Maurische Landschildkröte, Testudo graeca, – © Hans-Jürgen Bidmon
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Semah - 2025 - 01

Semah, Mohamed Jaouhar, Roberto C. Rodríguez-Caro, Andrés Giménez, Soumia Fahd & Eva Graciá (2025): Captive-introduced tortoises in wild populations: can we identify them by shell morphology? – European Journal of Wildlife Research 71(1): 13.

Aus der Gefangeschaftshaltung in Wildpopulationen ausgewilderte Landschildkröten: Können wir sie anhand ihrer Panzermorphologie identifizieren?

DOI: 10.1007/s10344-024-01893-1 ➚

Maurische Landschildkröte, Testudo graeca, – © Hans-Jürgen Bidmon
Maurische Landschildkröte,
Testudo graeca,
© Hans-Jürgen Bidmon

Die direkte Ausbeutung und der Handel mit Wildtieren stellen eine erhebliche Bedrohung für die globale Biodiversität dar, insbesondere für Reptilien wie Schildkröten, die sehr anfällig sind. Darüber hinaus kann die Freilassung von in Gefangenschaft gehaltenen Tieren in die Wildnis zu potenziellen negativen Folgen führen, darunter genetische Introgression, Krankheitsübertragung und Parasitenverbreitung. Daher sind diagnostische Bewertungen unerlässlich, um die Auswirkungen von Freilassungspraktiken zu bewerten. In dieser Studie haben wir die Morphologie des Panzers von Maurischen Landschildkröten Testudo graeca analysiert, um die Wirksamkeit der morphologischen Analyse bei der Identifizierung von in Gefangenschaft gehaltenen und ausgewilderten Schildkröten und der Quantifizierung von Schildkrötenfreilassungen in Südostspanien zu bewerten. Obwohl es illegal ist, wird die kulturelle Tradition, Schildkröten zu Hause zu halten und zu züchten, in dieser Region weiterhin gepflegt. Hauptkomponentenanalysen ergaben signifikante morphologische Unterschiede zwischen in Gefangenschaft gehaltenen und wilden Schildkröten. In Gefangenschaft gehaltene Schildkröten wiesen im Allgemeinen größere Panzer und eine größere morphologische Variabilität auf als wildlebende Schildkröten. Dementsprechend konnten durch lineare Diskriminanzanalysen etwa 99 % der wild lebenden Schildkröten genau identifiziert werden, während die Identifizierung von in Gefangenschaft gehaltenen Schildkröten nur bis zu 50 % genau war, da einige in Gefangenschaft gehaltene Schildkröten eine Panzermorphologie aufweisen, die mit der von wildlebenden Schildkröten identisch ist. Diese Ergebnisse spiegeln wahrscheinlich die unterschiedlichen Ursprünge und Wachstumsbedingungen von in Gefangenschaft gehaltenen Schildkröten wider. Obwohl dies wahrscheinlich eine Unterschätzung ist, konnten wir mit unserem Ansatz 7 % von 125 Wildschildkröten an 13 natürlichen Standorten als aus einer Gefangenschaftshaltung ausgewilderte Schildkröten klassifizieren. Diese Ergebnisse verdeutlichen die potenziellen Auswirkungen der Freilassung von Schildkröten auf Wildpopulationen und unterstreichen den Wert morphologischer Analysen als erstes Instrument zur Diagnose solcher Auswirkungen. Darüber hinaus könnte die Integration genetischer und isotopischer Methoden die Genauigkeit dieser Bewertungen weiter verbessern.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Letzteres dürfte wohl zutreffen, da solche Methoden schon getestet wurden (siehe dazu auch Cardeñosa et al., 2021; Hill et al., 2020).

Literatur

Cardeñosa, D., D. D. Chapman, Y. L. Robles, D. A. Ussa & S. Caballero (2021): Rapid species and river-of-origin determination for matamata turtles (Chelus sp.) using real-time PCR: Facilitating rapid return of trafficked specimens back to the wild. – Aquatic Conservation Marine and Freshwater Ecosystems 31(9): 2586-2593 oder Abstract-Archiv.

Hill, K. G. W., K. E. Nielson, J. J. Tyler, F. A. McInerney, Z. A. Doubleday, G. J. Frankham, R. N. Johnson, B. M. Gillanders, S. Delean & P. Cassey (2020): Pet or pest? Stable isotope methods for determining the provenance of an invasive alien species. – NeoBiota 59: 21-37 oder Abstract-Archiv.

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