Chen, T.-H. & K.-Y. Lue (2008): Home ranges and movements of the Chinese stripe-necked turtle (Ocadia sinensis) in the Keelung river, northern Taiwan. – Amphibia-Reptilia 29(3): 383-392.

Territorium und Bewegungen der Chinesischen Sumpfschildkröte (Ocadia sinensis) im Keelungfluss im nördlichen Taiwan

DOI: 10.1163/156853808785112011

Chinesische Streifenschildkröte, Mauremys sinensis – © Hans-Jürgen Bidmon
Chinesische Streifenschildkröte,
Mauremys sinensis,
© Hans-Jürgen Bidmon

Wir untersuchten von Januar 2001 bis April 2002 anhand der Radiotelemetrie Home-Range und Bewegungsmuster von 13 adulten Ocadia sinensis in einem schmalen und gestörten Flusshabitat des Keelungflusses im nördlichen Taiwan. Unsere Ergebnisse belegen, dass die Schildkröten dieser Spezies standorttreu leben, mit einer Territorienlänge von durchschnittlich 703 m Flusslauf (Spanne 170-1.460 m). Bezüglich der Territoriengröße zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Bewegungsmuster der überwachten Schildkröten waren sehr variabel und zeigten keine offensichtlichen saisonspezifischen Muster. Die täglich zurückgelegten Strecken bewegten sich im Bereich von 5-245 m, was in etwa 0,3 % bis 47,1 % ihres genutzten Gesamtterritoriums (Länge/ Flusslauf) entspricht. Gewöhnlich bewegen sich die Schildkröten zu einem neuen Pool (tiefe und ruhige Wasserstelle) nach einer Überflutung oder während einer länger anhaltenden Trockenperiode mit niedrigem Wasserstand. Diese Schildkrötenart wurde äußerst selten an Land lokalisiert, was auf ihre überwiegend aquatische Lebensweise hindeutet. Ocadia sinensis nutzte das Flusshabitat nicht gleichmäßig und bevorzugte hauptsächlich tiefe Stellen mit niedriger Fließgeschwindigkeit, wobei sie auch stark veränderte (verbaute oder kanalisierte Abschnitte) Flussabschnitte vermied. Unsere Ergebnisse werfen Fragen in Bezug auf die Arterhaltung auf und verweisen insbesondere auf den Verlust tiefer Flussabschnitte mit niedriger Fließgeschwindigkeit an vielen Stellen, wo der Fluss diversen Managementprojekten (menschlichen Nutzungen) unterliegt und wo früher wichtige Habitate für O. sinensis lagen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hier wird einmal am konkreten Fall und auch an Bildern gezeigt, was mit Störungen im ökologischen Sinn gemeint ist und was dabei für die Schildkröten verloren geht. Siehe auch: Chen T-H. & K-Y. Lue (2009): Changes in the population structure and diet of the Chinese Stripe-necked turtle (Mauremys sinensis) inhabiting a disturbed river in northern Taiwan. – Zoological Studies 48(1): 95-105 oder Abstract-Archiv; Howeth, J. G., S. E: McGaugh & D. A. Hendrickson (2008): Contrasting demographic and genetic estimates of dispersal in the endangered Coahuilan box turtle: a contemporary approach to conservation. – Molecular Ecology 17: 4209-4221 oder Abstract-Archiv.

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