Dodd, C. K. Jr, A. Ozgul & M. K. Oli (2006): The influence of disturbance events on survival and dispersal rates of Florida box turtles. – Ecological Applications 16(5): 1936-1944.

Der Einfluss von Störungen auf die Überlebens- und Verbreitungsraten von Florida-Dosenschildkröten

DOI: 10.1890/1051-0761(2006)016[1936:tiodeo]2.0.co;2

Störungen haben das Potential, lang anhaltende Auswirkungen auf die Ökosystemstruktur und deren Funktion zu besitzen und möglicherweise haben sie für einzelne Arten unterschiedliche Auswirkungen. Langlebige Wirbeltiere wie Schildkröten könnten davon betroffen sein, da ihre Biologie eine zeitlich schnelle Populationserholung ausschließt, falls hohe Mortalitätsraten auftreten. Wir untersuchten mit Fang-Wiederfang-Modellen die Auswirkungen von Störungen auf eine Population von Florida-Dosenschildkröten (Terrapene carolina bauri) in Egmont Key, Florida, USA. In der Mitte dieser Studie kam es dann zu einer Serie physikalischer Störungen, welche die ganze Insel betraf und dadurch gekennzeichnet war, dass es zu einer Überschwemmung mit Salzwasser (Meerwasser) kam, einhergehend mit schweren Tropenstürmen, die einen Großteil der bodenständigen Vegetation zerstörten. Diese massiven Störungen machten es möglich, die demographischen Auswirkungen auf die Dosenschildkrötenpopulation zu untersuchen und ob sie deren Verteilung auf der Insel beeinflussten. Die Überlebensrate der adulten Schildkröten variierte nicht signifikant bezüglich des Geschlechtes und zwischen den Jahren der Studie. Ebenso gab es keine signifikanten Unterschiede für die Überlebensrate juveniler im Vergleich zu adulten Schildkröten während der Folgejahre. Erstaunlicherweise gab es keine Unterschiede für die Überlebensraten der juvenilen und adulten Schildkröten, die vor dem Sturm und nach dem Sturm festgestellt werden konnten. Allerdings ergaben sich signifikante Unterschiede bezüglich der Verteilung der Schildkröten innerhalb der vier Hauptuntersuchungszonen, wobei die Verteilungsrate vor dem Sturm höher lag im Vergleich zu der nach dem Sturm (d. h. Schildkröten waren über eine größere Fläche gleichmäßiger verteilt). Unsere Ergebnisse zeigen einige Langzeiteffekte bezüglich der Demographie der Schildrötenpopulation. Die Florida-Dosenschildkröten reagierten auf die durch den Tropensturm ausgelösten Veränderungen und die Vegetationsveränderung, indem sie sich in wenig gestörte für sie geeignete Habitatflächen zurückzogen und dort verblieben. Solange sich Schildkröten und möglicherweise auch andere langlebige Wirbeltiere in ungestörte Habitate zurückziehen können und hohe Mortalitätsraten in den Populationen ausgeblieben sind, kann die lange Lebenszeit dazu beitragen, dass sie überleben können, bis sich die Veränderungen regeneriert haben, wobei potentiell nur mit geringen Auswirkungen für die langfristige Populationsentwicklung zu rechnen ist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine beruhigende Nachricht, dass die Populationen so stabil gegenüber Naturkatastrophen reagieren. Allerdings, was ist, wenn die Abstände zwischen solchen Katastrophen z. B. aufgrund des Klimawandels immer kürzer werden? Zudem lässt sich aber vielleicht jetzt schon etwas verallgemeinert feststellen, dass Störungen im Ökosystem zu Verschiebungen in den Verteilungsraten der Tiere führen (siehe auch Luiselli et al. (2004): Herpetological Journal 14: 57-64 oder kommentiertes Abstract Schildkröten im Fokus 2(2), 2005).

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