Bulté G., C. Verly & G. Blouin-Dermes (2006): An improved blood sampling technique for hatchling emydid turtles. – Herpetological Reviews 37: 318-319.

Eine verbesserte Technik zur Blutprobenentnahme bei Schlüpflingen von Sumpfschildkröten

Diese Kurzmittelung hat kein Abstract deshalb hier eine kurze Zusammenfassung.

Es wird erwähnt, dass Blutproben vielfältig eingesetzt werden können, um genetische, toxikologische Untersuchungen und Isotopenanalysen durchzuführen. Allerdings beschreiben die meisten Methoden zur Blutabnahme die Methoden für adulte Schildkröten. Konkret wird hier über die Untersuchung einer 150 km südlich von Ottawa lebenden Graptemys geographica-Population berichtet. Es wurden Eier von 34 Weibchen gesammelt und nach künstlicher Inkubation (29° C) zum Schlupf gebracht. Die Schlüpflinge (n= 338) wogen zwischen 4,7 und 10,3 g (Durchschnitt 7,5 g). Den Schlüpflingen wurde dann Blut für einen Vaterschaftstest abgenommen. Pro Schlüpfling entnahm man 0,03 bis 0,05 ml Blut mit einer 0,5 ml Insulinspritze (B-D-U-100) bestückt mit einer 13mm langen (28.5 ga) Nadel. Blut wurde aus der Schwanzvene entnommen. Die Nadel wurde im Winkel von 45 ° in cranioventraler Ausrichtung 2 mm tief zwischen zwei benachbarten Wirbel eingeführt. Man darf aber nicht tiefer gehen, sonst erhält man kein Blut. Schon nach Durchstechen der Haut wird ein Vakuum in der Spritze erzeugt (Zwei Darstellungen veranschaulichen das Vorgehen und die Handhabung). Als zweite Möglichkeit bietet sich die obere Carapaxvene, ein Ast der Vena jugularis externa, an. Mit diesen Methoden war man in der Lage, mit maximal zwei Versuchen bei 83 % der Schildkrötenschlüpflinge mindestens 0,03 ml Blut abzunehmen, der Durchschnitt lag bei 0,047 ml. In 16 % der Proben war auch Lymphe enthalten, was andeutet, dass das mit der Vene verlaufende coccygiale Lymphgefäß mitangestochen wurde. Allerdings lag der Lymphanteil in 75 % der Fälle unter 0,01 ml. Bei der zweiten Entnahmemöglichkeit an der oberen Carapaxvene waren 58 % der Proben mit Lymphe kontaminiert und in 86 % der Fälle lag der Lymphanteil über 0,01 ml. Für die genetischen Vaterschaftsnachweise war die Lymphkontamination unerheblich. Die Mehrzahl der Schildkrötenschlüpflinge wurde für drei Wochen nach der Blutabnahme im Labor überwacht und kein Tier verstarb oder zeigte Anzeichen von Schwäche. Anschließend wurden sie ausgesetzt. Weitere 120 so untersuchter Schlüpflinge wurden für mehr als einen Monat nach Blutabnahme überwacht, ohne dass ein Todesfall auftrat. Die Arbeit schließt mit einer Diskussion der Methoden und neun Referenzen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit zeigt nicht nur zwei praktikable Möglichkeiten zur Blutabnahme bei Schlüpflingen, sondern sie verweist auch darauf, wie klein die Blutmengen sind, die man für molekulargenetische Untersuchungen braucht. Jeder Tierarzt benötigt für Routineuntersuchungen weit mehr, und jeder weiß, wie gut die Tiere auch das verkraften. Die Blutabnahmen zur Erstellung genetischer Fingerabdrücke zur Identifizierung von Tieren belasten selbst frische Schlüpflinge kaum und sind wesentlich schonender als Transponder. Sie lassen sich auch im Freiland anwenden, denn wenn man heute schon wild lebenden Geckos im Freiland Sender gefahrlos unter die Haut implantieren kann (siehe erinnern sich an Sound P. & W. Henkel in der auf VOX ausgestrahlten Sendung über die Geckos Neukaledoniens), dem dürfte auch einleuchten, wie schonend im Vergleich dazu die Entnahme von 0,05 ml Blut sind. Wozu man solche Blutproben verwenden kann siehe Clapham & Van Waerebeek (2007) Bushmeat and bycatch: the sum of the parts. – Molecular Ecology 16 (13): 2607-2609 oder Abstract-Archiv.

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