Andreani G., E. Carpenè, A, Cannavacciuolo, N. Di Girolamo, E. Ferlizza & G. Isani (2014): Reference values for hematology and plasma biochemistry variables, and protein electrophoresis of healthy Hermann’s tortoises (Testudo hermanni ssp.). – Veterinay Clinical Pathology 43 (4): 573–583.

Referenzwerte für die Hämatologie und Plasmabiochemievariablen sowie für die Proteinelektrophorese für gesunde Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni ssp.).

Die Griechische Landschildkröte, Testudo hermanni, steht derzeit auf der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) für bedrohte Arten. Die Reptilienmedizin ist wie in anderen Sparten auch abhängig von aussagekräftigen Laboranalysen zur Erfassung des Gesundheitsstatus, allerdings ist die Spannbreite der Referenzwerte für die Hämatologie, Biochemie und Proteinelektrophorese für das Blutplasma von gesunden Schildkröten kaum verfügbar.
Ziel: Das Ziel dieser Studie ist die Erarbeitung der Schwankungsbreite der Referenzwerte für die Blut- und Plasmaparameter bei klinisch gesunden Griechischen Landschildkröten sowie die Feststellung, welchen Einfluss das Geschlecht und die Saison auf diese Parameter hat.
Methoden: Blutproben wurden bei 34 gesunden Landschildkröten Ende September und Anfang Juli genommen. Blutausstriche, Hämatokrit und die Konzentrationen von Hämoglobin sowie weiteren ausgewählten plasmabiochemischen Markern, Enzymaktivitäten und die Plasmaproteinfraktionen wurden bestimmt. Diese Referenzwerte wurden dann in Abhängigkeit vom Geschlecht und der Jahreszeit ausgewertet.
Resultate: Es wurden für Reptilien typische Anzahlen an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und an weißen Blutzellen im Blutausstrich gefunden. Der Hämatokrit und die Konzentrationen von Hämoglobin und Harnsäure sowie die Enzymaktivitäten von ALT und AST waren bei den Männchen signifikant höher als bei den Weibchen. Die Konzentrationen für Glukose, Harnsäure, Phosphat und die AST-Aktivität waren Anfang Juli am höchsten, wohingegen die Konzentrationen für Harnstoff und Cl kurz vor der Überwinterung Ende September am höchsten lagen. Die elektrophoretisch aufgetrennten Proteinfraktionen wurden für Albumin und die α, β und γ Globuline bestimmt.
Schlussfolgerung: Die Spannbreite der Referenzwerte, die in der vorliegenden Arbeit definiert werden, sind gute Angaben für die klinische Landschildkrötenmedizin und für die Arterhaltung. Sowohl das Geschlecht als auch die Saison haben nach den Befunden einen signifikanten Einfluss auf die Hämatologie und die Blutbiochemischen-Parameter und sollten bei der Bestimmung des Gesundheitsstatus der Landschildkröten unbedingt mitberücksichtigt werden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit liefert eine gute, wenn auch nicht ganz aktuell vollständige Referenzliste zum Thema, und sie stellt sehr detaillierte interessante Daten vor, die in aussagekräftigen Tabellen zusammengestellt sind. Diese sind zwar nur für zwei Jahreszeiten angegeben, sollten aber, wie ich meine, als Referenzwerte in der Praxis durchaus Beachtung finden, da sie einiges richtigstellen können, was von so manchem Labor vielleicht fehlinterpretiert und damit auch fehldiagnostiziert wird, wie ich gerade einem am 27.09.2014 ausgestellten Blutbildbefund für eine männliche Testudo hermanni entnehmen konnte, den mir eine ratsuchende Halterin übersandt hatte. Denn wenn man die Angaben in diesem Befund in vergleichbare Werte umrechnet, und mit jenen aus dieser Arbeit von nach veterinärmedizinischer Befundung gesunden wildlebenden Schildkröten vergleicht, wäre ich vorsichtig, manche der Werte als pathologisch erhöht einzustufen. Zumindest sind sie nicht so drastisch erhöht, dass man den Haltern/innen gerade bei Tieren, die kurz vor der Winterruhe stehen, derartige Angst machen sollte. Auch wenn die in dieser Arbeit vorgestellten Werte an mancher Stelle nicht so stark schwanken, wie jene die, von Scope et al. (2013) für Tiere aus einer österreichischen Schildkrötenhaltung beschrieben wurden, so möchte ich doch darauf verweisen, dass bezgl. Kalzium und Phosphat in dieser aktuellen Arbeit auch mal höhere Schwankungen für die Wildtiere gemessen wurden und somit sollte man doch bei Landschildkröten aus semiariden und ariden, stark saisonal geprägten Lebensräumen zur Kenntnis nehmen, dass sie sich durchaus auch in der Tierhaltung entsprechend verhalten und sich damit auch ihre physiologischen und biochemischen Parameter entsprechend verhalten können. Siehe auch ergänzend Mathes et al. (2006).

Literatur

Mathes, K A., A. Holz, M. Fehr (2006): Blood reference values of terrestrial tortoises (Testudo spp.) kept in Germany. – Tierärztliche Praxis Ausgabe K Kleintiere Heimtiere. 34 (4): 268–274 oder Abstract-Archiv.

Scope, A., I. Schwendenwein & G. Schauberger (2013): Characterization and quantification of the influence of season and gender on plasma chemistries of Hermann's tortoises (Testudo hermanni, Gmelin 1789). – Research in Veterinary Science 95 (1): 59–68 oder Abstract-Archiv.

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