Bowden, R. M., A. W. Carter & R. T. Paitz (2014): Constancy in an inconstant world: moving beyond constant temperatures in the study of reptilian incubation. – Integrative Comparative Biology 54(5):830–840.

Konstanz in einer inkonstanten Welt: Ein Blick hinter die konstanten Temperaturen beim Studium der Inkubation bei Reptilien.

Schwankende Umweltbedingungen können den Phänotyp der Nachkommen verändern, was besonders für ektotherme Spezies wie die Reptilien zutrifft. Obwohl das bekannt ist, benutzen die meisten Studien zur Entwicklung bei Reptilien konstante Laborbedingungen. Letzteres führt zur Frage, wie übertragbar solche Studien überhaupt auf die Analyse der natürlichen Bedingungen sind? Hier geben wir erst eine Übersicht über das, was wir aus den unter konstanten Temperaturbedingen durchgeführten Studien gelernt haben. Zum Zweiten untersuchen wir die Bedeutung von Temperaturschwankungen für die Entwicklung von Reptilien und heben die Ergebnisse aus Studien hervor, die unter fluktuierenden Bedingungen durchgeführt wurden. Als nächstes berichten wir über unsere Ergebnisse aus einer neuen Studie, welche die Auswirkungen der Frequenz, mit der die Temperatur schwankt, auf die Entwicklung und den Phänotyp adressiert. Zum Schluss verweisen wir auf einige Forschungsschwerpunkte, die noch besser untersucht werden sollten, sodass die komplexen Interaktionen zwischen Temperatur und Physiologie insbesondere bei Spezies mit temperaturabhängiger Geschlechtsausprägung besser verstanden werden können. Zur Beantwortung der Fragen, welche die komplexen Auswirkungen der Umwelt auf den Phänotyp sind, müssen wir zukünftig Untersuchungen durchführen, die die Schwankungen der Umwelt viel besser miteinbeziehen. Unter Anwendung solcher Studienansätze könnte es möglich sein, wesentlich bessere Vorhersagen darüber zu generieren, wie thermosensitive Organismen auf Umweltveränderungen (Störungen), einschließlich des Klimawandels reagieren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine schöne Übersichtsarbeit zum Thema Inkubation von Reptiliengelegen, die einmal zusammenfast, wie umfassend die Thematik ist, und was es alles bei der Inkubation zu berücksichtigen gilt. Wie der Titel schon ausdrückt, sehen Sie auch an diesem Bespiel, wie sich die Umwelt während der Lebenszeit eines Individuums verändern kann und wie früh das schon anfängt. Auch für die Erhaltungsbiologie sollte hier klar werden, dass man so aus einem an eine bestimmte Umweltsituation angepassten Wildtier ein Haustier machen kann, das eventuell schon unter den bislang meist praktizierten konstanten Inkubationsbedingungen verlernt, auf Umweltschwankungen zu reagieren, was sich auf das spätere Leben dahingehend auswirken kann, dass ein Weibchen beispielsweise verlernt, entsprechend sichere Nistplätze zu suchen. Siehe dazu auch: Fordham et al. (2006) und Bidmon (2014).

Literatur

Bidmon, H.-J. (2014): Kommentar zu: Golubovic, A., M. Andjelkovic, D. Arsovski, A. Vujovic, V. Ikovic, S. Djordjevic & L. Tomovic (2014): Skills or strength-how tortoises cope with dense vegetation? – Acta Ethologica 17: 141–147 oder Abstract-Archiv.

Fordham, D., A. Georges & B. Corey (2006): Compensation for inundation-induced embryonic diapause in a freshwater turtle: achieving predictability in the face of environmental stochasticity. – Functional Ecology 20 (4): 670-677 oder SiF 4/2006.

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