Weißkehl-Schnappschildkröte, Elseya albagula, ein Schlüpfling – © Marilyn Connell

Espinoza - 2022 - 01

Espinoza, T., S. M Marshall, D. J. Limpus, C. J. Limpus & A. J. McDougall (2022): Adaptive Management to Reduce Nest Inundation of a Critically Endangered Freshwater Turtle: Confirming the Win-win. – Environmental Management Online ahead of print.

Ein angepasstes Management zur Reduzierung der Nestüberflutung für eine hochgradig bedrohte Süßwasserschildkröte: Die Bestätigung einer Win-Win-Situation.

DOI: 10.1007/s00267-022-01601-2 ➚

Weißkehl-Schnappschildkröte, Elseya albagula, – © Marilyn Connell
Weißkehl-Schnappschildkröte,
Elseya albagula,
© Marilyn Connell

Die Überflutung der Nester von australischen Süßwasserschildkröten wurde als Ursache für die schwachen Populationszuwächse und für das Langzeitüberleben von verschieden Spezies wie der hochgradig bedrohten Weißkehl-Schnappschildkröte (Elseya albagula) erkannt. Wasserstandsveränderungen innerhalb von Wasserspeichern (Stauseen, regulierte Flussläufe) können in jedem Jahr dazu führen, dass signifikante Mengen der Nester von E. albagula überflutet werden. Unter Anwendung einer Richtlinie zur ökologischen Risikobewertung wurden neue Richtlinien zur Gewässerregulation der Wasserspeicher im Burnettfluss (South East Queensland, Australien) eingeführt die dazu führen sollen, dass die E. albagula überflutungssichere Nistplätze nutzen. Durch die Erhöhung der Wasserstände während der Ablagesaison wurden die Schildkröten dazu bewegt ihre Nester in den höhergelegenen Uferbereichen anzulegen und anschließend wurden die Wasserspiegel während der Inkubationszeit der Gelege wieder abgesenkt um damit eine Überflutung der Nester durch unkontrollierbare Wasserzuflüsse (Regenfälle etc.) zu minimieren. Um den Erfolg dieser neu eingeführten Wasserstandsregulationsmaßnahmen zu überprüfen wurde über drei Jahre ein Erfassungsprogramm initiiert bei dem die Höhe der Gelegeplatzierung am Ufer und die Wasserstände aufgezeichnet wurden. Die Ergebnisse aus dieser Überprüfung zeigte, dass in den Jahren 2018 nur 3 %, 2019 11 % und in 2020 0 % der Nester von E. albagula unter den neuen Wasserstandsregulierungsmaßnahmen überflutet wurden im Vergleich zu den früher abgeschätzten Nestverlustraten von mehr als 20% und die Simulation der Wasserstände während der vergangenen 118 Jahre (1890-2008) zeigte einen Verlust von ungefähr 24 % der Nester unter den damals durchgeführten Wasserstandregulierungsmaßnahmen. Eine aus Sicherheitsgründen durchgeführte Notfallwassermengenausschüttung aus einem Wasserspeicher in 2019 und 2020 wirkte sich nicht negativ auf den Erfolg der neuen Regulierungsmaßnahmen aus was zeigt wie widerstandsfähig die neuen Maßnahmen gegenüber natürlichen und künstlich herbeigeführten Wasserspiegelanstiegen sind. Diese Studie zeigt wie wichtig diese Überprüfungserfassungen für neu implementierte Erhaltungsmanagementmaßnahmen sind, insbesondere mit dem Ziel das Wasserstandsmanagement zu optimieren und sie zeigt gleichzeitig, dass Potential solcher Maßnahmen für das Wasserstandsmanagement für die gesamte Infrastruktur des Gewässermanagements und speziell für die Orte an denen bedrohte Süßwasserschildkröten ein entsprechend adaptiertes Management benötigen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Ein sehr gutes Beispiel dafür wie man sich ökologische Erkenntnisse zunutze machen kann um bedrohten Spezies eine möglichst hohe Überlebenschance zu gewährleisten. Gerade Letzteres ist ja in der Vergangenheit bei vielen der Gewässerregulationsmaßnahmen und Flusslaufbegradigungen versäumt worden. Etwas das auch hierzulande erkannt wurde und zum nachträglichen Einbau von Fischtreppen und Rekultivierung von Auenlandschaften etc. geführt hat. Allerdings ob solche oder ähnliche Regulierungsmaßnahmen auch für unsere einheimischen Emys orbicularis mancherorts hilfreich sein könnten habe ich bislang noch nichts gehört. Ja und die Studie erinnert auch wieder daran, dass eben gerade Staudämme und Wasserrückhaltebecken dazu beitragen gute Nistplätze durch Dauerüberflutung zu vernichten.

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