Spaltenschildkröte, Malacochersus tornieri, frisst blühenden Klee – © Hans-Jürgen Bidmon
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Jiang - 2026 - 01

Jiang, Chuan, Nassoro Mohamed, Rudolf Mremi, Xuda Liu, Gabriel Mayengo, Yang Liu, Reginald T. Mwaya, Wenwen Zhu, Yiming Gao & Bo Li (2026): Mitogenomes reveal multiple evolutionary units and low genetic diversity of the critically endangered pancake tortoise Malacochersus tornieri. – iScience 29(3): 115142.

Das mitochondriale Genom der stark gefährdeten Spaltenschildkröten, Malacochersus tornieri zeigt multiple evolutionäre Einheiten und eine niedrige genetische Diversität.

DOI: 10.1016/j.isci.2026.115142 ➚

Spaltenschildkröte, Malacochersus tornieri, – © Hans-Jürgen Bidmon
Spaltenschildkröte,
Malacochersus tornieri,
frisst Hibiscusblüte
© Hans-Jürgen Bidmon

Die Spaltenschildkröte (Malacochersus tornieri), eine vom Aussterben bedrohte endemische Art Ostafrikas, ist durch Lebensraumzerstörung und illegale Entnahme gefährdet. Ihr fragmentiertes Verbreitungsgebiet und ihre isolierten Populationen könnten eine genetische Differenzierung gefördert haben, die Informationen zu deren Erhaltung geben könnte. Wir leiten die Evolutionsgeschichte und Populationsstruktur von M. tornieri anhand der mitochondrialen Genome (Mitogenome) von 60 freilebenden Individuen aus 11 Standorten im Norden und Zentrum Tansanias ab. M. tornieri weist eine umgelagerte Mitogenomstruktur, Translokationsmutationen von proteinkodierenden Genen und eine extrem geringe Nukleotidvielfalt im Mitogenom auf. Die Populationen im Norden und Zentrum Tansanias weisen eine geringe Divergenz und gegensätzliche demografische Geschichten auf, mit einer jüngsten Expansion im Norden und einer Schrumpfung der zentralen Population. Dies deutet in Verbindung mit den festgestellten Mustern der Isolation durch Entfernung auf eine schlechte Populationsvernetzung hin. Wir fanden zwei divergierende Kladen, eine in Zentral-Tansania und die andere in Kenia, wobei letztere sich vor ca. 5,74 Millionen Jahren abspaltete, was auf eine mögliche kryptische Speziation hindeutet. Unsere Ergebnisse liefern Einblicke in den Populationsstatus von M. tornieri und dienen als Grundlage für das Naturschutzmanagement.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit deutet an, dass es bei den Spaltenschildkröten eventuell zwei Unterarten oder gar Arten geben könnte, nämlich eine kenianische und eine tansanianische. Aber was eventuell für deren Erhaltung wichtiger sein könnte, ist der Befund zur geringen genetischen Diversität innerhalb der lokalen Populationen die anscheinend auch zeigt, dass diese Lokalpopulationen untereinander auch schon lange keinen Austausch untereinander hatten. Die Frage, die sich daraus ergibt, bezieht sich eigentlich darauf, ob diese Fragmentierung durch den Menschen oder durch Umweltveränderung zustande gekommen ist. Diesbezüglich wäre es auch von Interesse zu erfahren, ob diese genetischen Daten auch Rückschlüsse darauf zulassen, wie eine wahrscheinliche frühere Konnektivität die Populationen untereinander vernetzt hatte und in welcher Sequenzabfolge es zur Fragmentierung kam? Was sich aber aus dieser Arbeit auch ableiten lässt ist doch die Feststellung, dass solche Arbeiten wie sie von Eustace et al. (2021) durchgeführt wurden, die andeuten wie großflächig sich der Lebensraum für M. tornieri mit dem Klimawandeln vergrößern könnte wenig hilfreich sind, da die Schildkröten anscheinend eine solche Erweiterung gar nutzen könnte, es sei denn es würden sich damit komplexe Umweltveränderungen einstellen, die ihre heute bekannte Fragmentierung in kleine an Kopjes gebundene Lebensweise aufweichen würde. Also das wieder ein Zustand erreicht werden könnte, wie er vielleicht historisch vor der Fragmentierung einmal bestanden haben könnte (siehe obige Fragestellung). Allerdings könnte sich in einer sowieso vom Menschen gemanagten Natur auch eine Lösung dadurch anbieten, dass man durch Umsiedlung von Exemplaren zwischen den Lokalpopulationen die genetische Diversität innerhalb der Populationen wieder erhöht, was im Extremfall vielleicht soweit gehen könnte, dass es auch wieder zu Introgressionsereignissen zwischen den beiden angedeuteten Kladen kommen würde. Letzteres dürfte sehr wahrscheinlich bei den in menschlicher Obhut gehaltenen Spaltenschildkröten schon längst der Fall sein! Insofern wäre es durchaus auch interessant einmal auf die aus Beschlagnahmen stammende wildlebende Population die schauen, die von Malonza et al. (2023) beschrieben wurde. Siehe auch Mohamed et al. (2025).

Literatur

Eustace, A., L. F. Esser, R. Mremi, P. R. Malonza & R. T. Mwaya (2021): Protected areas network is not adequate to protect a critically endangered East Africa Chelonian: Modelling distribution of pancake tortoise, Malacochersus tornieri under current and future climates. – PLoS One 16(1): e0238669 oder Abstract-Archiv.

Malonza, P. K., D. K. Korir, J. O. Nyamache & S. N. Kyalo (2023): Learning from the Wild: Status of the Introduced Pancake Tortoise Malacochersus tornieri Population in Tsavo East National Park, Kenya. – Chelonian Conservation and Biology 22(1): 30-38 oder Abstract-Archiv.

Mohamed, Nassoro A., Rudof F. Mremi, Chuan Jiang, David J. Kavana, Reginald T. Mwaya & Bo Li (2025): Spatial and temporal variations in habitat quality across the distribution range of the critically endangered East African Chelonian, pancake tortoise (Malacochersus tornieri). – Global Ecology and Conservation 62: e03773 oder Abstract-Archiv.

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