Amerikanische Sumpfschildkröte, Emydoidea blandingii, ein Jungtier – © James Harding

Wijewardena - 2023 - 01

Wijewardena, T., M. G. Keevil, N. E. Mandrak, A. M. Lentini & J. D. Litzgus (2023): Evaluation of headstarting as a conservation tool to recover Blanding's Turtles (Emydoidea blandingii) in a highly fragmented urban landscape. – Plos One 18(3): e0279833.

Die Überprüfung eines Headstart-Programms als Erhaltungsmaßnahme zur Erholung der Blandings-Schildkröte (Emydoidea blandingii) in einer sehr stark fragmentierten urbanen Landschaft.

DOI: 10.1371/journal.pone.0279833 ➚

Amerikanische Sumpfschildkröte, Emydoidea blandingii, – © James Harding
Amerikanische Sumpfschildkröte,
Emydoidea blandingii,
© James Harding

Süßwasserschildkröten-Populationen sind als Ergebnis anthropogener Veränderungen global im Rückgang begriffen. Die Gefährdungen sind für die Schildkröten in besiedelten Gegenden besonders durch den Tod auf Verkehrswegen angestiegen, genauso wie durch eingebrachte Beutegreifer. Das hat zur Folge, dass es zu katastrophalen Populationseinbrüchen und Populationsstrukturveränderungen kommen kann. Headstart-Programme werden dazu genutzt, um die Arterhaltung zu fördern und um damit die Schildkrötenpopulationen so zu unterstützen, dass ein Aussterben damit verhindert werden könnte. Dieses Headstart-Programm begann 2012, um damit eine funktionell schon ausgestorbene Population von Blanding’s-Schildkröten (Emydoidea blandingii) im Rouge National Urban Park (RNUP) in Ontario, Kanada wiederzubeleben. Die Ausgangspopulation bestand aus fünf adulten und einer juvenilen Schildkröte. Von 2014 bis 2020 konnten 270 Schildkröten aus dem Headstart-Programm ausgewildert werden. Die Population wurde dann seit 2014 pro Jahr einmal erfasst, wozu wir die visuelle Beobachtung sowie die Radiotelemetrie einsetzten. Seit 2018 wurden auch lebende Individuen mit Reusen gefangen. Wir verwendeten die Markierungs-Wiederfangdaten und die mittels Radiotelemetrie erhoben Daten, um die Vorhandenseinshäufigkeit, die Überlebensrate und das Geschlechterverhältnis dieser Headstart-Population zu bestimmen. Anhand des Jolly-Seber-Models schätzten wir in 2020 die Abundanz auf 183 Schildkröten (20 Schildkröten/ha). Die kalkulierte Überlebensrate der Headstart-Schildkröten lag nahe 89 % (mit einer Ausnahme, nämlich der Schildkröten die 2019 ausgewildert worden waren, die bei nur 43 % lag, weil es zu dieser Zeit zu einem bekannten Massentodereignis im Studienareal gekommen war). Das vor der Auswilderung erfasste Geschlechterverhältnis lag bei 1:1,5 und das nach Auswilderung festgestellte Geschlechterverhältnis ergab 1:1, wobei es zu keinen signifikanten Unterschieden gekommen war (χ2 = 1,92; p = 0,16). Unter der Berücksichtigung, dass die Schildkröten aus dem Headstart-Programm die Geschlechtsreife noch nicht erreicht haben, bleibt es unklar, ob diese Schildkröten bis zum Adultstadium überleben werden und sich eigenständig so erfolgreich reproduzieren, um eine sich selbst erhaltende Population entstehen zu lassen. Somit bleibt es notwendig den Erfolg dieses Headstart-Programms auch noch längerfristig zu überwachen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Es stimmt zumindest zuversichtlich, dass die festgestellte Überlebensrate bei fast 90 % liegt. Wie diese Studie auch sehr schön zeigt, scheint die ausgedehnte Zeitspanne notwendig zu sein, um solche Populationen erfolgreich aufzubauen und wiederzubeleben. Sicherlich kann man davon ausgehen, dass so etwas in manchen Ländern zu gewährleisten ist. Aber wir sollten auch an jene Länder denken, in denen die dazu notwendige politische Stabilität so nicht gegeben ist und wo im Zeitraum eines Jahrzehnts die Regierungen und die Bedingungen, die eine solche Stabilität gewährleisten könnten, mehrmals wechseln. Insofern ist es schon fraglich, wie sich so etwas nicht nur lokal, sondern auch global im Sinne des Biodiversitätserhalts realisieren ließe?

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