Gefleckte Klappen-Weichschildkröte, Cyclanorbis elegans, – © Tomas Diagne

Luiselli - 2021 - 01

Luiselli, L., D. Dendi, J. S. Benansio, G. S. Demaya & C. B. Standord (2021): An additional threat to the recently rediscovered Nubian flapshell turtle in South Sudan. – Oryx 55(4): 490.

Eine zusätzliche Gefahr für die kürzlich wiederentdeckte Nubische Weichschildkröte im südlichen Sudan.

DOI: 10.1017/S0030605321000430 ➚

Gefleckte Klappen-Weichschildkröte, Cyclanorbis elegans, – © Tomas Diagne
Gefleckte Klappen-Weichschildkröte,
Cyclanorbis elegans,
© Tomas Diagne

Die Nubische Weichschildkröte Cyclanorbis elegans (Trionychidae) gehört zu den größten Süßwasserschildkröten in Afrika und sie war früher sehr zahlreich in den Gewässern der Savannenregionen von Ghana, Togo, Benin, Nigeria, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Chad, Sudan und Südsudan vertreten. Cyclanorbis elegans ist als hochgradig bedroht auf der Roten Liste der IUCN eingestuft aber es wurden für Jahrzehnte keine wildlebenden Individuen nachgewiesen bis sie 2017 im Süden des Sudan wiederentdeckt wurde. Als Beifang beim Fischen und das Absammeln der Eier der nistenden Weibchen zur Ernährung der ortsansässigen Bevölkerung sind die größten Gefahren für den Fortbestand der Art. Im Jahr 2020 befragten wir entlang des Weißen-Nils und entlang seiner Zuflüsse im zentralen äquatorialen Staat Südsudan mehr als 300 lokale Fischer über die Art. Wir erhielten durch Fotos bestätigte Informationen, dass vier C. elegans in der Gegend um Mongalla (3 Weibchen gefangen am 11. und 15. September sowie am 22. November 2020 und ein Männchen gefangen am 16. Dezember 2020) von lokalen Fischern an zugezogene chinesische Anwohner verkauft wurden die wohl die Hauptabnehmer für diese Schildkrötenart sind und die hohe Preise (EUR 250–400 für große Exemplare) bezahlen, die zur Ernährung und in einem Fall für religiöse Feiern genutzt werden. Diese hohen Preise stellen einen starken Anreiz zum Fang der Tiere bei den verarmten Fischergemeinden entlang des Weißen Nils dar. In den Interviews trat auch zutage, dass einige der zugezogenen Chinesen die Schildkröten für den asiatischen Fleischmarkt exportieren. Unter Anbetracht der Tatsache das die Populationsgrößen dieser Spezies sehr klein sind kann diese Praxis zur Ausrottung der Art beitragen. Die Nubische Weichschildkröte ist sehr wahrscheinlich im Rest ihres einstmaligen afrikanischen Verbreitungsgebiets ausgerottet. Wir empfehlen die Errichtung eines Schutzgebiets für diese Art und eine Überwachung und Unterbindung des potentiell bedrohlichen Exports für asiatische Märkte.

Kommentar von H.-J. Bidmon

So schön es auch sein mag diese Weichschildkrötenart wiederentdeckt zu haben so schwer fällt es einem mit anzusehen, dass wir aus 400 Jahren Naturausbeutung wirklich nicht mehr gelernt haben. Siehe nur als Beispiel: Santos & Fiori (2020).

Literatur

Santos, C. F. M. dos & M. M. Fiori (2020): Turtles, indians and settlers: Podocnemis expansa exploitation and the Portuguese settlement in eighteenth-century Amazonia. – Topoi Revista de História 21(44): 350-373 oder Abstract-Archiv.

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