmen dazu beitragen auch solche Populationen zu erhalten, aber es würde doch einen Unterschied machen ob man eine gemanagte Population nur durch gezielte Maßnahmen erhalten kann oder ob man wirklich eine Habitatrestaurierung durchführen könnte die es erlaubt, dass die Populationen sich wieder selbst erhalten können. Denn letztendlich wüsste man auch dann worauf man achten müsste, wenn man die sich noch selbst erhaltenden Populationen weiterhin schützen könnte. Hier wird nun so mancher anmerken, dass bei letzteren Populationen nur darauf zu achten sei, dass sich nichts verändert aber letzteres ist oft auch bei den besten Absichten nicht immer möglich, denn um nur ein Beispiel anzuführen werden sich die Veränderungen die der Klimawandel mit sich bringen könnte nicht so leicht aufhalten lassen. Insofern stellt sich dann schon die Frage welche Maßnahmen man wann und wie ergreifen sollte? Diesbezüglich stellen sich ja auch ganz gegensätzliche Fragen wie zum Beispiel würde eine Restaurierung der Makro- oder Mesofauna die Situation verschlechtern wie dies von Berry et. al., (2020) angedeutet wurde oder könnte sie auch zu einer wesentlichen Lebensraumverbesserung beitragen wie dies von Lundgren et al., (2021) in Erwägung gezogen wird?

Literatur

Berry, K. H., J. L. Yee & L. M. Lyren (2020): Feral Burros and Other Influences on Desert Tortoise Presence in the Western Sonoran Desert. – Herpetologica 76(4): 403-413 oder Abstract-Archiv.

Bonnet, X., A. Golubović, D. Arsovski, S. Nikolić, J.-M. Ballouard, S. Bogoljub, R. Ajtic, C. Barbraud & L. Tomović (2016): A prison effect in a wild population: a scarcity of females induces homosexual behaviors in males. – Behavioral Ecology 27(4): 1206-1215 oder Abstract-Archiv.

Lundgren, E. J., D. Ramp, J. C. Stromberg, J. Wu, N. C. Nieto, M. Sluk, K. T. Moeller & A.D. Wallach (2021): Equids engineer desert water availability. – Science 372(6541): 491–495; DOI: 10.1126/science.abd6775 ➚.

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