Du, W-G, L-J Hu, J-L Lu & L-J. Zhu (2007): Effects of incubation temperature on embryonic development rate, sex ratio and post-hatching growth in the Chinese three-keeled pond turtle, Chinemys reevesii. – Aquaculture 272(1): 747-753.

Auswirkungen der Inkubationstemperatur auf die embryonale Entwicklungsrate, das Geschlechterverhältnis und das Schlüpflingswachstum bei der Chinesischen Dreikielschildkröte, Chinemys reevesii

DOI: 10.1016/j.aquaculture.2007.09.009

Das Verstehen des Einflusses der Inkubationstemperatur auf Embryos und Schlüpflinge kann wichtige Erkenntnisse für die Haltung und die Arterhaltung von Schildkröten liefern. Allerdings fehlen solche Daten für die meisten der asiatischen Schildkröten. Wir inkubierten Eier der Chinesischen Dreikielschildkröte (Chinemys reevesii) bei sechs konstanten Temperaturen (24 °C, 26 °C, 28 °C, 30 °C, 32 °C und 34 °C), um die Auswirkungen der thermalen Umweltbedingungen auf den Embryo zu testen, wobei wir die Inkubationsdauer, die Schlupfrate, Schlüpflingsgröße und Schlüpflingsmasse, das Geschlechterverhältnnis und das Schlüpflingswachstum ermittelten. Die Inkubationsdauer (ID) nahm in einer nicht-linearen Weise mit zunehmender Temperatur (T) ab, und kann anhand der folgenden Gleichung annäherungsweise ermittelt werden: ID=42.74*exp(4,30/(T-17,28). Eier, die bei 32 °C und 34 °C inkubierten, hatten niedrigere Schlupfraten als jene, die bei 24 °C, 26 °C und 28 °C inkubiert worden waren. Die Schildkröte zeigte ein Männchen-Weibchen-Muster, das der temperatur-abhängigen Geschlechtsfestlegung folgte (MF oder TSD-Typ Ia), mit mehr Männchen bei den kühleren Temperaturen von 24 °C und 26 °C und mehr Weibchen bei den höheren Temperaturen von 30 °C, 32 °C und 34°C. Die Beziehung zwischen Geschlechterverhältnis (SR) und Temperatur (T) kann mit folgender Gleichung beschrieben werden, SR=0,025+0,923/(1+exp(-(T-30,03)/0,009)) (boolean AND)0,006. Die Schlüpflinge aus Eiern, die bei 24 °C, 26 °C und 28 °C inkubiert worden waren, waren größer und schwerer im Vergleich zu jenen, die bei 30 °C, 32 °C und 34 °C erbrütet worden waren. Allerdings verschwand der Einfluss der Temperatur auf die Schlüpflingsgröße im Alter von drei Monaten (die Tiere, die bei 30 °C und 32 °C inkubiert worden waren, wuchsen schneller), während die, die bei 34 °C inkubiert worden waren verstarben. Auch nach drei Monaten wuchsen die weiblichen Schlüpflinge aus den Eiern, die bei 30 °C und 32 °C inkubiert worden waren, signifikant schneller als die Männchen, die aus Eiern mit 24 °C und 26 °C stammten, und auch die Weibchen aus bei 28 °C inkubierten Eiern wuchsen signifikant schneller als die Männchen, die sich bei 28 °C entwickelt hatten. Im Gegensatz dazu gab es keine Unterschiede in Bezug auf die Zuwachsrate bei gleichgeschlechtlichen Schlüpflingen aus unterschiedlichen Inkubationstemperaturen (Also Männchen, die bei 24 °C geschlüpft waren, wuchsen genauso schnell wie die bei 28 °C geschlüpften). Die beobachtete Dichotomie bezüglich der Wachstumsrate zwischen Schildkröten, die bei höherer versus jenen, die bei tieferen Temperaturen inkubiert worden waren, können also als geschlechtsspezifische Unterschiede angesehen werden. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Inkubationstemperaturen von 28-30 °C als die geeigneten zur Inkubation von C. reevesii gelten, weil sie eine hohe Schlupfrate und eine hohe Überlebensrate liefern und zudem ein sehr rasches Schlüpflingswachstum unter diesem Temperaturregime garantieren. Kleine Schlüpflinge können sogar den Größenunterschied nach dem Schlupf ausgleichen, wenn entsprechend optimale Haltungsbedingungen vorherrschen, da bei dieser Spezies die Größe zum Zeitpunkt des Schlupfs keinen Einfluss auf das spätere Wachstum hat.

Chinesische Dreikielschildkröte, Mauremys reevesii – © Hans-Jürgen Bidmon
Chinesische Dreikielschildkröte,
Mauremys reevesii,
einjähriges Jungtier im Aquaterrarium
© Hans-Jürgen Bidmon

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine sehr schöne ausführliche Arbeit mit Daten, die direkt für die Tierhaltung anwendbar sind. Zwar wurden auch hier nur konstante Inkubationstemperaturen getestet, die den fluktuierenden im Freiland nicht ganz entsprechen, aber sie liefern für die meisten Terrarianer trotzdem brauchbare Daten. Auch wenn C. reevesii noch keine bedrohte Spezies ist, sollten wir uns dennoch klar machen: Hätten unsere herpetologischen Interessensverbände solche Untersuchungen in der Vergangenheit genauso unterstützt wie sie Entdeckungsreisen- und Sammelreisen für Systematiker unterstützten, hätten wir solche Daten vielleicht auch schon für jene Arten, die heute als stark bedroht gelten und die nun so streng geschützt sind, dass es schon schwierig wird, damit zu forschen. Bei den meisten in solchen Gruppierungen organisierten Mitglieder handelt es sich doch um Terrarianer, die mit ihren Beiträgen Forschungssubventionen aufbringen. Da frage ich mich schon, warum dann der Hauptteil gar nicht zur Förderung von Arbeiten eingesetzt wird, die Ergebnisse liefern, die der Terrarianer direkt im Sinne einer Haltungsoptimierung oder im Bereich der Veterinärmedizin zur Gesunderhaltung seiner Pfleglinge einsetzen kann? Wer heute den verantwortungsvollen Umgang, die Haltung und auch die Vermarktung im Sinne der Arterhaltung und im Sinne des Tierschutzes für die Zukunft aufrecht erhalten will, sollte sich wirklich auch öffentlichkeitswirksam dieser Aufgabe stellen. Denn daraus erwachsen die Erfolge, die man gegen den ständigen Ruf nach Beschränkungen ins Feld führen könnte, weil das Dinge sind, die sich direkt auf das beziehen, was hier vor Ort an öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen erreichbar ist. Wie ich aus eigenen Anfragen erkenne, sind solche Daten auch für andere außerhalb Deutschlands wichtig. Wie sonst wäre es zu erklären, warum Ausländer nach deutschsprachigen Sonderdrucken zu bestimmten Themen fragen. Das medienwirksame Verbreiten von spektakulären Wiederentdeckungen von ausgestorben geglaubten Amphibien auf anderen Kontinenten ist zwar interessant und stimmt zuversichtlich, sie nützen uns hier im eigenen Land oder der EU aber wenig beim Einsatz für eine verantwortungsvolle, tierschutzgerechte Exotenhaltung, die sich auch in gesellschaftspolitisch akzeptabler Form zum Ausdruck bringen lassen muss. Siehe auch: Delmas, V., A. C. Prevot-Julliard, C. Pieau & M. Girondot (2008): A mechanistic model of temperature-dependent sex determination in a chelonian: the European pond turtle. – Functional Ecology 22: 84-93 oder Abstract-Archiv.

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