Liao, Yuhong, Hao Fu, Ganlin Lv, Huihui Quan, Qing Qiu, Huahua Mao, Jubin Xing, Zirui Wang, Qingman Yang & Xionge Pi (2026): Novel Endogenous Probiotics Enhance Host Intestinal Health, Liver Immune Capacity, Meat Nutritional Composition, and Aquatic Environmental Quality in Pelodiscus sinensis. – Aquaculture Nutrition 2026(1): 7893677.
Neue endogene Probiotika fördern die Darmgesundheit der Wirtswirtstiere, die Immunkapazität der Leber, die Zusammensetzung des für die Ernährung genutzten Fleisches sowie die Wasserqualität bei der Aufzucht von Pelodiscus sinensis.

Pelodiscus sinensis,
© Robert Hentschel
(www.chrysemys.com)
Derzeit sind die eingehende Forschung und die praktische Anwendung von Probiotika bei der umweltfreundlichen und gesunden Aufzucht von chinesischen Weichschildkröten (Pelodiscus sinensis) noch begrenzt. Im Rahmen dieser Studie wurde ein 30-tägiger Fütterungsversuch mit Schildkröten mit einem Ausgangsgewicht von 528,95 ± 2,96 g durchgeführt. Ziel war es, die Auswirkungen von drei endogenen Probiotika – Enterococcus faecalis (EF), Lactococcus lactis (LL) und Weissella cibaria (WC) auf die Darmgesundheit, die antioxidative Kapazität der Leber, die Nährstoffzusammensetzung der Muskeln, die Zusammensetzung der Darmmikrobiota und die Wasserqualität in der Aquakultur von P. sinensis zu bewerten. Die Supplementierung mit Probiotika veränderte die mikrobiellen Gemeinschaften im Darm und im Aquakulturwasser signifikant und führte zu einer Anreicherung nützlicher Bakteriengattungen wie Romboutsia und Bacteroides. Es wurden stammspezifische funktionelle Vorteile beobachtet: LL verbesserte die Zottenhöhe (VH) und die Dicke der Lamina propria signifikant (p < 0,05); WC steigerte signifikant die antioxidative Enzymaktivität der Leber, einschließlich Glutathionperoxidase (GSH-Px), Superoxiddismutase (SOD) und Katalase (CAT), sowie den Gehalt an essentiellen Aminosäuren (EAAs) im Muskel (p < 0,05); EF erhöhte signifikant die Trypsinaktivität und den Gehalt an Umami-Aminosäuren (UAAs) im Muskel (p < 0,05), während es nützliche Bakterien wie Nitrosomonas anreicherte und die Wasserqualität durch die Reduzierung von Gesamtphosphor und Ammoniumstickstoff verbesserte. Eine Korrelationsanalyse verband spezifische mikrobielle Taxa mit physiologischen und umweltbezogenen Parametern des Wirts. Diese Ergebnisse belegen die vielfältigen und einzigartigen Rollen endogener Probiotika und liefern eine wissenschaftliche Grundlage für deren gezielte Anwendung in der nachhaltigen Schildkrötenzucht.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Hierbei handelt es sich vorab erstmal um eine sehr interessante Arbeit, die natürlich wieder darauf abzielt gesündere und für den Schildkrötenfleischmarkt hochwertigere Tiere aufzuziehen. Trotzdem finde ich kann man davon viel lernen was selbst für Veterinäre/innen von Interesse sein könnte. Warum im Titel von endogenen also „selbst von den Schildkröten produzierten Probiotika“ gesprochen wird erklärt sich dadurch, dass die Autoren vorab eine Auswahl an krankeitsresistenten Pelodiscus sinensis aus einer Zucht ausgewählt haben. Deren Darmmikrobiom haben sie dann mit dem von erkrankten Individuen verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass das Darmmikrobiom der krankheitsresistenten P. sinensis sich dadurch auszeichnete, dass sie diese drei Bakterienstämme enthielten (Enterococcus faecalis, Lactococcus lactis und Weissella cibaria). Diese Bakterienspezies wurden dann einzeln kultiviert und als Probiotika aufgearbeitet und einzeln als Probiotika den experimentellen Aufzuchtgruppen zum Futter beigegeben. Von diesen experimentellen Aufzuchtgruppen stammen dann die oben im Abstract zusammengefassten Befunde über die positiven Auswirkungen dieser Probiotika. Was mir daran besonders auffällt ist, dass diese positive Wirkung nicht nur auf diesen probiotisch zugesetzten Bakterien zu beruhen scheint, denn die Zugabe dieser Probiotika hatte ja auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung der anderen Organismen im Darmmikrobiom der experimentellen Gruppen. Insofern wieder einmal eine schöne Arbeit, die zwar vorerst nur für P. sinensis so zutrifft, die aber eine ernährungsphysiologische Vorgehensweise aufzeigt, die man auch zur Haltungs- und Gesundheitsverbesserung anderer Spezies durchaus anwenden kann. Zum Beispiel, wenn man einmal darüber nachdenkt welche Schwierigkeiten nicht selten bei sogenannten Headstart-Programmen für Emys orbicularis und anderen Spezies auftreten (z. B. Martínez-Silvestre et al., 2017; Schneeweiß, N. pers. Mitteilung). Sicher für geschützte Spezies bekommt man schwerer Tierversuchsgenehmigungen für solche Experimente, die hier notwendig wären, da man ja auch ein paar Individuen opfern müsste, um die inneren Organe untersuchen zu können. Allerdings, wenn man bedenkt, wie viele Nachzuchten man damit vor Erkrankungen oder gar vor krankheitsauslösenden Bakterien, Viren und Pilzen, die sich ja auch oft im Darmmikrobiom vermehren, schützen könnte mag ein solcher tierexperimenteller Ansatz im Rahmen der veterinärmedizinischen Versorgung für bedrohte Arten in Zoos und innerhalb von Nachzuchtprogrammen durchaus gerechtfertigt sein. Denn, wenn man damit sogar Glück hat, könnte man selbst bei Wiederansiedlungsmaßnahmen, die Gefahr Krankheitserreger in die Wildpopulationen einzubringen wesentlich reduzieren und sogar die Chance bieten gesunderhaltende Mikrobiome in die Wildpopulationen einzubringen.
Literatur
Martínez-Silvestre, A., I. Verdaguer, F. Vidal, L. Fortuno, M. A. Franch, J. Soler & R. Velarde (2017): High Mortality Associated with Thyroid Hyperplasia in European Pond Turtles, Emys orbicularis (Linnaeus,1758) (Emydidae) in a Breeding Facility at the Ebro Delta, NE Spain. – Acta Zoologica Bulgarica 69: 85-89 oder Abstract-Archiv.
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Pelodiscus sinensis – Chinesische Weichschildkröte
