Landkarten-Höckerschildkröte, Graptemys geographica, veröltes Tier nach der Süßwasser-Ölpest – © Joshua G. Otten

Otten - 2022 - 01

Otten, J. G., L. Williams & J. M. Refsnider (2022): Survival outcomes of rehabilitated riverine turtles following a freshwater diluted bitumen oil spill. – Environmental Pollution 311: 119968.

Überlebensbilanz von rehabilitierten Flussschildkröten nach einer Überschwemmung mit Süßwasser-verdünntem-Öl aus der Bitumenherstellung.

DOI: 10.1016/j.envpol.2022.119968 ➚

Landkarten-Höckerschildkröte, Graptemys geographica, – © Joshua G. Otten
Landkarten-Höckerschildkröte,
Graptemys geographica,
© Joshua G. Otten

Die Rehabilitation wird häufig genutzt um die negativen Auswirkungen von Ölkatastrophen auf die Wildtiere abzumildern. Mit dem zunehmenden Einsatz von Alternativen zur konventionellen Rohölförderung wie der Herstellung von verdünnten Bitumen (Dilbit) benötigen die Bekämpfer von Ölkatastrophen ebenso wie Tierschützer Informationen in Bezug zur Gesundheit und der Überlebenswahrscheinlichkeit von wildlebenden Wirbeltieren die im Freiland von einer Katastrophe mit Dilbit betroffen werden. In 2010 kam es zur größten Süßgewässerölkatastrophe in den Vereinigten Staaten und zwar im Fluss Kalamazoo in Michigan wo 3,2 Millionen Liter Dibit über eine Länge von 56 km die Flusshabitate verseuchte. Während 2010 und 2011 fanden Reinigungsarbeiten statt während derer tausende von nördlichen Landkartenschildkröten (Graptemys geographica) in der betroffenen Region eingesammelt und von Öl befreit, zur Rehabilitation untergebracht und später wieder ausgesetzt wurden. Wir führten dabei sehr viele Markierungs-Wiederfangstudien in 2010, 2011 und später von 2018-2021 durch und wir verwendeten diese Datensätze dazu die monatliche Überlebenswahrscheinlichkeit bei den Schildkröten in den Monaten 1-14 nach der Katastrophe bzw. 8-11 Jahre nach der Ölkatastrophe zu analysieren, wobei wir auch zwischen drei Gruppen unterschieden, nämlich Schildkröten die temporär rehabilitiert und ausgesetzt wurden, Schildkröten die nach der Rehabilitation noch in Gefangenschaft überwintert wurden und dann erst ausgesetzt wurden sowie einer Gruppe die ohne Rehabilitation direkt nach der Säuberung ausgesetzt wurden. Wir beobachteten, dass die Schildkröten aus der Rehabilitations- und der Rehabilitations- und Überwinterungskohorte die höchste Überlebenswahrscheinlichkeit während der ersten 14 Monate nach der Katastrophe hatten. Allerdings nach 8-11 Jahren ließen sich bezüglich der Überlebenswahrscheinlichkeit nur noch vernachlässigbar geringe Unterschiede zwischen den Gruppen ausmachen. Direkt nach der Ölkatastrophe wurden 6 % der Schildkröten tot aufgefunden oder verstarben während der Rehabilitation oder sie hatten Verletzungen die ein Wiederaussetzen nicht zuließen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Kontakt mit Dibit bei freilebenden Schildkröten zum Tod führt während jene die gefangen, gereinigt und rehabilitiert wurden eine hohe Überlebenswahrscheinlichkeit während der Monate 1-14 nach der Katastrophe hatten was zeigt, dass die Maßnahmen zur Behandlung der Tiere wichtig und notwendig sind.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hierbei handelt es sich um eine interessante Langzeitstudie die einen Aspekt adressiert der bei von solchen Katastrophen betroffenen Meeresschildkröten wesentlich schwerer zu überprüfen wäre. Insofern liefert die Arbeit schon klare Belege dafür wie man davon betroffenen Schildkröten helfen kann und dass sich diese Hilfe lohnt. Siehe dazu auch Refsnider et al., (2023).

Literatur

Bogolin, A. P., D. R. Davis, R. J. Kline, & A. F. Rahman (2021): A drone-based survey for large, basking freshwater turtle species. – PLoS ONE 16(10): e0257720 oder Abstract-Archiv.

Refsnider, J. M., N. Torres, J. C. Otten (2023): No Evidence of Long-Term Effects on Physiological Stress or Innate Immune Functioning in Northern Map Turtles a Decade After a Freshwater Oil Spill. – Herpetologica 79(1): 22-29 oder Abstract-Archiv.

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