Berry - 2020 - 01

Berry, K. H., J. L. Yee & L. M. Lyren (2020): Feral Burros and Other Influences on Desert Tortoise Presence in the Western Sonoran Desert. – Herpetologica 76(4): 403-413.

Verwilderte Esel und andere Einflüsse auf das Vorkommen von Wüstenschildkröten in der westlichen Sonorawüste.

DOI: 10.1655/Herpetologica-D-20-00023.1 ➚

Kalifornische Gopherschildkröte, Gopherus agassizii, – © H. Bradley Shaffer
Kalifornische Gopherschildkröte,
Gopherus agassizii,
© H. Bradley Shaffer

Über den gesamten Globus hinweg existieren gegensätzliche Prioritäten wie die Bodenressourcen gemanagt werden sollen. Im amerikanischen Westen gibt es viele solcher Konflikte in Bezug auf die Nutzung öffentlicher Ländereien mit etlichen historisch verbürgten Ansprüchen für verschiedenste Nutzungsarten. Wir untersuchten hier die Einflüsse dieser Nutzungsformen auf Agassiz's Wüstenschildkröte (Gopherus agassizii) eine allgemein unter Schutz gestellte Spezies in der westlichen Sonorawüste. Die Schildkröten sind im Rückgang begriffen der durch vielfältige Ursachen bedingt wird wobei die meisten auf das Land- und Habitatmanagement zurückzuführen sind. Häufig angeführte Gründe sind die Beweidung durch Nutzvieh, Straßen, Freizeitaktivitäten mit Fahrzeugen, Beutegreifer und Krankheiten. Im Frühjahr 2009 führten wir eine Erhebung durch um die Beziehungen zwischen dem Vorkommen von Wüstenschildkröten mit der Vegetation, der Topographie, den Beutegreifern und den Nutzungsformen durch Menschen zu erfassen. Wir überprüften eine Fläche von 93 km² innerhalb derer wir 200 unabhängige Areale mit einer Fläche von einem Hektar analysierten. Die Dichte (± SE) der adulten Schildkröten war niedrig mit 2,0 ± 1,0 Individuen pro km2 und die jährliche Verlustrate (Tod) für diese adulten Schildkröten lag über vier Jahre hinweg gemittelt bei 13,1 % pro Jahr und damit vergleichsweise sehr hoch. Wir fanden Anzeichen für das aktuelle Vorhandensein von Schildkröten in 22 % der 200 Areale wobei die meisten im südwestlichen Teil der Untersuchungsfläche lagen. Wesentlich häufiger waren die Schildkröten auf Arealflächen die höher gelegen und mit dem „Brittlebush“ (mehlige Encelia spp.) bewachsen waren. Die meisten der untersuchten Flächen (91 %) wiesen ein oder mehr Anzeichen für eine Beeinträchtigung durch Menschen auf: Eselkot (Equus asinus; 84,0 %), vor kurzem entstandene Fahrzeugspuren und Fahrwege (34,0 %), Abfall (28,0 %), Trampelpfade von Eseln und Wasserstellen (26,5 %) sowie länger zurückliegende, ältere Fahrzeugspuren (24,0 %). Wir verwendeten einen multimodalen Ansatz um das Vorkommen von Schildkröten zu modellieren und zwar auf der Basis von 12 Vorhersagevariablen und wir errechneten damit die Wahrscheinlichkeit mit der noch Schildkröten vorhanden sind. Die wichtigsten Faktoren die deren Vorkommen beeinflussten waren das Vorkommen von verwilderten Eseln und die Vegetation. Dabei zeigte sich, dass unsere Studie die erste ist, die einen negativen Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein von verwilderten Eseln und dem Vorkommen von Wüstenschildkröten aufzeigt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

So erstaunlich ist dieser zuletzt erwähnte negative Zusammenhang zwischen verwilderten Eseln und Schildkröten nicht, denn diese Wüstenhabitate sind nicht gerade als nahrungsreich zu bezeichnen und deshalb können verwilderte Esel durchaus die vorhandenen Futterpflanzen derart reduzieren, dass für die Schildkröten kaum mehr genug übrigbleiben. Solch eine Nahrungs- und Ressourcenkonkurrenz scheint es ja auch früher schon für die Schildkröten untereinander gegeben zu haben. Ein gutes Beispiel lässt sich wohl aus der jüngsten Studie von Scott et al., (2020) ableiten die zwar sehr schön zeigt wie wichtig Heterogametie für das Überleben von Wüstenschildkröten ist, die aber in ihrer Einleitung auch darauf verweisen, dass in dem von ihnen untersuchten Gebiet zu den einmal ursprünglich vorhanden ca. 1.400 Wüstenschildkröten während der letzten 20 Jahre über 9.000 im Zuge von Umsiedlungsmaßnahmen hinzugefügt worden waren. Letzteres scheint dazu geführt zu haben, dass die Anzahl der heute noch vorhandenen Exemplare auf unter 500 abgesunken war. Sicher macht man dafür heute häufig auch eingeschleppte Krankheiten wie Mykoplasma agassizii verantwortlich. Aber was die Schildkröten wirklich so anfällig gegenüber Erkrankungen gemacht haben kann, kann auch darin begründet sein, dass diese Wüstengebiete eben nur eine gewisse Anzahl an Ressourcen, sprich Nahrungspflanzen, Wasser und klimatisch optimale Höhlen bieten die wahrscheinlich von den ursprünglich vorhandenen Individuen genutzt wurden. Darin begründet sich ja gerade der Fehler der in vielen früheren Arterhaltungsmaßnahmen wahrscheinlich sogar weltweit gemacht wurde, wo man viel zu häufig nur auf die Zuwachsraten bei der zu erhaltenden Art geschaut hat, aber nie von vorherein überprüft hat wie viele Individuen ein bestimmtes Schutzgebiet überhaupt optimal mit den entsprechenden Ressourcen versorgen kann oder wie sich bestimmte Ressourcen im Laufe der Zeit durch andere Einflüsse verändern. Siehe dazu auch Bertolero et al., (2007).

Literatur

Bertolero, A., D. Oro & A. Besnard (2007): Assessing the efficacy of reintroduction programmes by modelling adult survival: the example of Hermann's tortoise. – Animal Conservation 10(3): 360-368 oder Abstract-Archiv.

Scott, P. A., L. J. Allison, J. F. Kimberleigh, R. C. Averill-Murray & H. B. Shaffer (2020): Individual heterozygosity predicts translocation success in threatened desert tortoises. – Science 370(6520): 1086-1089 oder Abstract-Archiv

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