Baratti, Greta, Maria Luongo, Michela Ponticorvo, Tommaso Pecchia, Gionata Stancher, Onofrio Gigliotta & Valeria Anna Sovrano (2026): Navigation and spatial learning in Hermann's tortoises: Insights from geometric reorientation. – Journal of Experimental Psychology: Animal Learning and Cognition: Online ahead of print.
Navigation und räumliches Lernen bei Griechischen Landschildkröten: Erkenntnisse zur geometrischen Reorientierung.
DOI: 10.1037/xan0000423 ➚

Testudo hermanni boettgeri,
© Hans-Jürgen Bidmon
Die zielgerichtete räumliche Neuorientierung in rechteckigen Arenen, mit oder ohne Orientierungspunkte, beruht auf metrischen Attributen und Umweltreizen, die auf die Links-Rechts-Ausrichtung ausgerichtet sind. Obwohl das Phänomen bei mehreren Wirbeltieren dokumentiert wurde, sind seine Mechanismen noch wenig erforscht; bei Reptilien wurden jedoch weder das Phänomen noch seine Mechanismen untersucht. Diese Studie untersuchte, ob räumliche Geometrie und Erkundungsstrategien die Neuorientierung bei der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni) beeinflussen. Die Tiere wurden in einer rechteckigen Arena darauf trainiert, eine Futterbelohnung zu finden, indem sie entweder zwei geometrisch symmetrische Ecken („Keine blaue Wand“) oder eine einzelne Ecke wählten, die durch eine blaue Landmarke in der Nähe („Blaue Wand nah“) oder in größerer Entfernung („Blaue Wand fern“) markiert war. Die Schildkröten lernten erfolgreich, sich sowohl anhand geometrischer Informationen als auch anhand von Landmarken neu zu orientieren, und wandten dabei konsistente Strategien an, um das Ziel zu erreichen. Qualitative Beobachtungen zeigten lateralisierte Routinen beim Wandfolgen und eine Präferenz für die Erkundung des Randbereichs. Quantitativ führten die Landschildkröten unter der Bedingung „Blaue Wand nahe“ weniger Wendungen aus, bewegten sich schneller und erreichten das Ziel schneller als diejenigen unter den Bedingungen „Blaue Wand fern“ oder „Keine blaue Wand“, was darauf hindeutet, dass die unmittelbare Nähe zu einem visuellen Hinweis die räumliche Orientierungseffizienz verbessert. Im Gegensatz dazu verließen sich die Tiere bei fehlenden Orientierungspunkten stärker auf die geometrischen Eigenschaften der Arena und folgten längeren und weniger direkten Wegen. Darüber hinaus förderte die Bedingung „Blaue Wand nahe“ ein Kantenfolgeverhalten, was darauf hindeutet, dass nahegelegene Begrenzungen die Navigation zusätzlich unterstützen. Diese Ergebnisse zeigen, dass Reptilien geometrische Hinweise und Orientierungspunkte während der räumlichen Neuorientierung flexibel integrieren können, was die Rolle der Bewegung bei der Gestaltung räumlicher Strategien unterstreicht und neue Einblicke in die kognitiven Prozesse liefert, die der Navigation zugrunde liegen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Nun es ist zwar schön, dass diese Orientierungsleistung jetzt wissenschaftlich belegt ist, aber ich denke Landschildkrötenhalter/innen beobachten das wohl jedes Jahr wie z. B. Weibchen einen Nistplatz aufsuchen oder auch beide Geschlechter sich sehr genau daran erinnern, wo eine Lücke in der Gehegebegrenzung war die sie für einen Extraausflug in den Garten nutzen konnten und wie zielgerichtet sie immer wieder diese Stelle anpeilen und suchen. Siehe dazu auch Loy & Cianfrani (2010) und die dortigen Kommentare.
Literatur
Loy A. & C. Cianfrani (2010): The ecology of Eurotestudo h. hermanni in a mesic area of southern Italy: first evidence of sperm storage. – Ethology Ecology & Evolution 22(1): 1-16 oder Abstract-Archiv.
Galerien
Testudo hermanni boettgeri – Griechische Landschildkröte
