Bonini-Domingos, C. R., M. B. Silva, R. M. Romero, P. J. Zamaro, L. S. Ondei, C. E. Zago, S. B. Moreira & C. G. Salgado (2007): Description of electrophoretic and chromatographic hemoglobin profile of Rhinoclemmys punctularia. – Genetics and Molecular Research 6 (2): 415-421.

Die Beschreibung des elektrophoretischen und chromatographischen Hämoglobinprofils von Rhinoclemmys punctularia

Studien zum Hämoglobinmuster brasilianischer Reptilien sind wichtig, um ihre ökologischen und phylogenetischen Beziehungen zu bestimmen. Allerdings sind solche Studien selten. Peripher genommene Blutproben wurden bei 7 Männchen und 18 Weibchen von Rhinoclemmys punctularia gesammelt. Das hämatologische Profil basierte auf der Gesamt-Hämoglobinfraktion und den Hämatokritwerten. Das Hämoglobinprofil wurde durch bei verschiedenen pH-Werten durchgeführten Elektrophoresen, durch isoelektrische Fokussierung, Globinkettenelektrophorese und HPLC ermittelt. Der Hämatokrit lag bei 31 +/- 2 % und die Gesamthömoglobinwerte bei 7,5 +/- 0,2 g/dL und es gab keine geschlechtsbezogenen Variationen. Die Alkalische-pH Elelektrophorese des Gesamtbluts, das mit 1 % Saponin behandelt war, zeigte vier klar abgrenzbare Hämoglobinfraktionen. Die Hauptfraktion I zeigte ein kathionisches Laufverhalten, zudem gab es 3 Fraktionen, die schneller als Fraktion I liefen und sich anionisch verhielten. Die Chloroformpräzipitation des Bluts ergab nur zwei Fraktionen, die den Fraktionen I und III aus der vorhergehenden Elektrophoreseprozedur entsprachen. Die isoelektrische Fokussierung und die HPLC zeigten vergleichbare Muster. Mit der sauren und neutralen Elektrophorese ergaben sich zwei Fraktionen mit anodischer Wanderung. Die Globinkettenidentifikation im alkalischen Bereich ergab zwei Fraktionen, allerdings ergaben sich auch vier Fraktionen im saueren Bereich, was zeigt, dass verschiedene Polypeptidketten im Hämoglobinmolekül vereinigt sind. Die chromatographische Separierung des Gesamtbluts ergab, dass die Hauptfraktion 81,9 % und die kleineren Fraktionen 18,1% ausmachten. Diese Ergebnisse zeigen eine Übereinstimmung mit anderen Hämoglobinfraktionen, die für andere Chelidae in der Literatur sowohl für Land- als auch Wasserschildkröten beschrieben wurden, was ihre Anpassung an Umweltbedingungen nahe legt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Ob elektrophoretische Analysen des Hämoglobins wirklich so sensitiv sind, dass sie etwas über die ökologischen und phylogenetischen Beziehungen aussagen können, bleibt fraglich. Mir erscheinen diese Methoden zu grob und im Vergleich zu DNS-Analysen viel zu unsicher. Da wäre es wohl besser, man würde, wenn man schon Blutanalysen machen will, diese an den klinisch relevanten Erfordernissen ausrichten. Einfach weil man damit etwas mehr anfangen kann, und zur Beantwortung ökologischer und phylogenetischer Zusammenhänge sollte man sich eben der entsprechend sensitiveren Methoden bedienen.

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