Mancino, C., S. Hochscheid & L. Maiorano (2023): Increase of nesting habitat suitability for green turtles in a warming Mediterranean Sea. – Scientific Reports 13(1): 19906.
Die Zunahme bei den Nisthabitaten der Suppenschildkröte in einem wärmeren Mittelmeer.
DOI: 10.1038/s41598-023-46958-4 ➚

Chelonia mydas,
© Hans-Jürgen Bidmon
Der Klimawandel verändert die globalen Ökosysteme in einem noch nie dagewesenen Tempo, was erhebliche Auswirkungen auf die Artenvielfalt hat. Daher ist das Verständnis, wie Organismen dem Wandel widerstehen können, der Schlüssel zur Ermittlung vorrangiger Erhaltungsziele. Die ektothermen Meerestiere sind extrem betroffen, da ihre Biologie und Phänologie direkt mit der Temperatur zusammenhängen. Unter diesen Arten sind die Meeresschildkröten besonders problematisch, da sie während ihres Lebenszyklus sowohl in marinen als auch in terrestrischen Lebensräumen umherziehen. Anhand der Grünen Meeresschildkröte (Chelonia mydas) im Mittelmeer untersuchten wir die möglichen zukünftigen Veränderungen der Nistplätze im Laufe der Zeit, wobei wir davon ausgingen, dass Meeresschildkröten ihre Nistplätze verlagern würden. Wir haben die derzeitige Verteilung der Nistplätze modelliert, wobei sowohl terrestrische als auch marine Variablen berücksichtigt wurden, und wir haben die potenzielle Verteilung der Nistplätze im gesamten Mittelmeerraum unter alternativen zukünftigen Treibhausgasemissionsszenarien (2000-2100) projiziert. Unsere Modelle zeigen eine Zunahme der Nistwahrscheinlichkeit im westlichen Mittelmeer, unabhängig von dem von uns betrachteten Klimaszenario. Im Gegensatz zu den meisten Studien über den globalen Wandel gilt: Je schlechter das Szenario des Klimawandels, desto mehr geeignete Gebiete für grüne Schildkröten werden potenziell zunehmen. Die wichtigsten Prädiktoren waren anthropogene Variablen, die sich negativ auf die Nistwahrscheinlichkeit auswirken, und die Meeresoberflächentemperatur, die positiv mit der Nistwahrscheinlichkeit zusammenhängt, bis zu einem Maximum von 24 bis 25 °C. Die Bedeutung der Strände des westlichen Mittelmeers als potenzielle Nistgebiete für Meeresschildkröten in naher Zukunft erfordert eindeutig proaktive Schutz- und Bewirtschaftungsmaßnahmen, die sich auf Überwachungsmaßnahmen (zur Dokumentation der potenziellen Ausdehnung des Verbreitungsgebiets) und die Erkennung von Gefahren konzentrieren.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Diese Arbeit stimmt positiv, denn es zeichnet sich ab, dass sie zumindest durch die Verlagerung der Nistplätze sich dem Klimawandel anpassen können, wenn wir ihnen diese Küstenregionen nicht anderweitig unzugänglich machen. Damit liefert diese Arbeit auch Anhaltspunkte dafür, wie die Testudinata auch in vergangen Perioden mit starken Klimaschwankungen überleben konnten.
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Chelonia mydas – Grüne Meeresschildkröte