Chen, X. R., C. J. Niu & L. J. Pu (2007): Effects of stocking density on growth and non-specific immune responses in juvenile soft-shelled turtle, Pelodiscus sinensis. – Aquaculture Research 38(13): 1380-1386.

Auswirkungen der Besatzdichte auf das Wachstum und die unspezifische Immunantwort bei juvenilen Weichschildkröten, Pelodiscus sinensis

DOI: 10.1111/j.1365-2109.2007.01813.x

Um den Einfluss der Besatzdichte auf die Wachstumsrate und die Reaktionen des Immunsystems zu untersuchen, analysierten wir drei Gruppen von juvenilen Pelodiscus sinensis (Initiales Körpergewicht 74,2 +/- 12,2 g), die in Becken mit den Maßen 80 cm (L) × 40 cm (B) × 30 cm (H) für 35 Tage bei unterschiedlicher Besatzdichte gehalten wurden. Gruppe 1 (D1) 1 Individuum pro Becken (= 3,13 Individuen/m2), Gruppe II (D2) 4 Individuen/Becken (12,5 Individuen/m2) und Gruppe III (D3) 6 Individuen/Becken (18,75 Individuen/m2). D1 repräsentierte die Kontrollgruppe. Die Schildkröten wurden zu Beginn und am Ende des Versuchs individuell gewogen. Am Ende des Haltungsversuchs wurden auch die unspezifischen Immunparameter bestimmt. Die Ergebnisse zeigten, dass das Verhältnis Heterophile:Lymphozyten (HL-Ratio) mit zunehmender Besatzdichte anstieg, wohingegen die Werte für das Gesamtplasmaprotein mit zunehmender Dichte abnahmen, was auf eine Stressreaktion hinweist. Die Zuwachsrate sank signifikant mit zunehmender Besatzdichte. Die Indikatoren für eine unspezifische Immunreaktion wie die Phagozytische-Aktivität der Blutzellen, die hämolytische Aktivität des Serums und die bakteriolytische Aktivität waren bei zunehmender Besatzdichte deutlich erhöht, was auf eine Aktivierung des Immunsystems hinweist. Die Ergebnisse zeigen, dass bei einer Besatzdichte von 4-6 Schildkröten pro Becken die unspezifische Immunantwort nicht unterdrückt wurde, im Vergleich zur Kontrolle, diese war aber negativ korreliert mit der Zuwachsrate. Es gibt also anscheinend eine Energie-abhängige Beziehung zwischen der Wachstumsrate und einer konstitutiv (permanent) erhöhten Immunoreaktivität bei Weichschildkröten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch hier wieder eine Studie, die bei einer wirtschaftlich interessanten Art Grundlagen für Fragestellungen liefert, die sich aus lange bekannten Beobachtungen aus der Haltung ergeben haben, die aber nie bei anderen Arten, die nur für Erhaltungsmaßnahmen gezüchtet oder privat gehalten wurden angegangen wurden. (Innis et al. 2007 Hematologic and plasma biochemical analysis of juvenile head-started northern red-bellied cooters (Pseudemys rubriventris). – Journal of Zoo and Wildlife Medicine 38(3): 425-432 oder Abstract-Archiv). Gleichzeitig wird auch deutlich, dass die Besatzdichte einmal zu Stressreaktionen führt und zum Anderen eine Immunantwort auslöst. Diese Immunantwort kostet Energie und resultiert in niedrigeren Zuwachsraten. Für die praktische Haltung ein klarer Hinweis dafür, warum in sehr wahrscheinlich zu dicht besetzten Behältnissen trotz gleicher Haltungsweise deutliche Wachstumsunterschiede auftreten, da die dominanten Tiere eben besser wachsen. Zudem ist unter solchen Bedingungen sehr wahrscheinlich eine energiereiche Ernährung entscheidend, denn eine erhöhte Immunoreaktivität kostet Energie, ansonsten könnte sie nicht aufrecht erhalten werden. Die langfristigen Folgen kann man sich denken. Solch dichteabhängigen Veränderungen muss man nicht nur an der Anzahl der Tiere pro Becken fest machen, denn auch bei gleich bleibender Zahl der Tiere pro Becken können sie allein durch ihren Zuwachs, ab einer bestimmten Größe in diese Stresssituation geraten. Eine entscheidende Frage beantwortet aber auch diese Studie nicht, die da lautet: Für wie lange können die Tiere diese Erhöhung der Immunantwort aufrecht erhalten, ehe sie zusammenbricht? Denn nach allem, was wir bis heute wissen, ist damit bei anhaltendem Stress zwangsläufig zu rechnen und dieser Zusammenbruch bestimmt dann auch den Zeitpunkt ab dem mit zunehmenden Infektionen und Todesfällen zu rechnen ist. Ein Punkt, der wohl häufig aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit bei der Haltung übersehen wird. Denn man kann sehr wohl mehrere Jungtiere etlicher Arten gemeinsam halten, nur wenn dabei nicht rechtzeitig mit zunehmender Größe der Tiere das Platzangebot mit vergrößert wird oder für entsprechend der Größe angepasste Versteckmöglichkeiten geboten werden, kann es sehr schnell trotz klimatisch optimaler Bedingungen in einem Terrarium zu solchen Stresssituationen kommen. Manchem fallen sie erst auf, wenn die ersten Tiere schon Krankheitssymptome zeigen. Wer dann aber beim Tierarzt immer noch behauptet: Ich mache doch alles so wie zwei Jahre vorher auch; ohne begriffen zu haben, dass die Tiere eben während dieser zwei Jahre ihre Körpergröße versechsfacht haben, hat eben auch etwas Entscheidendes vergessen, was für eine korrekte Diagnose wichtig gewesen wäre. Dabei sollte auch das Geschlechterverhältnis nicht außer acht gelassen werden.

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