Pazifische Sumpfschildkröte, Actinemys marmorata, – © H. Bradley Shaffer

Geist - 2015 - 01

Geist, N. R., Z. Dallara & R. Gordon (2015): The role of incubation temperature and clutch effects in development and phenotype of head-started western pond turtles (Emys marmorata). – Herpetological Conservation and Biology 10: 489-503.

Die Rolle der Inkubationstemperatur und die Gelegeeffekte während der Entwicklung und Phänotypausprägung bei Westlichen Sumpfschildkröten (Emys marmorata) in einem Head-Start–Programm.

DOI: None

Pazifische Sumpfschildkröte, Actinemys marmorata, – © H. Bradley Shaffer
Pazifische Sumpfschildkröte,
Actinemys marmorata,
© H. Bradley Shaffer

Im Rahmen eines Head-Start-Programms als Arterhaltungsmaßnahme untersuchten wir bei einer Population der Westlichen Sumpfschildkröte Emys (Actinemys) marmorata im nördlichen Kalifornien das Nistverhalten, die Nistortauswahl und die Faktoren, die sich auf den Schlupferfolg, das Schlüpflingswachstum und die Geschlechtsausprägung auswirken. Die Eier wurden während zweier aufeinanderfolgender Jahre aus den Nestern entnommen und bei konstanten Temperaturen experimentell erbrütet. Insgesamt wurden 131 Schlüpflinge in einer kontrollierten Umgebung (head-started) aufgezogen bevor sie als Juvenile in ihren Ursprungsgewässer wieder ausgesetzt wurden. Die relativen Auswirkungen der angewandten Inkubationstemperaturen und die mütterlichen/Gelege-spezifischen Einflüsse auf das Wachstum der Schlüpflinge und deren temperaturabhängige Geschlechtsfestlegung (TSD) wurden dabei für diese E. marmorata-Population untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Inkubationstemperatur, die Schlüpflinge signifikant beeinflusst (und zwar in Bezug auf die Schlupfrate und die Inkubationsdauer), wohingegen sowohl die Temperatur wie auch die gelegespezifischen Faktoren sich signifikant auf das Wachstum der Schlüpflinge auswirken. Unsere Daten sprechen für ein Typ 1A Muster bei der Temperatur-abhängigen Geschlechtsausprägung bei dieser Spezies. Die Daten legen nahe, dass sich Temperaturen, die über der konstanten Pivotaltemperatur liegen, signifikant nachteilig auf den Schlupferfolg auswirken. Vorläufige Freilanddaten zeigen zyklische Temperaturschwankungen für die natürlich abgelegten Nester von E. marmorata, die eine wichtige Rolle bei der Geschlechtsausprägung und für das Überleben der Schlüpflinge innerhalb der freilebenden Population spielen. Diese Daten bringen wichtige Erkenntnisse für die Etablierung von Ex situ-Inkubationsprotokollen für zukünftige Erhaltungsprogramme für E. marmorata, die Head-start-Maßnahmen in Erwägung ziehen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit ist sehr ausführlich geschrieben und beinhaltet wesentlich mehr interessante Detaildaten als im Abstract erwähnt werden konnten. Hierzu gehört die natürliche Nistplatzwahl mit individuellen Vorzügen, wobei individuelle Weibchen zum einen bevorzugt den gleichen Nistplatz aufsuchen, aber manche Weibchen nur in 1-2 m Entfernung vom Ufer ablegen. Die Ablage ist minimal in 1 Stunde erledigt, während andere Tiere mehr als 300 m entfernt vom Ufer ablegen und dazu mehr als 12 Stunden benötigen. Die Ablage erfolgt nur am Tage und die Weibchen sind wohl in der Lage mit nur 5 cm Abweichung zum einmal gewählten Nestplatz zurück zu finden. Damit zeigen sie wahrscheinlich ein ähnlich präzises räumliches Lernverhalten und Gedächtnis wie es bislang nur für das Wanderverhalten von Chrysemys beschrieben wurde (siehe Roth & Krochmal 2016). Auch die Lage der Nistplätze in Südexposition wird beschrieben. Und was ich persönlich sehr interessant finde, ist der Vergleich der natürlichen und künstlich konstanten Inkubationstemperaturen. Letztere zeigen, dass bei einer Inkubationstemperatur von 30 °C und mehr nur noch Weibchen schlüpfen, aber gleichzeitig die Schlupfrate drastisch absinkt, während in den natürlichen Nestern die täglich aufgezeichneten Temperaturen zwischen minimal 20 °C bei Nacht und 40 °C am späten Nachmittag schwanken. Die vielen anderen erwähnten Parameter zum Wachstum der Schlüpflinge etc. sollte aber jeder der Orginalarbeit entnehmen.

Literatur

Roth, T. C. & A. R. Krochmal (2016): Pharmacological evidence is consistent with a prominent role of spatial memory in complex navigation. – Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences 283(1824): 20152548; DOI: 10.1098/rspb.2015.2548 ➚.

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