Castellón, T. D., B. B. Rothermel & S. Z. Nomani (2012): Gopher Tortoise (Gopherus polyphemus) Burrow Densities in Scrub and Flatwoods Habitats of Peninsular Florida. – Chelonian Conservation and Biology 11(2): 153–161.

Gopherschildkröten (Gopherus polyphemus) – Höhlendichte in den Trockenhügel- und Tiefland-Flachwaldhabiten der Floridahalbinsel.

DOI: 10.2744/CCB-0972.1

Gopherschildkröten (Gopherus polyphemus) kommen in vielfältigen Lebensräumen vor, sind aber primär mit den so genannten Sandhügellebensgemeinschaften assoziiert. Auf der Floridahalbinsel leben sie allerdings in mittelfeuchen Flachwäldern, die den größten Teil ihres Habitats ausmachen, und auf den Inlandskämmen ersetzen Trockenhügel oft das reine Sandhügel (Dünen) Habitat. Die Schildkrötenökologie ist für diese Habitate kaum bekannt, und es gibt nur wenige Daten, die als Anhaltspunkte für ein Management dienen könnten. Wir führten auf der Avon Park Air Force Range in Südzentralflorida eine Erhebung für die Schildkrötenhöhlen, die Vegetation der Trockenhügel, Flachwälder- und Kiefernplantagen, die auf Flachwaldboden stehen, durch. Die Höhlendichte für nicht-eingestürzte Höhlen lag auf den Trockenhügeln bei 1,93/ha in den Flachwald- und Kiefernplantagen bei 1,42/ha, womit sie allgemein niedriger liegen als in den typischen Sandhügelhabitaten mit 3,25–9,95/ha), wobei die Gesamthäufigkeit mit 20.000 hoch lag, da es sich um eine vergleichsweise riesige Fläche handelt. Auf den Trockenhügeln mag sich die niedrige Höhlendichte durch die geringe Präsenz von Futterpflanzen erklären. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass die Dichte auf den Trockenhügeln höher lag als in den Flachwäldern, in denen die Häufigkeit der Futterpflanzen sehr hoch ist, aber wo der Boden sehr schlecht entwässert und viele Höhlen voll Wasser laufen. Der Prozentsatz eingestürzter Höhlen war auf den Trockenhügeln mit 53 % höher als im Flachwald (35 %), obgleich auf den Trockenhügeln die Besiedlungsrate der nicht-eingestürzten Höhlen mit 23 % höher lag als in den Flachwaldhabiten (16 %), was nahe legt, dass die Schildkröten der Trockenhügel eine deutlich ausgeprägtere Höhlentreue zeigen als jene im Flachwald, wobei sie verlassene Höhlen ungenutzt zurücklassen. Letzteres zeigte sich auch bei einer Radiotelemetriestudie. Die Schildkröten im Flachwald wandern regelmäßiger von Höhle zu Höhle, die sie auch gemeinsam nutzen, und sie lassen weniger Höhlen ungenutzt. Diese gemeinsame Nutzung der Höhlen und die kontinuierliche Wiederbenutzung von Höhlen lassen vermuten, dass es im Flachwald weniger geeignete Bedingungen zur Anlage von Höhlen gibt, was an dem hohen Grundwasserspiegel liegen könnte. Wir vermuten, dass sowohl Trockenhügel als auch Flachwälder suboptimale Habitate für Gopherschildkröten darstellen, da die Trockenhügel zu wenige Futterpflanzen beherbergen und die Flachwälder zu feucht sind. Trotzdem ist die Gesamtzahl der Gopherschildkröten, die Trockenhügel und Flachwälder bewohnen, recht hoch, was es notwendig macht, mehr über ihre Ökologie zu erfahren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wer lebt schon immer im Optimalhabitat? Hier zeigt sich ja gerade die Anpassungsfähigkeit und Anpassungsleistung der Gopherschildkröten und ihr Streben auch in solchen Habitaten zu überleben. Gerade diese Flexibilität, sich auch an anscheinend suboptimale Bedingen anpassen zu können, müssen Tiere ja mitbringen, wenn sie unter sich verändernden Umweltbedingungen überleben wollen. Auch eine Grundvoraussetzung, um die Veränderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, überdauern zu können. Was wir hieraus lernen können, ist doch gerade welchen Einfluss z. B. die Abundanz (Häufigkeit) der Nahrung (Futterpflanzen) auf der einen Seite und die Bodeneigenschaften (Staunässe) auf der anderen Seite haben, und welche Veränderungen sich daraus für die jeweiligen Populationen ergeben. Hier kann man fast schon vorhersagen, dass die Schildkröten der Flachwälder wesentlich sozialer untereinander agieren müssen, wenn sie z. B. Höhlen gemeinsam nutzen, was für sie auch leicht ist, da Futterverfügbarkeit für sie kein Konkurrenz-Thema darstellt. Bei den Trockenhügeltieren, die sich sehr wahrscheinlich nur dann eine neue Höhle graben, wenn um die alte herum die Futterpflanzen so dezimiert sind, dass die Nahrungsgrundlage für längere Zeit weg ist, verhalten sich sehr wahrscheinlich nicht nur höhlentreuer (standorttreuer), sondern dürften auch wesentlich territorialer und aggressiver untereinander sein, weil eben die geringe Nahrungsverfügbarkeit dazu führt, dass jedes Individuum sein Revier einschließlich seiner Ernährungsgrundlage allein für sich beanspruchen muss.

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