Bouchard, S. S. & K. A. Bjorndal (2006): Nonadditive interactions between animal and plant diet items in an omnivorous freshwater turtle Trachemys scripta. - Comparative Biochemistry and Physiology – Part B: Biochemistry and Biology 144: 77-85.

Nicht-additive Interaktionen zwischen tierischen und pflanzlichen Nahrungsbestandteilen bei der omnivoren Süßwasserschildkröte, Trachemys scripta

Nicht-additive Interaktionen von Nahrungsbestandteilen ergeben sich dann, wenn der Wert für die daraus gewonnene Nettoenergie beziehungsweise der Nährwert einen Unterschied zu einem vorhersagbaren Wert aufweist, der sich aus der Addition der Energiemengen bzw. der Nährwerte der einzelnen Nahrungsbestandteile errechnen lässt. Hier quantifizierten wir die nicht-additiven Effekte, die sich bei der Verfütterung von Teichlinsen, Lemma valdiviana, und Grasgarnelen, Palaemontes paludosus, bei der Süßwasserschildkröte Trachemys scripta beobachten lassen. Dazu wurden Schildkröten mit 100 % Teichlinsen bzw. 100 % Garnelen sowie zwei gemischten Diäten, eine mit 67 % Teichlinsen mit 33 % Garnelen, und eine mit 14 % Teichlinsen und 86 % Garnelen (auf Trockengewicht basierend) gefüttert. Für jeden Fütterungsansatz wurden die aufgenommene Futtermenge, die Verdaubarkeit und die Zeit für die Verdauungstraktpassage bestimmt Zum Schluss wurde noch die Konzentration der aus der Nahrung gewonnenen kurzkettigen Fettsäuren (der eigentliche Nährstoff, der von den Tieren aufgenommen wird) im Darmtrakt bestimmt. Die Verdaubarkeit war reduziert, wenn 67 % der Nahrung aus Teichlinsen bestand, aber deutlich höher, wenn nur 14 % Teichlinsen im Futter waren. Diese auffällige nicht-additive Interaktion könnte sich aus der Differenz für die Passagezeit zwischen Teichlinsen (pflanzliche ballaststoffreichere Nahrung) und Garnelen begründen lassen. Wir glauben, dass wir hier erstmals zeigen konnten, dass zwei in unterschiedlicher Menge kombinierte Nahrungsbestandteile zu sehr großen und gegensätzlichen nicht-additiven Effekten in der Nahrungsverwertung führen können.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Ein sehr schönes Beispiel dafür, dass bei Trachemys scripta eine geringe Menge pflanzlicher Nahrungsbestandteile die Energiegewinnung aus tierischer Nahrung enorm fördern können. Sollte also schnelles Wachstum von Jugendstadien mit dem Ziel einer Verbesserung der Überlebenschancen angezeigt sein, scheint wenig Ballaststoff und viel Protein die ideale Mischung zu sein, während bei adulten Tieren vielleicht eher das umgekehrte Verhältnis vor Verfettung und Gicht schützt. Was in Bezug auf die Ballaststoffe und die Verdaubarkeit der Nahrung auffällt, ist, dass es zwischen Süßwasserschildkröten und Landschildkröten keine so grundlegenden Gegensätze gibt, denn auch bei Landschildkröten scheint die Verdaubarkeit mit Zunahme der Ballaststoffe in der Nahrung abzunehmen, siehe dazu Hatt et al. (2005) Zoo Biology 24 (2): 185-191 oder Zusammenfassung in Schildkröten im Fokus(2006) 3 (1): 21-22.

Seitenanfang