Gelbliche Klappschildkröte, Kinosternon flavescens, Muttertier mit Jungtier – © John B. Iverson
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Suavita - 2024 - 01

Suavita, Juan Sebastian Thomas, Sara Gamboa, Manuel Hernández Fernández, Oscar E Murillo-García & Jonathan Pelegrin-Ramírez (2024): Macroevolutionary processes in turtles (Testudines): a view from biomic specialization and historical climatic changes. – Volume 12: 1474500.

Macroevolutionäre Prozesse bei Schildkröten (Testudines): Ein Blickwinkel im Hinblick auf die biomische Spezialisierung und die geschichtlichen klimatischen Veränderungen.

DOI: 10.3389/fevo.2024.1474500 ➚

Hier die korrigierte Version, da im Original eine falsches Funding statement veröffentlicht wurde. DOI: 10.3389/fevo.2025.1654762 ➚

Gelbliche Klappschildkröte, Kinosternon flavescens, – © John B. Iverson
Gelbliche Klappschildkröte,
Kinosternon flavescens,
Muttertier mit Jungtier
© John B. Iverson

Die von Elisabeth S. Vrba aufgestellte Ressourcennutzungshypothese besagt, dass Abstammungslinien unterschiedliche Tendenzen zur Generalisierung oder Spezialisierung bei der Besetzung von Biomen aufweisen, wobei eine Tendenz zur Anhäufung von Spezialisten aufgrund ihrer höheren Artbildungsrate durch Ausweichbewegungen besteht. Sie geht auch von Unterschieden in den Besetzungsmustern von Biomen aus, die durch die Umweltmerkmale der Biome bedingt sind, wobei Biom-Spezialistenarten in Biomen, die sich an den Extremen der globalen Klimagradienten befinden, häufiger vorkommen. Hier haben wir diese Hypothese an Schildkröten getestet, einer sehr alten und morphologisch stabilen Linie, die mit 357 Arten eine bemerkenswerte Vielfalt aufweist, von denen viele vom Aussterben bedroht sind. Wir haben die Ressourcennutzungshypothese in einem phylogenetischen Kontext innerhalb der Testudinata-Linie analysiert. Zu diesem Zweck wurde eine Anwesenheits-/Abwesenheitsmatrix für alle Arten in allen 10 terrestrischen Biomen erstellt. Ihre Verteilung über die Biome wurde mit 10.000 Monte-Carlo-Simulationen verglichen. Die Beziehung zwischen den Diversifizierungsraten und sowohl dem Biom-Spezialisierungsindex als auch den von Spezialisten bewohnten Biomen wurde bewertet. Die Ergebnisse zeigen eine starke Übereinstimmung mit der Hypothese von Vrba und weisen eine höhere Anzahl von Biom-Spezialisten auf, als zufällig zu erwarten wäre, wobei eine signifikante Ansammlung von Arten in tropischen Ökosystemen zu beobachten ist. Diese Trends wurden auch bei ökologischen Gruppen (terrestrische und Süßwasserarten) beobachtet. Darüber hinaus wurden bei Biom-Spezialisten höhere Diversifizierungsraten beobachtet, obwohl das jeweilige besiedelte Biom keinen signifikanten Einfluss auf ihre Diversifizierungsraten hatte.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit überprüft eine Hypothese, die man bei Schildkröten sehr gut beobachten und nachvollziehen kann. Sie liefert aber noch keine darüber, warum das so ist. Aber ich denke, dass dazu ganz andere und weitgehend molekulare Untersuchungen notwendig wären. Was wir allerdings auch als Hypothese hervorbringen können, ist die Beobachtung, dass dort wo die ökologischen Bedingungen optimal sind und hohe Individuenzahlen erlauben es zu einem erhöhten Differentzierungs- und Abgrenzungspotential kommen kann, welches infolge solche Prozesse begünstigen. Siehe dazu auch den Kommentar zu Vargas-Ramirez et al. (2012).

Literatur

Vargas-Ramírez, M., J. Michels & O. Victoria Castano-Mora (2012): Weak genetic divergence between the two South American toad-headed turtles Mesoclemmys dahli and M. zuliae (Testudines: Pleurodira: Chelidae). – Amphibia-Reptilia 33(3-4): 373-385 oder Abstract-Archiv.

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