Maričić, Marko, Vukašin Bjelica & Ana Golubović (2026): Self-righting of the European pond turtle varies among populations and is related to body size, muscular strength and body condition. – Journal of Zoology Early Access.
Das Umdrehen aus Rückenlage bei der Europäischen Sumpfschildkröte variiert zwischen den verschiedenen Populationen und steht in Beziehung zur Körpergröße, Muskelkraft und der Körperkondition.
DOI: 10.1111/jzo.70103 ➚

Emys orbicularis,
© Hans-Jürgen-Bidmon
Süßwasserschildkröten sind zwar überwiegend aquatisch, nutzen aber den terrestrischen Teil ihres Lebensraums für die Wanderung und die Eiablage. An Land besteht für Schildkröten die Gefahr, auf den Rücken zu fallen, was zu Problemen wie Atembeschwerden, Überhitzung, Dehydrierung, Hunger oder Raubtierangriffen führen kann. Daher ist die Fähigkeit, sich aus Rückenlage wieder umzudrehen, für ihr Überleben unerlässlich. Bislang wurde der Zusammenhang zwischen Raubtiervermeidungsverhalten und Selbstaufrichtung nur begrenzt untersucht, und die potenziellen Auswirkungen der Körperkondition und Muskelkraft wurden bei natürlichen Schildkrötenpopulationen noch nicht bewertet. In dieser Studie untersuchten wir die Faktoren, die die Bewegungsleistung und das Verhalten zur Abwehr von Raubtieren bei der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) beeinflussen, indem wir 436 erwachsene Individuen in fünf abgelegenen Populationen einem Selbstumkehrtest aus Rückenlage nach einem simulierten Raubtierangriff unterzogen. Kleinere Erwachsene waren dabei erfolgreicher als größere, und Individuen mit relativ größerer Muskelkraft und besserer Körperkondition zeigten eine schnellere Umkehrreaktion aus Rückenlage. Unsere Ergebnisse zeigen eine lokale Anpassung der Bewegungsleistung und des Verhaltens gegenüber Raubtieren. Beispielsweise reagierten Schildkröten aus Gebieten mit intensiver Fischerei deutlich schneller auf einen simulierten Raubtierangriff als Schildkröten aus Gebieten mit geringer oder keiner Fischerei. Darüber hinaus zeigten unsere Ergebnisse, dass Weibchen nach einem simulierten Raubtierangriff länger mit ihrer Reaktion warteten und sich im Vergleich zu Männchen langsamer erfolgreich selbst umdrehten. Diese Ergebnisse zeigen die komplexe Beziehung zwischen Morphologie, Selbstaufrichtungsleistung und Verhalten gegenüber Raubtieren.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Die Einleitung liefert eine sehr ausführliche Literaturzusammenstellung zum Thema. Neben den Farbabbildungen zu den Habitaten im Methodenteil zeigt die Arbeit, dass sich 93,3 % der Schildkröten innerhalb von 180 Sekunden erfolgreich aus Rückenlage umdrehen. Auch wenn die Ergebnisse diesbzgl. nicht signifikant waren so zeigte sich ein Trend, dass Individuen mit längerer Hals-Kopflänge und längeren Beinen sich besser aus Rückenlage umdrehen konnten. Letzteres ist ja auch etwas, was man bei Spaltenschildkröten trotz ihres flachen Panzers im Vergleich zu anderen Spezies auch beobachten kann. Da sich kleinere Individuen besser umdrehen können als größere mit einem längeren Carapax bezieht sich ein Teil der Diskussion auf die nachteiligen Konsequenzen, die sich dabei für adulte Weibchen bei ihrer Wanderung zu den Nistplätzen ergeben können. Was zu erwarten war ist auch die Beobachtung, dass eine bessere Körperkondition das Umdrehvermögen beschleunigt. Ja, und auch die Feststellung, dass es bezgl. der Umdrehreaktion im diskutierten Vergleich mit anderen Schildkrötenspezies Unterschiede gibt, war zu erwarten.
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Emys orbicularis – Europäische Sumpfschildkröte
