Loehr, V. J. T., C. G. P. Voogdt & D. Nolan (2019): Ultrastructure of Eggshells from Wild and Captive Speckled Dwarf Tortoises, Chersobius signatus. – Herpetologica 75(1): 63-68.

Die Ultrastruktur der Eierschalen von wilden und in Gefangenschaft gehaltenen gesägten Flachschildkröten, Cherobius signatus.

DOI: 10.1655/0018-0831-75.1.63

Die Ultrastruktur von Schildkröteneierschalen zeigt ein breites Spektrum an spezies-spezifischen Unterschieden, die wahrscheinlich zum Teil die Bedürfnisse widerspiegeln die zum Schutz der Embryonen in unterschiedlichen Inkubationsumwelten erforderlich sind. Die Beziehungen die zwischen der Eierschalenultrastruktur und den Inkubationsbedingungen bestehen sind allerdings so gut wie unbekannt. Anhand der Rasterelektronenmikroskopie untersuchten wir die Ultrastruktur von Eierschalen von wildlebenden und in menschlicher Obhut lebenden Gesägten-Flachschildkröten (Chersobius signatus) einschließlich derer von geschlüpften Eiern wie jenen von sich nicht entwickelnden Eiern. Gesägte Flachschildkröten produzieren mehrere Gelege mit jeweils einem Ei während ihrer sehr kurzen Reproduktionssaison im Frühjahr und sie vergraben ihre Eier nur in flachen Nistgruben wo sie sowohl hohen Temperaturen wie auch einem niedrigen Wasserpotential (Trockenheit) ausgesetzt sind. In Anbetracht dieser harschen Inkubationsbedingungen erwarteten wir eine Schale aus dicken verkalkten Schichten die den Feuchtigkeitsverlust während der Inkubation minimieren. Allerdings sowohl wild lebende wie gehaltene Schildkröten produzierten Eierschalen mit dünnen verkalkten Schichten (durchschnittliche Spanne 125.1 bis 148.3 µm dick). Die Schalen bestanden nicht aus mehreren kristallinen Schichten und Häuten wie man sie bei anderen Landschildkrötenarten findet. Wir vertreten daher die Hypothese, dass die nur dünnen Kalkschalen der Eier der Gesägten Flachschildkröten daher rühren, dass sie mehrere Eier hintereinander in einer nur kurzen Nistsaison produzieren, die nur wenig Zeit für eine starke Kalkschalenbildung für jede Eischale zulässt. Die Vorteile die sich durch die Ablage mehrerer Gelege bieten sind wohl größer als jene einer dicken Eierschale. Die Eierschalen von erfolgreich geschlüpften Eiern hatten poröse, kristalline Regionen und die Eihaut hatte sich von der verkalkten Eischale abgelöst. Diese Charakteristika sind übereinstimmend mit einer Kalziumaufnahme aus der Eischale durch die sich entwickelnden Embryonen, die dazu führen, dass die Kalkkristalle an Höhe verlieren bei den in Gefangenschaft geschlüpften Eiern im Vergleich zu den sich nicht entwickelnden Eiern.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Nun mögen die Autoren mit ihrer Hypothese Recht haben, allerdings ist nicht belegt, dass die Vorteile mehrerer schwachbeschalter Eier vorteilhafter sind. Letztendlich ist dieser Vorteil nur dann gewährleistet, wenn sie auch schlüpfen und nicht austrocknen. Dünne Eierschalen haben aber auch den Vorteil, dass sie einen besseren Gasaustausch mit der Umwelt ermöglichen und die metabolische Entwicklung des Embryos hängt von der Sauerstoffzufuhr ab. Somit könnten dünnschalige Eier auch eine schnellere Entwicklung der Embryonen gewährleisten und somit einen Vorteil bieten. Denn Beutegreifer die Eier knacken können gibt es viele und meist sind sie so groß, dass sie durch ein paar Mikrometer mehr an Schalendicke nicht davon abgehalten werden. Wenn also die Temperaturbedingungen in der Umwelt so sind, dass sie eine schnelle kontinuierliche Entwicklung gewährleisten könnte eine dadurch erreichte Verkürzung der Inkubationszeit auch Vorteile bringen, da das Ei dann für eine geringere Zeitspanne Beutegreifern ausgesetzt ist und der Schlüpfling sich später selbst effektiver in Felsspalten aktiv schützen kann.

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