Kawamura, G., T. Naohara, Y. Tanaka, T. Nishi & K. Anraku (2009): Near-ultraviolet radiation guides the emerged hatchlings of loggerhead turtles Caretta caretta (Linnaeus) from a nesting beach to the sea at night – Marine and Freshwater Behaviour and Physiology 42 (1): 19-30.

Ultraviolettnahe Strahlung leitet bei Nacht frischgeschlüpfte Schlüpflinge der Unechten Karettschildkröte, Caretta caretta (Lineaus) vom Niststrand zum Meer.

Schlüpflinge der Meeresschildkröte (Caretta caretta) verlassen ihre Nester auf den Niststränden meistens bei Nacht und krabbeln sofort zum Meer, selbst von Nestlokalitäten aus, von denen aus sie die See nicht sehen können. Diese Meerfindungsfähigkeit der Schlüpflinge ist eines der herausragendsten Phänomene der Orientierung im Tierreich. Primär liegt dem Meerfindungsmechanismus eine Orientierung zugrunde, die zum Licht hingerichtet ist und Schlüpflinge, denen man die Augen abdeckt, können das Meer nicht finden. Die Schlüpflinge der Karettschildkröten meiden gelbes bis orangefarbiges Licht, werden aber sehr stark von Licht angezogen, dessen Wellenlänge nahe dem ultravioletten bis grünen Bereich des Spektrums liegt. Hier demonstrieren wir in an den Niststränden durchgeführten Experimenten, dass sich Schlüpflinge der Falschen Karettschildkröte zum ersten an dieser ultraviolettnahen Strahlung orientieren und zum zweiten, dass die ultraviolettnahe Strahlung seewärts in allen Nächten immer intensiver ist als landeinwärts. Diese Ergebnisse stehen im Einklang zu Langzeitüberwachungsdaten, die belegen, dass Schlüpflinge der Falschen Karettschildkröte in jeder Nacht und völlig unabhängig von der Mondphase und der Mondposition schlüpfen. Um eine Fehlorientierung auszuschließen, sollten Strassen- und Wohngebietsbeleuchtungen entlang der Niststrände Leuchtquellen benutzen, die keine ultraviolettnahe Strahlung emittieren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine sinnvolle Untersuchung zur praktischen Arterhaltung vor Ort, die aber auch im Hinblick auf andere physiologische Prozesse der Schildkröten Hinweise liefert und es auch wahrscheinlich macht, dass sich Schildkröten – wie für Echsen des Öfteren nachgewiesen – auch im ultravioletten Bereich visuell orientieren können.

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