Herbst, L., A. Ene, M. Su, R. Desalle & J. Lenz (2004): Tumor outbreaks in marine turtles are not due to recent herpesvirus mutations. – Current Biology 14(17): R697-R699.

Das Auftreten von Tumoren bei Meeresschildkröten wird nicht ausgelöst durch vor kurzem erfolgte Mutationen bei Herpesviren

DOI: 10.1016/j.cub.2004.08.040

Grüne Meeresschildkröte, Chelonia mydas – © Hans-Jürgen Bidmon
Grüne Meeresschildkröte,
Chelonia mydas,
© Hans-Jürgen Bidmon

Dieser Kurzreport hat kein Abstract. Er beschreibt die phylogenetische Abstammung und Aufspaltung der Schildkröten-Herpesviren, wie sie sich auf bestimmte Spezies verteilen und welche Unterschiede und Mutationen zwischen atlantischen und pazifischen Populationen auftreten. Dabei wurden im wesentlichen 5 Stämme des Chelonian-Fibropapilloma assoziierten Herpesvirus (C-FP-HV) identifiziert. Untersucht wurden Chelonia mydas, Caretta caretta und Lepidochelys kempi. Drei fast identische Stämme A,B und C traten bei Schildkröten aus den Gewässern um Florida auf. Zudem eine Variante D, die bei Tieren vor Florida und North Carolina gefunden wurde und etwa 5,6 % Unterschiede zu dem A,B und C Stamm zeigte. Wohingegen die um Hawaii gefundene pazifische Variante 2,2 % Unterschied zu den atlantischen Formen zeigte. Daraus geht hervor, dass die Variante mit dem größten Unterschied im gleichen Verbreitungsgebiet wie die Formen A,B, und C auftritt. Die Variante A wurde bei C. mydas und C. caretta gefunden während C aus C. carreta und L. kempi isoliert wurde. Die Autoren beschreiben noch weitere Details, allerdings scheint mir wichtig, dass der Vergleich dieser C-FP-HV Viren mit dem Genom aus allen bekannten Herpesviren zeigt, dass diese Viren sehr alt sind, ca. 300 Millionen Jahre. Selbst die jüngsten Mutationen sind nicht jünger als maximal 1,6 Millionen Jahre, wahrscheinlich aber wesentlich älter, wenn man die Daten noch durch geologische Veränderungen mit einbezieht. Daraus schließen die Autoren, dass die Viren zwar Tumorgewebe besiedeln und sich dort auch gut vermehren können, dass es aber äußerst unwahrscheinlich ist, dass sie die Ursache für das explosionsartige Auftreten solcher Tumore sein können, da Schildkröten eigentlich schon seit Jahrmillionen und fast seit ihrer gesamten Evolution als Träger dieser Viren an diese angepasst sind. Da sich selbst die fast identischen C-FP-HV Typen vor ca. 0,6-1,6 bzw. vor 7,9-8,9 Millionen Jahren aufgespalten haben und man bei den erkrankten Schildkröten je nachdem die eine oder andere Virusvariante findet. müsste zudem bei allen Typen eine unabhängige Mutation erfolgt sein. die sie zur Tumorinduktion befähigt, allerdings gibt es dafür weder Anzeichen und auch nach statistischen Kalkulationen ist diese Möglichkeit als unwahrscheinlich auszuschließen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Befunde zeigen zumindest, dass sich die Wissenschaft auch weiterhin auf die Erforschung anderer Faktoren, die als Auslöser der Tumorerkrankungen infrage kommen, konzentrieren sollte, denn sonst besteht die Gefahr, dass wir einem Epiphänomen nachjagen, das nur Geld kostet, aber den Meeresschildkrötenpopulationen in ihrem Überlebenskampf kaum weiterhilft.

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