McCrink-Goode - 2014 - 01

McCrink-Goode, M. (2014): Pollution: A global threat. – Environment International 68: 162-170.

Verschmutzung: Eine globale Gefahr.

DOI: 10.1016/j.envint.2014.03.023 ➚

Während der zurückliegenden Jahrzehnte ereigneten sich weitreichende und einschneidende anscheinend voneinander unabhängige Vorgänge in allen Ecken der Welt. Innerhalb der Ozeane waren es die Korallenriffe, die von bis dato unübertroffenen Episoden des Absterbens betroffen wurden. Meeresschildkröten sind derzeit weltweit durch eine Epidemie der Fibropapillomatose betroffen, und die globalen Phytoplanktonpopulationen haben um 40 % abgenommen. Innerhalb der terrestrischen Systeme dieser Erde ereigneten sich ähnliche Phänomene in der Form einer so genannten Kolonie-Kollaps-Störung (CCD), die zur Zeit dazu führt, dass die Honigbienenbestände zusammenbrechen, während die Weißnasen-Krankheit die Fledermauspopulationen dezimiert und der Chytrid-Pilz die Amphibienbestände einbrechen lässt. Bei oberflächlicher Betrachtung erscheinen all diese Vorgänge als unabhängig voneinander und dennoch haben sie einen gemeinsamen Ursprung: Umweltverschmutzung. Diese Arbeit untersucht die Gemeinsamkeiten dieser Vorkommnisse und untersucht das Potential zur Lösung des Problems.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine interessante Arbeit, die einmal versucht, das zusammenzufassen und unter einen Hut zu bringen, was sowohl von Naturschutzverbänden, Politik als auch Klima- bzw. Umwelterhaltung und Forschung heute noch meist als getrennte Phänomene betrachtet und bearbeitet wird. Nun stellt man sich zurecht die Frage, wie sollte denn der Zusammenhang zwischen all diesen sogar unterschiedliche Organismen betreffenden Vorgängen aussehen? Diesbezüglich arbeitet diese Studie sehr eindrucksvoll heraus, wie insbesondere die immer stärker zunehmende CO2-Konzentration in der Atmosphäre dazu führt, dass es weltweit zu einer Übersäuerung der Meere kommt – wobei auch Nitrat und Phosphatüberdüngung mit beitragen (siehe auch Kommentar zu Lenzen et al. 2012). Diese Übersäuerung der Meere wird zudem nicht nur direkt durch CO2, sondern auch, da CO2 eines der Treibhausgase darstellt, durch die damit verbundene Erderwärmung bedingt. Diese Prozesse bewirken zum Beispiel, dass Korallen im saureren Wasser kaum mehr ihre Kalkskelette aufrechterhalten können. Diese pH-Wertverschiebungen fördern auch die Ausbreitung und die Infektionsrate bestimmter Krankheitserreger und beides, pH-Verschiebungen und zunehmende Klimaveränderungen, beeinträchtigen das Immunsystem vieler Lebewesen oder fördern die Überlebens- und Übertragungsrate von Erregern. Insofern einmal ein guter globaler Ansatz die Ursachen anzugehen. Allerdings sollte einen das auch nachdenklich stimmen, denn optimistische Perspektiven gäbe es in einem solchen Ursachenszenario nicht, denn bis zur Mitte dieses Jahrhunderts soll die Weltbevölkerung noch ansteigen und die damit verbundene Mehrproduktion an CO2-Ausstoß und Düngemittel zur Ernährung sowie Pestizid- und Herbizideinsatz dürften kaum zu einer Verringerung der Belastungen führen. Ebenso verbrauchen mehr Menschen mehr Energie, sodass selbst beim Einsatz neuerer Technologien zu deren Produktion bestenfalls mit einer Verringerung der Anstiegsgeschwindigkeit, keinesfalls aber mit einer Abnahme des CO2-Ausstoßes zu rechnen wäre. Zumindest sollten wir mit den Maßnahmen zur Reduktion anfangen. Diesbezüglich kam es mir heute Morgen bei den Pressestimmen zur Feinstaubbelastung und den Vorschlägen zu deren Eindämmung fast wie ein Hohn vor, als einige das Argument vorbrachten, dass jeder ca. 10 Monate länger leben würde, wenn die derzeitigen Feinstaubbelastungen abgestellt werden könnten, die auch von der Landwirtschaft und unseren Kaminen mit verursacht werden. Denn ehrlich gesagt bei diesem CO2-abhängigen Klimaszenario müsste man ja auch gegenrechnen, wie viel mehr an CO2-Belastung eine zehnmonatige Lebensverlängerung von 7-8 Milliarden Menschen mit sich bringen würde. Allein daran sieht man schon, wie sehr wir eigentlich bei unserer derzeitigen Bevölkerungsdichte auf diesem Planeten in der moralischen Falle sitzen, die uns eigentlich kaum noch Handlungsspielraum lässt. Im Grunde genommen ist es ja gut, dass das den meisten nicht bewusst ist und wir es gut verdrängen können, denn sonst müsste uns das depressiv werden lassen. Oder drücken wir es mal mit einem Beispiel aus der Natur aus: Wenn jedem Gnu auf seiner jährlichen Wanderung bewusst wäre, welche Gefahren die Überquerung des Sambesi birgt, würde dieses von der Wanderung abhängige Ökosystem gleich zusammenbrechen. Will sagen, wenn wir nicht schnell intelligent handeln und stattdessen weiter verdrängen, dann müssen wir durch die Katastrophe. Ist das nicht das, was Reichholf (2008) mit seiner Beschreibung der stabilen Ungleichgewichte schon indirekt zum Ausdruck gebracht hat? Markieren Massensterben, von denen manche sagen, dass das Sechste bevorsteht, immer die Scheitelpunkte, an denen Gleichgewichte unumkehrbar zu kippen beginnen?

Literatur

Lenzen, M., D. Moran, K. Kanemoto, B. Foran, L. Lobefaro & A. Geschke (2012): International trade drives biodiversity threats in developing nations. – Nature 486(7401): 109-112 oder Abstract-Archiv.

Reichholf, J. H. (2008): Stabile Ungleichgewichte. – Frankfurt (Suhrkamp Verlag), 139 S.


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